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Leipzig:Wenn der Opernball zum Buhruf-Festival wird

Alexas_Fotos (CC0), Pixabay

Leipzig, Samstagabend, Augustusplatz: Wo sonst Champagnerkorken knallen und die Leipziger High Society im Walzertakt über das Parkett schwebt, klapperten diesmal die Absperrgitter – und zwar lauter als jede Ouvertüre.
Rund 400 Demonstrierende hatten sich versammelt, um dem Opernball einen kleinen Realitätscheck zu verpassen: Motto „Kein Ball für Täter“ – und das Ziel klar vor Augen, oder besser gesagt: vor der Oper.

Roter Teppich trifft rote Köpfe

Ein Schauspiel wie aus dem absurden Theater:
Auf der einen Seite schwebten Claudia Obert, Nico Schwanz und andere VIPs über den roten Teppich, als ginge es um den Preis für selektives Gewissen.
Auf der anderen Seite: Hunderte mit Plakaten, Trillerpfeifen und dem wohl treffendsten Satz des Abends –
„Sag mir, mit wem du feierst, und ich sage dir, wer du bist.“

Die Polizei bildete die Mittellinie zwischen Glitzerwelt und Gesellschaftskritik. Oder, wie man in Leipzig sagt: zwischen Pailletten und Prinzipien.

Opernball oder Empörungsball?

Anlass des Protests war die Einladung von Till Lindemann, dem Rammstein-Frontmann mit mehr juristischer Vergangenheit als Taktgefühl für gesellschaftliche Stimmungen.
Ermittlungen? Eingestellt.
Image? Angeschlagen.
Einladung? Natürlich trotzdem.

„Die Scham muss die Seite wechseln“, stand auf einem Transparent.
Und man fragt sich: Warum eigentlich nur die Scham? Vielleicht sollte gleich der ganze Ball die Seite wechseln – zum Beispiel auf den Parkplatz hinterm Hauptbahnhof.

Promis im Spagat zwischen Glamour und Gewissen

Während drinnen Champagnergläser klirrten, versuchten draußen Menschen, auf Missbrauch und Machtstrukturen aufmerksam zu machen.
Innen: Champagnerfontänen.
Außen: Realitätssprudel.

Zwei Leipziger Demonstranten sagten, sie wollten ein Zeichen gegen Antifeminismus setzen.
Ein anderer Gast im Pelzmantel murmelte derweil, das sei doch „alles cancel culture“.
So hat eben jeder seine Definition von Kultur.

Fanseite mit Tunnelblick

Ein paar Meter weiter, im Halbschatten neben dem Eingangszelt, wartete eine Frau namens Jazzy, 43, Rammstein-Fan der ersten Stunde.

„Ich finde das völlig in Ordnung. Lindemann ist nichts vorzuwerfen.“

Man möchte ihr ein Mikrofon reichen – oder besser ein Geschichtsbuch.
Dass Verfahren eingestellt werden, heißt schließlich nicht, dass man sie gleich in Pailletten hüllt.

Lindemann kommt – natürlich zu spät

Nach stundenlangem Warten – und gefühlt 87-mal „Schäm dich“-Rufen – war er dann da: Till Lindemann, Hand in Hand mit Geigenvirtuose David Garrett, als wäre das Ganze ein Casting für „Tanz der Empörten“.
Uhrzeit: 21:30 Uhr, also zwei Stunden nach Ende der Demo.
Timing ist eben alles – vor allem, wenn man wartet, bis der Applaus verklungen ist.

Fazit: Ein Ball der Widersprüche

Man könnte sagen, Leipzigs Opernball 2025 war ein Fest der Kontraste:
drinnen Tüll, Talk und Taktlosigkeit,
draußen Trillerpfeifen, Transparente und Trotz.

Die einen tanzen, die anderen trotzen – und irgendwo dazwischen steht die Frage, die an diesem Abend lauter war als jedes Orchester:

Wer lädt eigentlich wen noch ein – und warum?

Oder wie ein Demonstrant trocken meinte, als Lindemanns Auto vorfuhr:

„Wenn das Kunst ist, war Sodom wohl auch ein Kulturprogramm.“

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