Die US-Raumfahrtbehörde Nasa arbeitet offenbar an konkreten Plänen, einen Atomreaktor auf der Oberfläche des Mondes zu installieren. Wie die US-Nachrichtenseite Politico berichtet, soll bis spätestens 2030 ein rund 100 Kilowatt starker Reaktor entwickelt und auf dem Mond stationiert werden. Ziel sei es, eine zuverlässige Stromversorgung für langfristige bemannte Missionen und mögliche Forschungsstationen sicherzustellen.
Laut dem Bericht plant die Nasa, innerhalb der kommenden 60 Tage Vorschläge von Industriepartnern einzuholen. Unternehmen aus dem Raumfahrt-, Energie- und Technologiesektor sind aufgerufen, innovative Konzepte für den Bau, den Transport und den sicheren Betrieb des Reaktors einzureichen. Das Projekt ist Teil der breiter angelegten US-Mondstrategie, die unter anderem eine dauerhafte Präsenz auf dem Erdtrabanten vorsieht.
Energieversorgung als Schlüssel für Mondmissionen
Ein Atomreaktor auf dem Mond würde eine stabile und unabhängige Energiequelle bieten – unabhängig von Sonnenlicht, das auf dem Mond aufgrund des Tag-Nacht-Zyklus nur begrenzt verfügbar ist. Während ein Mondtag etwa 14 Erdtage dauert, herrscht während der langen Mondnächte völlige Dunkelheit – ein kritischer Engpass für die Stromversorgung, insbesondere für Basen oder mobile Systeme. Ein nuklear betriebenes Energiesystem könnte diese Lücke schließen und rund um die Uhr Strom liefern.
Rückkehr zum Mond: bemannte Mission ab 2027 geplant
Das Reaktorprojekt steht im Zusammenhang mit dem ehrgeizigen Artemis-Programm der USA. Bereits 2027 will die Nasa zum ersten Mal seit über 50 Jahren wieder Menschen auf den Mond bringen. Die langfristige Vision geht über eine einzelne Mission hinaus: Geplant sind dauerhafte Infrastrukturen, Forschungseinrichtungen und Zwischenstationen für spätere Marsflüge.
Die Energiefrage spielt dabei eine zentrale Rolle. Neben nuklearen Konzepten werden auch solare und batteriebasierte Systeme erprobt – doch nur die Atomenergie verspricht eine kontinuierliche Versorgung, selbst unter extremen Umweltbedingungen.
Internationale Debatte über nukleare Technologien im All
Der Einsatz von Atomenergie im Weltraum ist nicht unumstritten. Während Befürworter auf Effizienz und Zuverlässigkeit verweisen, warnen Kritiker vor den Risiken bei Transport und Betrieb. Auch die rechtlichen Rahmenbedingungen für nukleare Anlagen im All sind bislang nur unzureichend geklärt.
Die Nasa betont, dass höchste Sicherheitsstandards gelten sollen und alle Vorhaben in Übereinstimmung mit internationalen Raumfahrtabkommen durchgeführt würden. Bereits seit Jahrzehnten kommen kleine nukleare Stromquellen – sogenannte RTGs – in Sonden wie Voyager oder Curiosity zum Einsatz. Ein 100-Kilowatt-Reaktor auf dem Mond wäre jedoch ein völlig neuer Maßstab.