Ein Filter, der Nutzer auf Fotos künstlich „übergewichtig“ erscheinen ließ, wurde nach heftiger Kritik aus der TikTok-App entfernt. Der sogenannte „Chubby-Filter“ nutzte Künstliche Intelligenz, um die Gesichtszüge von Personen so zu verändern, als hätten sie deutlich zugenommen – begleitet von Kommentaren wie „So sehe ich in zehn Jahren aus“ oder „Ich bin geschockt“.
Was als vermeintlich lustiger Trend begann, wurde schnell zum Auslöser ernster Diskussionen. Viele Nutzer:innen empfanden die Wirkung des Filters als fat-shaming – also als eine Form von Diskriminierung aufgrund des Körpergewichts. Insbesondere Menschen mit kurvigem Körperbau fühlten sich verletzt oder zur Zielscheibe gemacht.
Warnung vor Essstörungen und toxischer Körperkultur
Fachleute schlugen Alarm: Der Filter könne ein verzerrtes Schönheitsideal fördern und eine „toxische Diätkultur“ anheizen, die wiederum Essstörungen und ein gestörtes Selbstbild begünstigt. Das Problem sei nicht nur, wie Nutzer:innen über sich selbst sprechen, sondern auch die Botschaft, die an junge, beeinflussbare Menschen gesendet werde.
„Solche Inhalte vermitteln: Dick sein ist schlimm, ein Makel, eine Lachnummer“, hieß es von Ernährungsexpert:innen. Dadurch entstehe ein sozialer Druck, der weit über einen harmlosen Internettrend hinausgehe.
TikToks Reaktion
Der Filter stammte ursprünglich nicht direkt von TikTok, sondern wurde über die Video- und Bearbeitungsplattform CapCut hochgeladen – ein Tochterunternehmen des Mutterkonzerns ByteDance. TikTok selbst erklärte, man prüfe nun Inhalte, die den Filter verwendet haben. Diese würden nicht mehr empfohlen und für Jugendliche gesperrt. Videos, die gegen die Community-Richtlinien verstoßen – etwa durch Mobbing oder Herabwürdigung – sollen entfernt werden.
„Was soll daran witzig sein?“
Viele Nutzer:innen berichteten von Unwohlsein oder gar Schamgefühlen beim Anblick der Bilder. Einige löschten TikTok zeitweise von ihren Geräten. Besonders kritisch äußerten sich Menschen, deren reales Aussehen mit der künstlich „veränderten“ Version übereinstimmte – sie fühlten sich „zur Karikatur erklärt“ und ausgegrenzt.
Andere stellten die Frage: Wenn sich Millionen User über ein verändertes Körperbild amüsieren – was sagt das über unseren Umgang mit Körpervielfalt aus?
Fazit: Kein harmloser Gag
Was als Trend begann, entpuppt sich als Spiegelbild tiefer gesellschaftlicher Probleme: Bodyshaming, toxische Ideale und der leichte Zugang zu KI-Tools, die nicht nur unterhalten, sondern beeinflussen und verletzen können. Der Fall zeigt erneut, wie wichtig es ist, digitale Inhalte kritisch zu hinterfragen – und wie dringend Plattformen Verantwortung übernehmen müssen.
Denn ein bisschen Spaß auf Kosten anderer war noch nie wirklich witzig.