Die sprachlichen Fähigkeiten vieler Kinder zu Schulbeginn haben sich deutlich verschlechtert. Wie das Thüringer Gesundheitsministerium mitteilte, zeigen aktuelle Untersuchungen, dass im Schuljahr 2024/2025 rund 31 Prozent der Erstklässler Sprachstörungen aufwiesen. Damit ist der Anteil im Vergleich zu den Vorjahren nochmals deutlich gestiegen: Zwischen 2020 und 2023 lag er bei 24 bis 27 Prozent.
Die festgestellten Sprachdefizite sind vielfältig: Einige Kinder lispeln oder stottern, viele können keine vollständigen Sätze bilden, verfügen nur über einen eingeschränkten Wortschatz oder haben Verständnisschwierigkeiten bei einfachen Anweisungen. Die betroffenen Kinder haben dadurch oft erhebliche Nachteile beim Schulstart, insbesondere beim Lesen- und Schreibenlernen.
Weitere gesundheitliche Auffälligkeiten
Neben sprachlichen Entwicklungsverzögerungen wurden bei den Schuluntersuchungen auch andere gesundheitliche Probleme festgestellt. Weit verbreitet sind Verhaltensauffälligkeiten, Defizite in der Fein- und Grobmotorik, Sehstörungen sowie Karies. Diese Kombination an Problemen weist laut Expertinnen und Experten darauf hin, dass ein wachsender Teil der Kinder nicht optimal auf die Schule vorbereitet ist – sowohl kognitiv als auch gesundheitlich.
Lichtblick beim Übergewicht
Eine positive Entwicklung zeigt sich hingegen beim Thema Übergewicht: Der Anteil übergewichtiger Kinder ist laut Ministerium leicht zurückgegangen. Konkrete Zahlen wurden nicht genannt, doch dieser Rückgang sei auf verändertes Freizeitverhalten und möglicherweise auf verbesserte Ernährung in manchen Familien zurückzuführen.
Ursachen und Herausforderungen
Pädagoginnen und Kinderärztinnen sehen die Ursachen der Sprachdefizite unter anderem in vermehrtem Medienkonsum, weniger direktem Sprachkontakt in Familien sowie in eingeschränkten sozialen Interaktionen in den frühen Lebensjahren. Die Corona-Pandemie habe diese Tendenzen zusätzlich verschärft, etwa durch ausgefallene Kita-Besuche oder eingeschränkte Förderangebote. Hinzu komme, dass viele Familien – insbesondere aus sozioökonomisch benachteiligten Verhältnissen – kaum Zugang zu Logopädie, Ergotherapie oder präventiver Gesundheitsförderung hätten.
Das Gesundheitsministerium appelliert daher an die Kommunen und Bildungseinrichtungen, frühzeitiger gegenzusteuern – durch verbindliche Sprachtests, mehr Sprachförderprogramme in Kitas sowie eine engere Zusammenarbeit zwischen Gesundheits- und Bildungssystem. Auch Eltern müssten stärker für die Bedeutung frühkindlicher Sprachentwicklung sensibilisiert werden.
Fazit
Die steigende Zahl sprachlich auffälliger Schulanfänger ist ein Warnsignal. Wenn Kinder mit deutlichen Defiziten in Sprache, Motorik und Verhalten eingeschult werden, sind sie oft schon früh im Bildungssystem benachteiligt. Die Politik steht vor der Aufgabe, präventive Angebote auszubauen und gezielt dort zu investieren, wo die Risiken am höchsten sind – in Bildung, Gesundheit und Elternarbeit.