Der frühere US-Präsident Joe Biden wurde am 16. Mai mit einer aggressiven Form von Prostatakrebs im fortgeschrittenen Stadium diagnostiziert. Laut Angaben seines Sprechers hatte Biden zuletzt im Jahr 2014 einen PSA-Test zur Früherkennung gemacht – sieben Jahre vor Beginn seiner Präsidentschaft.
Während seiner vier Amtsjahre als Präsident unterzog sich Biden jährlich einer ärztlichen Routineuntersuchung. Allerdings wurden dabei keine PSA-Tests (Prostataspezifisches Antigen) durchgeführt – in Einklang mit den medizinischen Leitlinien für Männer über 70.
Die einflussreiche US-Preventive Services Task Force rät Männern im Alter zwischen 55 und 69 Jahren, eine PSA-Screening in Absprache mit dem behandelnden Arzt individuell abzuwägen. Für Männer ab 70 hingegen wird eine routinemäßige Früherkennung nicht empfohlen. Grund dafür sind mögliche Risiken wie falsch-positive Ergebnisse, Überdiagnosen und unnötige Behandlungen, die oft mehr schaden als nutzen.
Der nun 82-jährige Biden zeigte kürzlich Symptome wie Probleme beim Wasserlassen. Eine Untersuchung ergab einen Knoten an der Prostata. Weitere Tests bestätigten die Diagnose: Prostatakrebs im Stadium 4 – die fortgeschrittenste Form der Erkrankung, bei der der Krebs bereits in die Knochen gestreut hat.
Der sogenannte Gleason-Score liegt bei Biden bei 9, was auf eine besonders aggressive und schnell wachsende Krebsform hinweist. Dennoch betonen Experten, dass auch ohne regelmäßige PSA-Tests keine medizinische Nachlässigkeit vorliegt.
„Exzellente medizinische Betreuung bedeutet nicht, dass zu viel oder zu wenig getestet wird“, erklärte Dr. Michael Morris, Onkologe am Memorial Sloan Kettering Cancer Center.
Einige Experten äußerten sich dennoch überrascht über die späte Diagnose. In der heutigen Zeit sei es ungewöhnlich, dass Prostatakrebs erst im metastasierten Stadium erkannt werde, so der Urologe Dr. Herbert Lepor von der NYU Langone Health.
Noch im Februar 2024 hatte Bidens Leibarzt Dr. Kevin O’Connor dem damaligen Präsidenten ein gutes Gesundheitszeugnis ausgestellt: Biden sei ein „gesunder, aktiver und robuster 81-Jähriger, der weiterhin fähig ist, die Aufgaben des Präsidentenamts erfolgreich auszuüben“.