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Virtuelle Zäune für den Himmel“ – Experten fordern Kennzeichnungspflicht für Drohnen nach Flughafen-Zwischenfällen

alexman89 (CC0), Pixabay

Die Zahl der Zwischenfälle mit Drohnen in der Nähe von Flughäfen nimmt europaweit zu – und sorgt zunehmend für Alarmstimmung bei Behörden, Fluggesellschaften und Luftfahrtexperten. Immer häufiger müssen Starts und Landungen unterbrochen oder verschoben werden, weil sich unbekannte Drohnen im kontrollierten Luftraum bewegen.

Der Vorsitzende des Europäischen Verbands für unbemannte Luftfahrt, Gerald Wissel, warnt nun eindringlich vor den Folgen und fordert schnelle politische Maßnahmen, insbesondere:

1. Einführung einer europaweiten Kennzeichnungspflicht

Drohnen müssen auf einen Blick identifizierbar sein – ähnlich wie ein Nummernschild beim Auto“, so Wissel. Ziel ist es, legale von illegalen Fluggeräten schnell unterscheiden zu können. Auch Einsatzkräfte und Sicherheitspersonal an Flughäfen müssten in der Lage sein, eine Drohne direkt vor Ort oder per Funk eindeutig zuzuordnen.

Die Kennzeichnung könnte über digitale Identifikationssysteme (Remote ID) erfolgen, bei denen jede Drohne während des Fluges automatisch ihre Seriennummer und den registrierten Betreiber überträgt. In den USA ist dieses System bereits verpflichtend.

🛡️ 2. Virtuelle Schutzwälle – sogenannte Geofences

Darüber hinaus fordert Wissel verbindliche Geofencing-Technologien für alle Drohnenmodelle – also eine Art virtuellen Zaun um sensible Gebiete wie Flughäfen, Regierungsgebäude oder Industrieanlagen.

„Drohnen, die sich Flughäfen nähern, müssten automatisch stoppen oder umkehren – noch bevor sie eine Gefahrenzone erreichen.“

Hersteller könnten verpflichtet werden, diese digitalen Sperrzonen in die Software zu integrieren, sodass private Drohnen ohne besondere Genehmigung gar nicht mehr in kritische Lufträume eindringen können.

📈 Ein wachsender Markt – mit wachsenden Risiken

Der europäische Drohnenmarkt wächst rasant. Laut aktuellen Prognosen sollen bis 2030 mehr als 7 Millionen Drohnen im zivilen Einsatz sein – ob zur Paketzustellung, Vermessung, Landwirtschaft oder Freizeitnutzung. Doch je mehr Fluggeräte in der Luft unterwegs sind, desto höher das Risiko von Fehlverhalten, Technikversagen oder gezieltem Missbrauch.

Bereits 2023 mussten mehrere europäische Flughäfen wegen Drohnensichtungen teilweise gesperrt werden – darunter London Gatwick, Frankfurt am Main und Madrid. Die Folge: Dutzende verspätete oder gestrichene Flüge, tausende betroffene Passagiere und erhebliche wirtschaftliche Schäden.

🧑‍✈️ Pilotengewerkschaften schlagen Alarm

Auch die Gewerkschaft der Verkehrsflieger (Vereinigung Cockpit) zeigt sich besorgt. Ein Zusammenstoß zwischen Drohne und Flugzeug – besonders in der sensiblen Start- oder Landephase – könne fatale Folgen haben. „Es braucht dringend technische Lösungen und gesetzliche Grundlagen, um das Sicherheitsniveau im Luftverkehr zu erhalten“, so ein Sprecher.

🗳️ Politischer Handlungsbedarf auf EU-Ebene

Bisher sind die Vorschriften für Drohnen in der EU zwar durch die EASA (European Union Aviation Safety Agency) vereinheitlicht worden – allerdings werden sie noch nicht flächendeckend durchgesetzt. Nationale Unterschiede, unklare Zuständigkeiten und eine schwache Kontrolle führen dazu, dass viele Drohnenpiloten weder registriert noch geschult sind – oder sich schlicht nicht an Regeln halten.

Experten wie Wissel fordern deshalb:

  • Einheitliche, EU-weit verpflichtende Remote-ID-Kennzeichnung

  • Pflicht-Geofencing für Drohnen in Nähe von Flughäfen und kritischer Infrastruktur

  • Eine zentrale europäische Drohnendatenbank

  • Strengere Sanktionen bei Verstößen

  • Und eine breit angelegte Aufklärungskampagne, um private Nutzer zu sensibilisieren

🔍 Fazit: Die Luft wird enger – und gefährlicher

Die Drohnentechnologie bringt enormes Potenzial mit sich – wirtschaftlich wie gesellschaftlich. Doch ohne klare Regeln, technische Schutzmechanismen und grenzübergreifende Kontrolle droht ein gefährlicher Wildwuchs im Luftraum.

„Wir müssen handeln, bevor es zu einem ernsthaften Zwischenfall kommt“, mahnt Wissel. „Drohnen gehören in den Himmel – aber nur unter sicheren Bedingungen.“

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