Präsident Donald Trump hat sich erstmals öffentlich zu einem möglichen Begnadigungsgesuch für Musikmogul Sean „Diddy“ Combs geäußert – und das mit der ihm eigenen Mischung aus Unschärfe, Eitelkeit und Rachegelüsten.
In einem Interview mit Newsmax-Moderator Rob Finnerty wurde Trump gefragt, ob er Combs, der im Juli in einem aufsehenerregenden Verfahren von den schwerwiegendsten Vorwürfen des Menschenhandels freigesprochen worden war, begnadigen würde. Trumps Antwort: ein „halbherziges Vielleicht“.
„Er war im Grunde, naja, irgendwie halbschuldig. Ich weiß nicht, ob er noch im Gefängnis ist oder so“, sagte Trump über Combs. „Er hat den Freispruch gefeiert, aber es war wohl kein kompletter Sieg.“
Zwischen Justiz und Persönlichem
Combs war im Juli von den Anklagepunkten der Zwangsprostitution und des Menschenhandels freigesprochen worden, wurde jedoch in zwei weniger schweren Fällen der Anbahnung von Prostitution verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte ihm vorgeworfen, Frauen zu sogenannten „Freak-Off“-Sexpartys gedrängt zu haben.
Trump betonte, seine Entscheidung werde auch durch persönliche Erfahrungen beeinflusst. Combs habe sich während Trumps Präsidentschaftswahlkampf „sehr unfreundlich“ geäußert.
„Ich mochte ihn. Wir kamen gut klar. Dann kandidiere ich – und plötzlich sagt er schreckliche Dinge“, so Trump. „Das macht es schwerer, eine Begnadigung in Betracht zu ziehen.“
Megyn Kelly warnt: „Das wäre Gift für junge Wählerinnen“
Kritik an der Begnadigungsdebatte kam prompt: Die konservative Kommentatorin Megyn Kelly warnte öffentlich vor einem „Pardon Diddy“. Dieser sei ein Trump-Hasser und ein mutmaßlicher Frauenmisshandler. Eine Begnadigung könne das ohnehin angespannte Verhältnis zwischen den Republikanern und jungen weiblichen Wählerinnen weiter belasten.
Justizironie und Wahlkampftheater
Dass Trump überhaupt öffentlich über eine mögliche Begnadigung spricht, obwohl Combs keine solche beantragt hat, zeigt einmal mehr: In Trumps Welt sind Justiz und Publicity schwer voneinander zu trennen. Der Ex-Präsident inszeniert sich als moralischer Schiedsrichter – allerdings stets mit Blick auf persönliche Loyalitäten.
„Wir sind alle Menschen“, sagte Trump. „Und wir mögen es nicht, wenn Leute gemein zu uns sind.“
Ob Trump Combs am Ende wirklich begnadigen würde, bleibt offen. Klar ist nur: In der Mischung aus Boulevard, Justiz und Wahlkampf spielt Trump seine altbewährte Rolle – als Richter, Jury und Showmaster in einem.