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„Der MSCI World ist kein Weltindex – sondern ein US-Index mit Weltfassade“

Tumisu (CC0), Pixabay

Redaktion: Herr Bremer, der MSCI World ist einer der beliebtesten Indizes bei ETF-Anlegern. Warum gerät er jetzt in die Kritik?

Thomas Bremer: Weil er ein ziemlich schiefes Bild von der Weltwirtschaft zeichnet. Über 70 Prozent der enthaltenen Unternehmen stammen aus den USA. Was viele für einen breit gestreuten Weltindex halten, ist in Wahrheit ein US-Aktienfonds mit internationaler Beilage. Solange Tech-Riesen wie Apple und Microsoft gut liefen, hat das niemand gestört. Aber die aktuellen politischen Unsicherheiten in den USA und Trumps wirtschaftspolitische Alleingänge lassen die Kurse schwächeln. Das spüren ETF-Anleger jetzt direkt im Depot.

Redaktion: Was empfehlen Sie ETF-Sparern in dieser Situation?

Bremer: Keine Panik – aber durchaus ein Update. Wer langfristig spart, sollte den MSCI World nicht komplett über Bord werfen. Aber man kann die US-Dominanz mit gezielten Ergänzungen deutlich abmildern. Es gibt mehrere Indizes, die besser ausbalanciert sind.

Redaktion: Zum Beispiel?

Bremer: Eine interessante Variante ist der MSCI World Equal Weighted. Er enthält die gleichen Unternehmen wie der klassische MSCI World, gewichtet sie aber gleichmäßig. So sinkt der US-Anteil von über 70 auf etwa 42 Prozent – und kleinere Märkte gewinnen an Bedeutung. Auch der MSCI ACWI ist spannend, weil er zusätzlich Schwellenländer abdeckt. Oder man geht auf den FTSE All World, der über 4.000 Unternehmen weltweit enthält. All das führt zu mehr geografischer Streuung.

Redaktion: Wäre es auch denkbar, gezielt auf Europa oder Schwellenländer zu setzen?

Bremer: Absolut. Wer mehr Kontrolle über die Gewichtung will, kann den MSCI World mit regionalen ETFs kombinieren – etwa dem Stoxx Europe 600 für europäische Aktien oder dem MSCI Emerging Markets für die Schwellenländer. Damit kann man die eigene ETF-Strategie maßgeschneidert justieren, ohne das Grundgerüst aufzugeben.

Redaktion: Was ist mit der langfristigen Perspektive? Viele sind verunsichert durch die aktuellen Börsenturbulenzen.

Bremer: Natürlich – geopolitische Risiken, schwankende Währungen und wirtschaftliche Unsicherheiten verunsichern Anleger. Aber ETF-Sparpläne sind für den langen Atem gedacht. Langfristig haben sich Welt-Indizes wie der MSCI World historisch mit rund 8 Prozent Rendite pro Jahr entwickelt. Wer monatlich investiert, nutzt Kursrückgänge sogar zum Einstieg zu günstigeren Preisen. Das berühmte Kostolany-Zitat trifft es ganz gut: „Kaufen Sie Aktien, nehmen Sie Schlaftabletten und schauen Sie die Papiere nicht mehr an.“

Redaktion: Bleibt die Frage: Ist der MSCI World also erledigt – oder nur ein Fall für ein Rebalancing?

Bremer: Ich würde sagen: kein Auslaufmodell, aber überbewertet im Ruf. Der MSCI World ist solide – aber eben nicht global. Wer ihn versteht, kann ihn weiter nutzen. Wer ihm blind vertraut, wird irgendwann enttäuscht. Deshalb mein Rat: Ergänzen, ausbalancieren – und vor allem nicht nervös werden.

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