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Chinas Joker im Handelskrieg: Wie Peking mit seltenen Erden Trumps Zolloffensive kontert

DWilliam (CC0), Pixabay

Während US-Präsident Donald Trump mit Strafzöllen in dreistelliger Höhe auf chinesische Importe den wirtschaftlichen Druck auf Peking erhöht, hat Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping still und strategisch eine Karte ausgespielt, die Washingtons Pläne empfindlich stören könnte: seltene Erden.

Diese unscheinbaren Metalle sind das Rückgrat moderner Hochtechnologie – von Smartphones über Elektroautos bis hin zu F-35-Kampfjets und Atom-U-Booten. Und: Fast alle kommen aus China.

Im April 2025 zog Peking die Notbremse. In Reaktion auf Trumps „reziproke Zölle“ verhängte China Exportbeschränkungen für sieben besonders strategisch wichtige seltene Erden – samt zugehöriger Produkte wie Magnete. Künftig müssen Unternehmen eine staatliche Genehmigung einholen, um diese Rohstoffe auszuführen.

David gegen Goliath? Eher umgekehrt.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Zwar produziert China „nur“ 61 % der weltweit geförderten seltenen Erden, aber es kontrolliert satte 92 % der weltweiten Weiterverarbeitung – also den wirklich entscheidenden Teil der Wertschöpfungskette.

Für die USA und ihre Industrie ist das ein Problem. Viele Firmen hatten kaum Vorräte angelegt. Lieferungen von Hightech-Magneten an mindestens fünf westliche Unternehmen wurden laut Berichten bereits gestoppt. Brancheninsider sprechen von „viel Verwirrung“ und massiven Verzögerungen, da sich Firmen erst durch das neue Genehmigungsverfahren kämpfen müssen.

„Das ist Chinas Ass im Ärmel“, sagt Joshua Ballard, CEO von USA Rare Earth. „Die USA haben kaum Spielraum, mit Gegenmaßnahmen zu reagieren.“

Sperren statt Steuern

Anders als Zölle lässt sich der Zugang zu seltenen Erden nicht einfach aus dem Ärmel schütteln – dafür sind Abbau und Verarbeitung teuer, umweltbelastend und technisch anspruchsvoll. Jahrzehntelang war es wirtschaftlich schlicht günstiger, sich auf chinesische Lieferungen zu verlassen. Diese Bequemlichkeit rächt sich nun.

Zwar versuchen die USA seit 2020, eine eigene Lieferkette aufzubauen, unterstützt von fast 440 Millionen Dollar aus dem Verteidigungsministerium. Doch das ist ein Wettlauf gegen die Zeit – und gegen die eigene Trägheit. Produktionsstätten sind im Aufbau, aber voll lieferfähig ist bislang kaum ein Unternehmen.

„Wir haben das Know-how verloren“, resümiert der britische Berater John Ormerod nüchtern. Jahrzehntelange Abhängigkeit und Abwanderung der Produktion nach China haben ihre Spuren hinterlassen. Heute sei die Konkurrenzfähigkeit kaum noch gegeben – allein schon wegen der Skaleneffekte und staatlichen Subventionen in China.

Ein Werkzeugkasten aus der Deng-Ära

Dabei war Chinas Plan kein Geheimnis. Schon 1992 sagte Deng Xiaoping: „Im Nahen Osten gibt es Öl, in China seltene Erden.“ Und tatsächlich: Während der Westen auf kurzfristige Gewinne setzte, investierte Peking langfristig in Technologie, Automatisierung und Forschung.

Das Ergebnis: China hat nicht nur den Markt, sondern auch die politische Macht über diesen Schlüsselbereich der Zukunftstechnologie.

Ein Weckruf für Washington

Doch die Krise birgt auch Chancen: Start-ups wie Phoenix Tailings in Massachusetts verarbeiten seltene Erden mittlerweile mit neuen, umweltfreundlicheren Technologien. Andere Firmen bauen neue Werke in Texas oder New Hampshire.

„Die USA haben die Fähigkeit, sich selbst zu versorgen – aber es braucht klare politische Unterstützung und Geschwindigkeit“, sagt Nicholas Myers, CEO von Phoenix Tailings.

Denn selbst mit eigenen Vorkommen ist der Weg zum industriellen Einsatz lang. „Wie machen wir das schneller? Wie schalten wir das frei, was wir bereits haben?“ fragt sich auch Joshua Ballard von USA Rare Earth.

Fazit: Der Wettlauf hat begonnen

Während Trump Zölle verhängt und China Kontermaßnahmen mit chirurgischer Präzision platziert, läuft im Hintergrund ein globales Rennen um technologische Souveränität.

China hat seinen Vorsprung über Jahrzehnte aufgebaut – nun liegt es an den USA, ob sie die Gelegenheit nutzen, sich aus der strategischen Abhängigkeit zu befreien. Doch eines ist sicher: Die Zeit der billigen Magnete aus Fernost ist fürs Erste vorbei.

Und vielleicht lernt man im Weißen Haus gerade auf die harte Tour, dass Handelskriege nicht nur mit Strafzöllen, sondern mit Rohstoffen entschieden werden.

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