Das idyllische Schweizer Bergdorf Brienz/Brinzauls im Kanton Graubünden bleibt auch im Winter 2025/26 unbewohnbar. Was einst ein ruhiger Ort mit atemberaubender Aussicht war, ist nun ein Hochrisikogebiet – bedroht von einer der größten instabilen Schuttmassen der Schweiz. Laut Behörden befinden sich oberhalb des Dorfes aktuell rund 1,2 Millionen Kubikmeter Fels und Geröll in Bewegung, und die Gefahr eines plötzlichen Abgangs ist nach wie vor hoch.
💬 Eine Gemeinde unter Dauerstress
Die rund 80 evakuierten Bewohnerinnen und Bewohner wurden bereits im November 2024 zum Verlassen ihrer Häuser gezwungen – zunächst als temporäre Maßnahme. Doch inzwischen ist klar: Brienz wird auf absehbare Zeit kein sicherer Ort zum Leben sein. Die betroffene Bevölkerung lebt seither in Provisorien oder bei Verwandten in anderen Teilen des Kantons.
„Unser Zuhause ist jetzt ein Sperrgebiet. Wir wissen nicht, ob wir jemals zurückkehren können“, sagt eine ehemalige Einwohnerin von Brienz, die mittlerweile in Chur lebt. Für viele ist es nicht nur der Verlust eines Hauses, sondern auch eines Lebensgefühls, einer Gemeinschaft und ihrer Wurzeln.
🌧 Naturgewalt außer Kontrolle
Der Hang oberhalb des Dorfes – ein sogenannter „Rutschhang“ – ist schon seit Jahren instabil. Durch Klimawandelbedingte Veränderungen wie häufigere Starkniederschläge und auftauende Permafrostböden hat sich die Lage weiter verschärft. Besonders brisant: Schon geringe zusätzliche Niederschlagsmengen können den gesamten Hang mobilisieren und einen Schuttstrom mit verheerender Kraft auslösen.
Fachleute überwachen das Gelände mit Drohnen, Laserscannern und seismischen Messungen rund um die Uhr. Auch präventive Sprengungen einzelner Felsblöcke wurden bereits durchgeführt, um unkontrollierte Abgänge zu vermeiden. Dennoch warnen die Behörden: Eine Rückkehr wäre derzeit unverantwortlich.
🏚 Symbol für den Wandel in den Alpen
Brienz ist inzwischen mehr als ein Einzelfall. Es steht sinnbildlich für die wachsende Verletzlichkeit alpiner Siedlungen, die unter den Auswirkungen des Klimawandels leiden: schmelzende Gletscher, auftauende Berghänge, häufigere Extremwetterereignisse.
Laut Experten könnten in den kommenden Jahren weitere Gemeinden ähnliche Gefahren erleben – und manche sogar dauerhaft aufgegeben werden müssen. In Brienz stellt sich inzwischen genau diese Frage: Wird das Dorf je wieder bewohnbar sein? Oder bleibt es für immer ein Ort, den sich die Natur zurückholt?