Ein Stück DDR-Eisenbahngeschichte ist zurück auf deutschen Schienen. Der legendäre Schnelltriebwagen VT 18.16, vielen als „Vindobona“ bekannt, wurde nach jahrelanger und aufwendiger Restaurierung wieder betriebsfähig gemacht. Künftig soll der historische Zug nicht nur kurze Ausflüge unternehmen: Geplant sind mehrtägige Sonderfahrten unter anderem nach Sylt, Usedom, Prag, Karlsbad, Heidelberg und ins Rheintal.
Für Eisenbahnfreunde ist die Rückkehr eine kleine Sensation. Der elegante Dieseltriebzug gehörte einst zu den Prestigezügen der Deutschen Reichsbahn und wurde auf internationalen Verbindungen eingesetzt. Besonders bekannt wurde die Baureihe durch den „Vindobona“ auf der Verbindung über Dresden und Prag nach Wien.
Mehr als sieben Millionen Euro für die Wiederbelebung
Hinter der Rückkehr steckt ein gewaltiges Restaurierungsprojekt. Nach den aktuellen Angaben flossen mehr als sieben Millionen Euro in die Wiederherstellung des historischen Zuges. Hinzu kamen mehr als 80.000 ehrenamtlich geleistete Arbeitsstunden.
Das Projekt wurde durch Fördermittel von Bund und Ländern, Spenden und vor allem durch den Einsatz zahlreicher Eisenbahnfreunde ermöglicht. Seit 2018 wurde das erhaltene Exemplar umfangreich aufgearbeitet, überwiegend in Halberstadt.
Dabei ging es nicht nur darum, den Zug äußerlich schön herzurichten. Die historische Technik musste so aufgearbeitet werden, dass der mehr als ein halbes Jahrhundert alte Schnelltriebwagen tatsächlich wieder auf dem heutigen Schienennetz eingesetzt werden kann.
Einst Prestigezug der DDR
Der VT 18.16 wurde in den 1960er-Jahren im VEB Waggonbau Görlitz entwickelt und gebaut. Mit seiner stromlinienförmigen Front, seiner gehobenen Innenausstattung und einer Höchstgeschwindigkeit von bis zu 160 Kilometern pro Stunde gehörte er zu den modernsten Zügen der Deutschen Reichsbahn.
Die Züge wurden speziell für hochwertige internationale Verbindungen gebaut und fuhren unter anderem in Richtung Österreich, Tschechoslowakei und Skandinavien. Heute sind nur noch wenige Exemplare der Baureihe erhalten.
Wegen seines für damalige Verhältnisse modernen Designs wird der VT 18.16 heute gelegentlich sogar als „ICE des Ostens“ bezeichnet.
Nach 23 Jahren wieder auf großer Fahrt
Besonders bemerkenswert: Der restaurierte Zug war mehr als zwei Jahrzehnte nicht mehr regulär betriebsfähig unterwegs. Seine letzte Fahrt vor der Wiederbelebung fand im April 2003 statt. Anschließend stand er jahrelang abgestellt. Erst nach der umfassenden Restaurierung konnte er im Juni 2026 wieder offiziell in Dienst gestellt werden.
Dass historische Technik trotz aller Restaurierung ihre Eigenheiten behält, zeigte sich bereits kurz danach. Ein Motorschaden zwang den Zug zu einer rund eineinhalbmonatigen Reparaturpause. Inzwischen ist der Schaden behoben und der VT 18.16 wieder unterwegs.
Am vergangenen Wochenende kehrte er erstmals wieder in seine Geburtsstadt Görlitz zurück. Zahlreiche Eisenbahnfreunde erwarteten den historischen Zug am Bahnhof.
Mit dem DDR-Schnellzug bis nach Sylt
Doch die Betreiber haben wesentlich größere Pläne.
Der historische Zug soll künftig im Sonder- und Charterverkehr eingesetzt werden. Für Herbst 2026 sind mehrtägige Reisen unter anderem nach Prag und Karlsbad sowie nach Usedom und Sylt vorgesehen. Auch Heidelberg und das Rheintal stehen auf dem Reiseplan.
Damit könnte der ehemalige internationale Prestigezug der DDR künftig von der Ostsee bis zur Nordsee unterwegs sein.
Eine Fahrt ist allerdings kein gewöhnliches Bahnticket. Die mehrtägigen Reisen werden über einen Reiseveranstalter angeboten. Nach aktuellen Angaben liegen die Preise für entsprechende Arrangements bei ungefähr 998 bis 1.098 Euro. Einige Termine sind bereits ausgebucht.
Kein Museumsstück, sondern wieder ein richtiger Zug
Das Besondere an dem Projekt ist deshalb nicht allein die Restaurierung. Der VT 18.16 soll nicht dauerhaft als unbewegliches Ausstellungsstück in einem Museum stehen, sondern tatsächlich wieder Kilometer sammeln und Fahrgäste befördern.
Sein regulärer Standort befindet sich in einer Halle in Radebeul-Ost. Von dort aus soll der Zug zu Sonder- und Charterfahrten starten.
Damit ist aus einem Stück DDR-Verkehrsgeschichte wieder ein fahrfähiger Zug geworden. Nach Millioneninvestitionen, jahrelanger Arbeit und Zehntausenden ehrenamtlichen Arbeitsstunden können Reisende heute wieder dort Platz nehmen, wo vor Jahrzehnten Fahrgäste auf internationalen Strecken durch Europa unterwegs waren.
Der „Vindobona“ ist damit nicht nur restauriert worden – die Eisenbahnlegende fährt tatsächlich wieder.