US-Präsident Donald Trump will die Weltwirtschaft nicht nur verändern – er will sie neu starten. So zumindest lässt sich seine Strategie zusammenfassen, mit der er das internationale Handelssystem in Windeseile auf den Kopf stellt.
Was als „America First“ begann, entwickelt sich immer mehr zu einer ökonomischen Revolution – oder, je nach Perspektive, zu einem globalen Erdbeben. Innerhalb weniger Wochen hat sich die Rolle der USA von einem verlässlichen Partner in Handelsfragen zu einem unberechenbaren Akteur mit brachialer Zollpolitik gewandelt.
„Der Westen, wie wir ihn kannten, existiert nicht mehr.“ Mit diesen drastischen Worten kommentierte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen kürzlich die Lage. Gemeint war nicht nur der Rückzug der USA aus internationalen Handelsabkommen, sondern ein grundsätzlicher Vertrauensverlust.
Ein Feuerwerk der Zölle
Trump hat seit seinem Amtsantritt am 20. Januar 2025 ein regelrechtes Trommelfeuer an Strafzöllen gezündet:
- 145 % auf alle Importe aus China,
- 25 % auf Autos,
- 25 % auf Aluminium und Stahl,
- 10 % auf sämtliche US-Importe,
- dazu Sonderzölle auf Mexiko, Kanada und viele andere.
Was früher mit Handelsabkommen geregelt wurde, geschieht nun per Dekret – manchmal im Tagesrhythmus. Analysten sprechen von einem wirtschaftlichen whiplash, einem Schleudertrauma der Märkte. Erst werden Zölle verhängt, dann wieder zurückgenommen, nur um kurz darauf neue anzukündigen.
„Solche fundamentalen Richtungswechsel haben wir noch nie erlebt“, sagte Fed-Chef Jerome Powell auf einer Veranstaltung in Chicago. Ein Satz, der an den Börsen für Schockwellen sorgte – und Trump dazu veranlasste, Powell in den sozialen Medien zur „sofortigen Entlassung“ zu empfehlen.
Die Welt schaut sich nach Alternativen um
Die EU, China, Kanada, Indien – sie alle positionieren sich neu. Europa wird wieder als verlässlicher Partner entdeckt, der auf Regeln, Stabilität und Planbarkeit setzt.
„Alle wollen mehr Handel mit Europa – nicht nur wegen der wirtschaftlichen Vorteile, sondern auch wegen der Verlässlichkeit“, sagte von der Leyen. Auch die kanadische Regierung kündigte an, die transatlantischen Beziehungen zu intensivieren. Premierminister Mark Carney erklärte offen, man wolle sich gemeinsam mit Europa gegen „wirtschaftliche Unsicherheiten“ wappnen.
China wiederum nutzt die Gelegenheit, seine Abhängigkeit vom US-Markt weiter zu verringern: Der Anteil der US-Exporte am chinesischen Gesamtausfuhrvolumen sank von 19,2 % im Jahr 2018 auf nur noch 14,7 % im Jahr 2024. Parallel stärkt Peking seine Wirtschaftsbeziehungen zu Brasilien, der EU und ASEAN-Staaten.
Die USA: Wirtschaftliche Supermacht – aber isoliert?
Donald Trump zeigt sich davon unbeeindruckt. „Niemand kann mit uns konkurrieren, niemand“, sagte er jüngst auf Nachfrage eines Reporters. Doch seine Vorstellung von wirtschaftlicher Unabhängigkeit sorgt international für Stirnrunzeln.
Denn bei aller Größe (rund 30 Billionen US-Dollar BIP) sind die USA nur ein Teil des globalen Handels. WTO-Chefin Ngozi Okonjo-Iweala rechnete kürzlich vor: Nur 13 % des Welthandels entfielen auf die USA – 87 % finden zwischen anderen Staaten statt.
Was auf dem Spiel steht
Trump will mit Zöllen die US-Industrie zurückholen. Aber Unternehmen wie Nvidia, Boeing und Konsumplattformen wie Temu oder Shein spüren bereits die Schattenseiten: höhere Produktionskosten, unterbrochene Lieferketten, Verunsicherung bei Kunden.
Moody’s warnte vor „erheblichen Risiken für das globale Wirtschaftswachstum“ und bezeichnete Trumps Kurs als „Vertrauensbremse“. Europa und Kanada sprechen bereits vom „Weg in die Unabhängigkeit“, von der Notwendigkeit, das wirtschaftliche Schicksal wieder selbst in die Hand zu nehmen.
Christine Lagarde, Chefin der Europäischen Zentralbank, formulierte es kämpferisch:
„Jetzt ist der Moment, unser Schicksal selbst zu bestimmen.“
Fazit: Ein Spiel mit hohem Einsatz
Donald Trump will, dass sich die Welt neu sortiert – und das passiert gerade. Ob sein Plan, die USA zur neuen alten Werkbank der Welt zu machen, aufgeht, bleibt fraglich.
Sicher ist nur: Die wirtschaftliche Landkarte verschiebt sich rasant. Und Trumps Handelskrieg könnte der größte Reset des globalen Wirtschaftssystems seit dem Zweiten Weltkrieg werden – mit unabsehbaren Folgen für die Märkte, die Industrie und letztlich auch die Wähler, die ihn an die Macht zurückgebracht haben.