Die Landwirte in Sachsen-Anhalt schlagen Alarm: Schon jetzt zeigen sich deutliche Schäden auf den Rapsfeldern – und das lange vor der eigentlichen Ernte. Der Landesbauernverband warnt, dass sich die Situation weiter verschärfen könnte, wenn keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden.
„Wir sehen derzeit erhebliche Fraßspuren an jungen Pflanzen“, erklärte ein Sprecher des Verbands. Besonders der Rapserdfloh, ein kleiner Käfer, der sich von den Keimblättern und jungen Trieben ernährt, mache den Landwirten zu schaffen. Durch die zerstörten Pflanzenteile wird der Wachstumsprozess empfindlich gestört, was Ernteausfälle im kommenden Jahr wahrscheinlich macht.
Doch der Rapserdfloh ist nicht der einzige Übeltäter. Zunehmend Sorgen bereitet auch die Schilf-Glasflügelzikade, die sich laut Verband in den vergangenen Jahren rasant ausgebreitet hat. Sie überträgt Pflanzenkrankheiten und befällt nicht nur Raps, sondern auch andere Kulturpflanzen. „Dieser Schädling hat das Potenzial, über verschiedene Pflanzen hinweg zum größten Problem im Ackerbau seit Jahrzehnten zu werden“, warnt der Bauernverband eindringlich.
Forderung nach flexiblerem Pflanzenschutz
Viele Landwirte fordern nun, den Einsatz von Insektiziden wieder auszuweiten. Nach dem Wegfall bestimmter Wirkstoffe und restriktiver EU-Vorgaben stehen den Betrieben immer weniger Mittel zur Verfügung, um gegen Schädlinge vorzugehen. „Wir brauchen praktikable Lösungen, um unsere Ernten zu schützen“, so ein Landwirt aus dem Landkreis Börde.
Der Bauernverband betont, dass es nicht um eine „Rückkehr zu alten Mustern“ gehe, sondern um zielgerichteten Pflanzenschutz, der den Rapsanbau in Deutschland langfristig sichern könne. Ohne wirksame Maßnahmen drohten massive Ernteverluste, die sich nicht nur auf die Landwirtschaft, sondern auch auf die Versorgung mit heimischem Rapsöl auswirken würden.
Forschung und Klimawandel
Fachleute sehen die Ursachen für die Schädlingsplage auch im Klimawandel. Mildere Winter und längere Vegetationsperioden ermöglichen es Insekten, sich schneller zu vermehren und länger aktiv zu bleiben. Forscherinnen und Forscher arbeiten derzeit an neuen Sorten, die widerstandsfähiger gegen Schädlinge sind, doch bis zur Marktreife werden noch Jahre vergehen.
Der Bauernverband fordert daher, kurzfristig rechtliche Spielräume zu nutzen und langfristig in Forschung und Pflanzenschutzstrategien zu investieren. Nur so könne der Rapsanbau in Deutschland wettbewerbsfähig bleiben.