Nach vier Jahrzehnten ist Schluss mit dem „G.I. Joe“-Feeling auf vier Rädern: Die US-Armee verabschiedet sich vom legendären Humvee und setzt künftig auf ein deutlich leichteres, schnelleres und günstigeres Gefährt – das Infantry Squad Vehicle (ISV). Das neue Gefährt erinnert mehr an einen Geländebuggy als an einen gepanzerten Truppentransporter – kein Dach, keine Türen, dafür Platz für neun Soldaten und viel Tempo.
Kein Panzer mehr – sondern Tempo gegen Drohnen
Das ISV ist Teil der groß angelegten Modernisierung des US-Militärs, das sich auf mögliche Konflikte mit technologisch gleichwertigen Gegnern wie China vorbereitet. Wie Alex Miller, technischer Chefberater des Heeres, betont:
„Der Humvee war gut für das, wofür er gebaut wurde. Aber nicht für das, was kommt.“
Die Armee geht davon aus, dass künftig Geschwindigkeit wichtiger sein wird als Panzerung – nicht zuletzt wegen der Erfahrungen aus der Ukraine, wo Drohnen langsame Fahrzeuge und selbst Panzer in rollende Särge verwandelten.
Von der Ikone zur Antiquität
Seit 1985 war der Humvee im Einsatz – ein Symbol der US-Armee. Über 300.000 Fahrzeuge wurden gebaut, zuletzt wurde er wegen seiner schwachen Panzerung jedoch zur tödlichen Falle für Soldaten. Improvisierte Sprengsätze (IEDs) in Afghanistan und im Irak machten das Fahrzeug berüchtigt.
Der neue „Jeep“: billiger, leichter, einfacher zu reparieren
Der neue ISV basiert zu 80 % auf einem handelsüblichen Chevy Colorado-Pickup. Die wenigen militärspezifischen Bauteile beschränken sich auf Kommunikation und Elektronik. Vorteil: Ersatzteile gibt’s weltweit, zur Not beim nächsten Autohändler.
„Ein ISV lässt sich fast überall reparieren – ganz ohne Spezialausrüstung“, so Miller.
Der Preisvorteil ist beträchtlich: Rund 80.000 US-Dollar günstiger als ein Humvee – und so leicht, dass ein Black Hawk-Hubschrauber ihn an einem Seil transportieren kann.
Was, wenn wieder ein IED-Krieg kommt?
Ein Pentagon-Insider bringt es auf den Punkt:
„Wenn wir wieder in einen Straßenkrieg mit Sprengfallen geraten – kaufen wir eben etwas anderes.“
Kritiker wie Michael O’Hanlon von der Brookings Institution sind skeptisch. Er erinnert an das milliardenteure Future Combat Systems-Projekt, das ebenfalls ambitioniert begann – und grandios scheiterte.
„Damals sah alles auf PowerPoint gut aus. Aber die Technik war nicht bereit. Vielleicht ist sie es immer noch nicht.“
Soldaten loben Übersicht und Geschwindigkeit
Im Gelände hat sich das ISV bereits bewährt: Soldaten der 101. US-Luftlandedivision berichten von besserer Übersicht, besserem Handling und höherer Reichweite. Auch bei Katastropheneinsätzen, wie nach Hurrikan Helene 2024 in North Carolina, war das Fahrzeug auf kaputten Straßen einsatzfähig – anders als der Humvee.
„Das ISV wird ein ikonisches Fahrzeug“, meint Lt. Col. Jonathan Nielsen.
Fazit:
Was wie ein Rückschritt in Sachen Schutz aussieht, ist strategisch gewollt. Schnelligkeit, Flexibilität und Drohnenunterstützung sollen in der nächsten Generation des Krieges Leben retten – nicht dicke Panzerplatten.