Dark Mode Light Mode

EU-Parlament will Hunde und Katzen besser schützen – strengere Regeln für Zucht, Haltung und Handel geplant

paula_olly (CC0), Pixabay

Das Europäische Parlament hat sich klar für einen umfassenden Schutz von Hunden und Katzen ausgesprochen und ein Maßnahmenpaket verabschiedet, das das Tierwohl in der gesamten Europäischen Union deutlich verbessern soll. Im Fokus stehen dabei unter anderem die Einschränkung qualvoller Zuchtpraktiken, die Abschaffung grausamer Erziehungsmethoden sowie eine bessere Kontrolle des Handels mit Haustieren.

Verstümmelungen nur noch in Ausnahmefällen erlaubt

Ein wesentlicher Bestandteil des neuen Regelungsvorschlags betrifft körperliche Eingriffe wie das Kupieren von Ohren oder das Abschneiden von Schwänzen – Maßnahmen, die bislang in manchen Ländern noch aus ästhetischen oder praktischen Gründen vorgenommen werden. Diese Verstümmelungen sollen künftig in der gesamten EU nur noch aus zwingenden medizinischen Gründen zulässig sein – und auch dann ausschließlich unter fachgerechter Narkose. Ziel ist es, unnötige Schmerzen und dauerhafte Leiden für die Tiere zu vermeiden.

Verbot von Gewaltmethoden und Qualzuchten

Auch in der Erziehung von Haustieren sollen tierschutzwidrige Methoden bald der Vergangenheit angehören. Das Parlament fordert ein Verbot von Gewaltmitteln wie Stromhalsbändern, Würgehalsbändern oder anderen aversiven Trainingsmethoden im privaten Bereich. Diese Hilfsmittel fügen den Tieren häufig Schmerzen zu und können psychische Schäden verursachen.

Besonders deutlich positioniert sich das Parlament gegen sogenannte Qualzuchten: Zuchtpraktiken, bei denen extreme körperliche Merkmale – etwa übermäßig kurze Beine, stark gefaltete Haut oder extrem flache Schnauzen – gezielt gefördert werden, sollen verboten werden. Solche Merkmale mögen zwar bestimmten Schönheitsidealen entsprechen, führen bei den betroffenen Tieren aber häufig zu chronischen Atemproblemen, Schmerzen beim Gehen oder schweren Augen- und Hauterkrankungen. Der Schutz vor solchem vermeidbaren Leid soll durch klare Zuchtstandards verbessert werden.

Pflicht zur Kennzeichnung: Chippen und Registrieren für mehr Kontrolle

Ein weiterer zentraler Aspekt des Beschlusses ist der Kampf gegen den illegalen Welpenhandel – ein lukratives Geschäft, das oft mit massiver Tierquälerei, unkontrollierten Zuchten und gefälschten Papieren einhergeht. Um hier effektiver vorzugehen, sollen künftig alle Hunde und Katzen in der EU verpflichtend mit einem Mikrochip gekennzeichnet und in einer zentralen Datenbank registriert werden. So könnten Herkunft und Eigentümer jederzeit nachvollzogen und illegale Händler leichter entlarvt werden.

Nächste Schritte: Verhandlungen mit den EU-Mitgliedstaaten

Bevor die vorgeschlagenen Regeln tatsächlich in Kraft treten, muss das Europäische Parlament nun mit den Regierungen der EU-Mitgliedstaaten verhandeln. In diesen sogenannten Trilog-Gesprächen wird über die konkrete Ausgestaltung und Umsetzung der Maßnahmen entschieden. Dabei dürfte es noch zu Anpassungen und Diskussionen kommen, da die Mitgliedstaaten unterschiedliche nationale Regelungen zum Tierschutz haben.

Die Abgeordneten im Parlament zeigten sich jedoch optimistisch, dass mit diesem Vorstoß ein entscheidender Schritt hin zu einem höheren Tierschutzniveau in Europa getan werden kann. Viele der nun vorgesehenen Maßnahmen werden von Tierschutzorganisationen bereits seit Jahren gefordert und gelten als längst überfällig. Ziel ist es, Leid und Missbrauch von Haustieren europaweit wirksam zu bekämpfen – von der Zucht über die Haltung bis hin zum Handel.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Insolvenzverfahren gegen Revera Immobilien Investment GmbH: Vorläufige Maßnahmen aufgehoben

Next Post

Vorläufige Insolvenzverwaltung über die Schwarzberg Bau GmbH eingeleitet