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USA verlangen Social-Media-Striptease für Studentenvisa – Willkommen im digitalen Verhörraum

JESHOOTS-com (CC0), Pixabay

Wer in den USA studieren will, braucht ab sofort nicht nur gute Noten, eine gültige Immatrikulationsbescheinigung und ausreichend finanzielle Mittel – sondern auch ein vorbildliches Social-Media-Profil. Denn laut neuer Richtlinien des US-Außenministeriums müssen ausländische Bewerberinnen und Bewerber für ein Studenten- oder Austauschvisum künftig ihre Aktivitäten in sozialen Netzwerken offenlegen – vollständig, freiwillig und natürlich nur zum Schutz der nationalen Sicherheit.

Ein hochrangiger Beamter in Washington sprach ganz ungerührt von einer „umfassenden und gründlichen Überprüfung“ aller Antragsteller. Übersetzt heißt das: US-Konsulate rund um den Globus machen sich jetzt daran, Twitter-Posts, Instagram-Stories und Facebook-Kommentare von künftigen Studierenden zu durchforsten – auf der Suche nach verdächtigen Gedanken, undeutlichen Memes oder – Gott bewahre – Kritik an der amerikanischen Außenpolitik.

Damit der große Daten-TÜV auch reibungslos funktioniert, müssen die Antragsteller ihre Social-Media-Profile auf „öffentlich“ stellen – quasi als Eintrittskarte ins gelobte Land der Meinungsfreiheit. Denn wer nichts zu verbergen hat, hat ja bekanntlich auch nichts zu befürchten. Und wer doch was zu verbergen hat – etwa ironische Kommentare über amerikanische Politik oder ein Like unter einem regierungskritischen Beitrag – dem wird dann eben höflich mitgeteilt, dass ein Studium in den Vereinigten Staaten vielleicht doch nicht das Richtige ist.

Von Harvard bis Homeland Security – der neue Visaantrag 2.0

Dass das Studentenvisum damit zum ideologischen Belastungstest mutiert, scheint kaum zu stören. Vielmehr wirkt es, als wolle man sicherstellen, dass künftige Studierende bereits bei der Einreise die Werte der USA verinnerlicht haben – zumindest jene, die in offiziellen Regierungsbroschüren stehen. Kritische Gedanken? Satirische Inhalte? Politisches Engagement? Lieber nur noch in verschlüsselten Gruppen oder Offline-Gesprächen. Wer sicher über die Grenze will, löscht besser alles, was nach Individualität aussieht, und postet stattdessen Sonnenuntergänge mit #AmericanDream.

Natürlich geht es hier – laut offizieller Begründung – nicht um Zensur, sondern um Sicherheit. Schließlich könne in einem satirischen Instagram-Reel über Cheeseburger und Überwachung schon der Keim einer staatsgefährdenden Gesinnung stecken. Die große Freiheitsstatue schaut dabei vermutlich zustimmend vom Hudson River aus zu – oder runzelt die Stirn, je nachdem, ob sie den letzten Tweet des Bewerbers verstanden hat.

Das große Comeback der Visa-Kontrolle

Die neuen Vorschriften kommen pünktlich zum Neustart des Visaverfahrens für ausländische Studierende. Nachdem die USA im Mai aus „technischen und sicherheitspolitischen Gründen“ ein vorübergehendes Einfrieren der Anträge beschlossen hatten, ist das Verfahren nun wieder freigegeben – allerdings mit zusätzlichen Anforderungen und einem Hauch von Orwell.

Dass die USA dabei nicht allein dastehen, sondern sich in bester Gesellschaft mit Ländern wie China oder Russland befinden, wenn es um die digitale Durchleuchtung von Ausländern geht, dürfte eher nebensächlich sein. Wichtig ist, dass man nach außen weiterhin das Bild eines offenen Landes wahrt – solange das offene Denken der Bewerberinnen und Bewerber nicht allzu unbequem wird.

Fazit: Studieren mit Selbstzensur

Für internationale Studierende heißt das nun: Vor der Bewerbung bitte einmal den digitalen Hausputz erledigen. Alte Tweets löschen, Instagram-Profil reinigen, Facebook-Kommentare auf Linientreue prüfen. Die moderne Studienvorbereitung beginnt nicht mehr mit einem Sprachkurs – sondern mit dem Feinschliff des digitalen Ichs. Denn in den USA darf man zwar alles denken – aber bitte erst, wenn das Visum genehmigt wurde.

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