Microsoft und sein Partnerunternehmen OpenAI sehen sich in den USA mit einer neuen Sammelklage konfrontiert. Eine Gruppe von Autorinnen und Autoren wirft den Tech-Giganten vor, ihre urheberrechtlich geschützten Werke ohne Zustimmung und ohne Vergütung genutzt zu haben, um Künstliche Intelligenz – darunter ChatGPT – zu trainieren. Die Klage wurde bei einem Bundesgericht in New York eingereicht.
Im Zentrum der Vorwürfe steht die Behauptung, Microsoft und OpenAI hätten über 200.000 Bücher, darunter viele literarische Werke namhafter Autorinnen und Autoren, aus illegalen Quellen bezogen und in ihre Trainingsdaten eingespeist. Ziel sei gewesen, die Leistungsfähigkeit der KI-Modelle durch hochwertiges, menschlich geschriebenes Material zu steigern – ohne dafür Lizenzgebühren zu zahlen oder die Rechteinhaber überhaupt zu fragen.
„Massive Urheberrechtsverletzung im industriellen Maßstab“
In der Klageschrift ist von einer „systematischen Ausbeutung geistigen Eigentums“ die Rede. Die Kläger argumentieren, dass ihre Werke über sogenannte Schattenbibliotheken – illegale Onlinearchive – eingespeist worden sein könnten. Für sie stellt dies eine massive Verletzung des Urheberrechts dar, die nicht nur finanzielle Schäden verursacht, sondern auch kreative Arbeit entwertet.
Ein Sprecher der klagenden Autorengruppe erklärte: „Microsoft und OpenAI haben sich einen Wettbewerbsvorteil verschafft, indem sie kostenlos auf den kreativen Output Tausender Schriftsteller zurückgegriffen haben – ein klarer Fall von geistigem Diebstahl.“ Die Kläger fordern Schadensersatz in bislang nicht genannter Höhe sowie Unterlassung der weiteren Nutzung ihrer Texte in KI-Systemen.
Microsoft und OpenAI äußern sich zurückhaltend
Microsoft und OpenAI haben sich zu den konkreten Vorwürfen bisher nicht öffentlich geäußert. Beide Unternehmen betonen jedoch regelmäßig, dass sie sich bei der Entwicklung ihrer KI-Modelle an geltendes Recht hielten und an fairen Lösungen mit der Kreativbranche interessiert seien.
Bereits in der Vergangenheit gab es ähnliche Klagen, unter anderem von bekannten Schriftstellern wie George R. R. Martin und Jonathan Franzen. Auch diese werfen den KI-Firmen vor, ohne Zustimmung ihre Bücher zur Verbesserung maschinellen Sprachverständnisses genutzt zu haben.
Grundsatzdebatte um Urheberrecht und KI
Der Fall bringt erneut eine zentrale Frage der KI-Entwicklung ins Rampenlicht: Dürfen KI-Systeme urheberrechtlich geschützte Inhalte nutzen, um daraus zu lernen? Und wenn ja – unter welchen Bedingungen?
Während Tech-Unternehmen argumentieren, dass das Training von KI durch große Textmengen im Rahmen des Urheberrechts möglich sei (Stichwort „Fair Use“), fordern viele Kreative klare Regeln, Transparenz und Beteiligung an den Erlösen, die durch solche Technologien entstehen.
Die Entscheidung in diesem Fall könnte weitreichende Auswirkungen auf die gesamte Branche haben – nicht nur in den USA, sondern weltweit. Denn sie betrifft das Grundverhältnis zwischen Kreativschaffenden und Technologieunternehmen in einer Zeit, in der künstliche Intelligenz immer stärker in kreative Prozesse eingreift.