Von Woche zu Woche steigt die Nervosität der amerikanischen Verbraucher. 6,7 % Inflationserwartung – so hoch wie seit 1981 nicht mehr. Damals nannte man es The Great Inflation, heute könnten wir es genauso gut The Great Uncertainty nennen. Denn was die US-Wirtschaft aktuell lähmt, ist nicht nur die Aussicht auf steigende Preise, sondern vor allem ein Gefühl: Angst.
Die Universität Michigan hat es klar dokumentiert – das Vertrauen der Verbraucher in die wirtschaftliche Zukunft ist auf einem historischen Tiefpunkt. Nicht, weil die Regale leer wären. Nicht, weil Jobs massenhaft verschwinden. Sondern weil politische Entscheidungen getroffen – oder angekündigt – werden, die mehr Unsicherheit erzeugen als Lösungen bieten.
Präsident Trump ruft „Make America Safe Again“ und zündet eine neue Runde an Importzöllen. Klingt nach Stärke, wirkt aber wie ein wirtschaftspolitischer Boomerang. Denn genau diese Zölle treiben die Preise hoch. Güter werden teurer, Lieferketten komplizierter, die Planungssicherheit sinkt. Die Inflation wird nicht bekämpft – sie wird politisch instrumentalisiert.
Und ja, die Amerikaner spüren das. Sie trauen sich weniger zu konsumieren, weniger zu investieren, weniger zu träumen. Eine Wirtschaft, die auf Vertrauen basiert, beginnt zu bröckeln, wenn aus der Regierung mehr markige Sprüche als verlässliche Strategien kommen.
Dabei ist Inflation kein Dämon, der über Nacht kommt. Sie ist das Ergebnis komplexer Faktoren: globale Lieferketten, Rohstoffpreise, Geldpolitik. Aber sie ist auch ein Spiegelbild der kollektiven Psyche. Wenn wir glauben, dass alles teurer wird, dann wird es das auch. Erwartungen beeinflussen Realität – das gilt in der Ökonomie wie im Leben.
Deshalb ist es brandgefährlich, wenn Politiker wie Trump Inflation als Vorwand nutzen, um nationale Alleingänge durchzuziehen. Denn wer an den Märkten zündelt, darf sich nicht wundern, wenn das Feuer zurückschlägt.
Amerika braucht keine Zollkriege, sondern stabile Rahmenbedingungen, transparente Kommunikation und eine Wirtschaftspolitik, die Vertrauen schafft, statt Ängste zu schüren.
Angst ist kein Wirtschaftskonzept. Und Populismus kein Ersatz für solide Strategie.