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„Tofu-Wurst bleibt Wurst“ – Verbraucherschützer kritisieren EU-Pläne für Namensverbot bei Fleischalternativen

focusonpc (CC0), Pixabay

Kurz vor der Abstimmung im Europaparlament formiert sich Widerstand gegen ein mögliches Verbot von Bezeichnungen wie „Tofu-Wurst“ oder „Soja-Schnitzel“. Verbraucherschützer, Umweltorganisationen und Vertreter der Ernährungswirtschaft warnen davor, dass ein solches Verbot nicht im Sinne der Verbraucherinnen und Verbraucher wäre, sondern vor allem den Interessen der Fleischindustrie diene.

Foodwatch spricht von „absurdem Lobby-Erfolg“

Der Geschäftsführer der Verbraucherorganisation Foodwatch, Chris Methmann, kritisierte das Vorhaben scharf:

„Niemand kauft versehentlich Tofuwürstchen, weil er glaubt, es seien Rinderwürste. Der Vorschlag ist reiner Lobbyismus im Dienste der Fleischindustrie“, so Methmann.

Die geplante Regelung sieht vor, dass pflanzliche Ersatzprodukte künftig nicht mehr mit Begriffen bezeichnet werden dürfen, die üblicherweise für Fleisch- oder Wurstwaren stehen. Statt „Soja-Schnitzel“ oder „Vegane Bratwurst“ müssten Hersteller dann neutrale, abstrakte Produktnamen verwenden – beispielsweise „pflanzlicher Proteingrillling“.

Verbraucherschützer: Kein Bedarf für Bevormundung

Auch der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) lehnt das Verbot ab. Die Bezeichnung „Tofu-Wurst“ sei verständlich, transparent und längst etabliert, erklärte ein Sprecher. Eine künstliche Umbenennung führe dagegen nur zu Verwirrung im Supermarktregal.

„Verbraucherinnen und Verbraucher wissen sehr genau, was sie kaufen“, heißt es in einer Stellungnahme. „Sie brauchen keine Namensvorschriften, sondern klare Informationen über Inhaltsstoffe und Herkunft.“

Hintergrund: EU-Abgeordnete stimmen über Änderung der Lebensmittelkennzeichnung ab

Am Mittwoch stimmt das Europäische Parlament über eine Reform der Lebensmittelkennzeichnung ab. Ziel der Befürworter des Verbots ist es, „Irreführungen bei der Produktbezeichnung“ zu vermeiden und traditionelle Lebensmittelbezeichnungen zu schützen. Bereits in der Vergangenheit hatte es ähnliche Versuche gegeben – etwa bei der Debatte um die Bezeichnung „Hafermilch“, die in der EU mittlerweile untersagt ist.

Kritiker sehen in den neuen Vorschlägen jedoch den Versuch, den wachsenden Markt für pflanzliche Alternativen auszubremsen. Der Absatz veganer und vegetarischer Produkte in Europa hat sich in den vergangenen fünf Jahren mehr als verdoppelt, während der Fleischkonsum stetig sinkt.

Fleischindustrie unter Druck

Insbesondere Fleisch- und Wursthersteller befürchten offenbar Markenverluste und eine Verwässerung traditioneller Produktbegriffe. Branchenverbände argumentieren, Bezeichnungen wie „Schnitzel“ oder „Salami“ seien kulturell eng mit tierischen Produkten verbunden.

Foodwatch hält dagegen:

„Wenn Fleischproduzenten Angst haben, dass Soja-Schnitzel ihnen Konkurrenz machen, sollten sie ihre Produkte verbessern, statt Worte zu verbieten.“

Fazit: Kampf um Begriffe wird zur Symbolfrage

Ob das Europaparlament tatsächlich ein Verbot beschließt, bleibt offen. Schon jetzt gilt der Streit um die „Tofu-Wurst“ als Symboldebatte zwischen Tradition und Ernährungswandel. Während Verbraucherschützer auf Wahlfreiheit und Sprachklarheit pochen, sehen konservative Abgeordnete den Schutz traditioneller Lebensmittelbegriffe in Gefahr.

Klar ist: Der Markt für pflanzliche Alternativen wächst – und die Begriffe dafür sind längst im Alltag angekommen.

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