Sie gelten als tägliche Begleiter moderner Freizeitsportler:innen und ambitionierter Athleten – doch wie genau sind Smartwatches wirklich? Eine aktuelle Studie zeigt: Bei Laufen, Radfahren und Schwimmen weichen die Messwerte der Uhren teils deutlich von den tatsächlichen Leistungsdaten ab. Selbst bei hochwertigen Modellen können Puls- und Distanzangaben problematisch sein – mit möglichen Folgen für das Training.
Untersuchung mit 30 Testpersonen und zehn Smartwatches
Durchgeführt wurde die Studie vom Forschungsteam rund um Prof. Olaf Ueberschär, Experte für Mensch-Technik-Interaktion und Biomechanik an der Hochschule Magdeburg-Stendal und dem IAT Leipzig. 15 Frauen und 15 Männer mit unterschiedlichem sportlichen Hintergrund – von Freizeitsport bis semiprofessionelles Niveau – testeten zehn gängige Smartwatch-Modelle. Die Ergebnisse fließen auch in den 40. Jahreskongress der Gesellschaft für Orthopädisch-Traumatologische Sportmedizin (GOTS) ein, der Mitte Mai an der Donauuniversität Krems stattfindet.
Laufen mit Tücken, Radfahren überraschend präzise
Die überraschende Erkenntnis: Messungen beim Radfahren – insbesondere auf langen, geraden Strecken – waren am genauesten. Deutlich schwieriger gestaltet sich die Lage beim Laufen. Sowohl auf freien Strecken als auch auf der 400-Meter-Bahn traten signifikante Abweichungen bei der Distanz- und Geschwindigkeitserfassung auf. Im Mittel wichen die Uhren um etwa fünf Prozent von der realen Strecke ab – mit einer Bandbreite von 0,8 bis 17 Prozent. Für Sportlerinnen und Sportler, die ihr Training präzise steuern wollen, kann das erhebliche Auswirkungen haben.
Herzfrequenzmessung: Optik am Limit
Besonders anfällig für Fehler zeigte sich die Herzfrequenzmessung über optische Sensoren am Handgelenk. Gründe dafür sind Bewegungen des Arms, Unterschiede im Hauttyp oder variierendes Unterhautfettgewebe. „Auch bei hochwertigen Geräten kommt es immer wieder zu fehlerhaften Messwerten – bei manchen Sportlern funktioniert die Pulsmessung gar nicht verlässlich“, erklärt Studienleiter Ueberschär. Seine Empfehlung: „Jede:r sollte die Smartwatch einmal mit einem EKG oder einem Brustgurt gegenmessen – nur so erkennt man die persönliche Abweichung.“
Schwimmen: Wenn Technik untergeht
Am ungenauesten arbeiten die Uhren laut Studie im Wasser. Während beim konstanten Kraulen über 400 Meter zumindest einzelne Geräte brauchbare Werte lieferten, waren die meisten Modelle bei Lagenwechseln komplett überfordert. „Die Uhren konnten weder den Schwimmstil noch die Distanz korrekt erfassen – in Extremfällen betrug die Fehlerquote 100 Prozent“, so Ueberschär. Zwei Uhren verfehlten die Anzahl der Bahnen um eine volle Länge.
Fazit: Nützlich, aber nicht unfehlbar
Die Studie liefert ein differenziertes Bild: Smartwatches bieten wertvolle Einblicke ins Training – aber sie sind keine medizinischen oder sportwissenschaftlichen Präzisionsinstrumente. Wer Training oder gar Diagnostik auf die Uhr stützt, sollte deren Grenzen kennen – und kritisch prüfen.