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Österreichische Großbanken zeigen sich krisenfest – Stresstest-Ergebnisse bestätigen solide Widerstandsfähigkeit

jorono (CC0), Pixabay

Die heute von der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA) und der Europäischen Zentralbank (EZB) veröffentlichten Ergebnisse des großangelegten EU-weiten Stresstests zeigen: Die österreichischen Großbanken halten auch unter widrigsten wirtschaftlichen Bedingungen stand. Gemeinsam mit nationalen Aufsichtsbehörden wurden insgesamt 96 bedeutende europäische Banken auf ihre Krisenfestigkeit geprüft – darunter fünf Institute aus Österreich.

Deutlich geringerer Kapitalverlust als im Vorjahr

Im Mittelpunkt der Untersuchung stand die Entwicklung der harten Kernkapitalquote (CET1-R) im sogenannten adversen Szenario, das extreme wirtschaftliche Belastungen simuliert. Im Durchschnitt der Banken im Euroraum sank die CET1-R zwischen Ende 2024 und Ende 2027 um 4,0 Prozentpunkte auf 12,0 %. Zum Vergleich: Im Stresstest 2023 lag der Rückgang bei 5,0 Prozentpunkten, was zu einer Quote von 10,4 % führte.

Der verbesserte Wert im aktuellen Test ist trotz gestiegener Verluste aus dem Kreditrisiko bemerkenswert und vor allem auf die gestiegene Ertragskraft der Banken zurückzuführen. Das günstige Zinsumfeld der letzten Jahre hat wesentlich zur hohen Ausgangsprofitabilität beigetragen – ein Effekt, der sich laut den Aufsichtsbehörden künftig jedoch abschwächen dürfte.

Österreichische Banken im europäischen Mittelfeld

Auch die fünf teilnehmenden österreichischen Banken – darunter die Erste Group und die Raiffeisen Bank International unter Führung der EBA sowie Addiko, Raiffeisenlandesbank Oberösterreich und die Volksbanken unter Aufsicht der EZB – zeigen sich im Belastungsszenario robust. Im Durchschnitt sinkt ihre Kapitalquote um 3,6 Prozentpunkte auf 13,0 % CET1-R und liegt damit im europäischen Mittelfeld. Der Rückgang fiel geringer aus als im Stresstest 2023, allerdings nur leicht (damals: 4,0 Prozentpunkte).

Auf individueller Ebene variiert die Performance der Institute. Dennoch erfüllen alle getesteten österreichischen Banken im Stress-Szenario die regulatorisch vorgegebenen Kapitalanforderungen.

Stimmen der Aufsicht: Stabile Banken als Rückgrat der Wirtschaft

Helmut Ettl, Vorstand der Finanzmarktaufsicht (FMA), betont die Bedeutung solider Kapitalausstattung gerade in volatilen Zeiten:

„Gerade in Zeiten großer Ungewissheit erwarten wir von den Banken weiterhin eine solide Kapitalbasis. Die Wirtschaft wird auch in den nächsten Jahren mit unvorhersehbaren Herausforderungen zu tun haben und ist daher auf einen stabilen Bankensektor als Partner angewiesen.“

Thomas Steiner, Direktor der Österreichischen Nationalbank (OeNB), ergänzt:

„Die aktuellen Ergebnisse unterstreichen die Widerstandsfähigkeit des österreichischen Bankensektors. Gleichzeitig nehmen schwer quantifizierbare Risiken wie Cyberbedrohungen und geopolitische Spannungen zu – daher beobachten wir als Aufsicht die individuellen Risikoprofile der Banken mit besonderer Aufmerksamkeit.“

Belastungsszenario: Globale Risiken, Inflation und Lieferkettenprobleme

Dem Stresstest lag ein fiktives Krisenszenario zugrunde, das einen schweren Wirtschaftseinbruch mit geopolitischen Spannungen, steigenden Energiepreisen, Handelskonflikten und Störungen globaler Lieferketten unterstellt. Gleichzeitig wird von einem Anstieg der Inflation und der Marktzinsen ausgegangen.

Die Folge: Höhere Kreditausfälle, sinkende Provisionserträge und starke Marktschwankungen führen zu erheblichen Belastungen der Bankbilanzen. Gleichzeitig wirkt sich die hohe Ausgangsprofitabilität stabilisierend auf die Kapitalquoten aus. Ergänzend wurden Analysen zu Gegenparteiverflechtungen und zollbasierten Handelskonflikten durchgeführt.

Hintergrund: Stresstest als Teil der Bankenaufsicht

Der europaweite Stresstest wird alle zwei Jahre durchgeführt und deckt rund 83 % des europäischen Bankensektors ab – gemessen an der Bilanzsumme. Für 51 Banken erfolgt die Durchführung unter Leitung der EBA, für weitere 45 Banken unter Verantwortung der EZB. Die individuellen Ergebnisse sind auf den Websites der EBA und EZB einsehbar.

Einige österreichische Banken – darunter BAWAG und Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien – nahmen aufgrund interner struktureller Veränderungen nicht am aktuellen Stresstest teil.

Die Resultate fließen in den aufsichtlichen Überprüfungs- und Bewertungsprozess (SREP) ein. Dazu zählen unter anderem:

  • die Bewertung von Governance- und Risikomanagementstrukturen,

  • die Überprüfung der Datenqualität,

  • sowie die Festlegung der Säule-2-Empfehlung (P2G) – einer zusätzlichen Kapitalreserve, die individuelle Risiken aus Stressszenarien abdecken soll.

Identifizierte Schwachstellen einzelner Institute werden im Nachgang überprüft und gegebenenfalls durch aufsichtliche Maßnahmen adressiert.

Ausblick: Einführung von CRR3 und nationaler Stresstest

Die Ergebnisse berücksichtigen auch die Umsetzung der neuen Kapitaladäquanzverordnung (CRR3), die am 1. Januar 2025 in Kraft getreten ist. Bis zum vollständigen Inkrafttreten im Jahr 2033 gilt eine Übergangsphase. Für die teilnehmenden österreichischen Banken sind die Auswirkungen sowohl kurz- als auch langfristig begrenzt.

Parallel führen OeNB und FMA einen eigenen Stresstest für kleinere, nicht EU-weit getestete österreichische Banken durch. Die aggregierten Ergebnisse dieses nationalen Stresstests werden im Financial Stability Report 50 im November 2025 veröffentlicht.

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