Vertrauen will verdient sein – nicht nur eingefordert
Seit Jahren hören wir dieselben Phrasen: visionäre Präsentationen, ambitionierte Pläne, beeindruckende Folien – alles garniert mit dem stetigen Appell, dass es „nur noch Kapital braucht“, um Großes zu erreichen. Die MABEWO AG ist längst ein Paradebeispiel dafür geworden, wie Theorie und Realität in zwei völlig verschiedene Richtungen driften können.
Was in Hochglanzbroschüren und Investoren-Webinaren als technologischer und ökologischer Durchbruch verkauft wurde, lässt sich in der Realität kaum belegen. Bis auf eine einzelne Erfolgsmeldung aus der Nähe Frankfurts fehlt es an echten, sichtbaren Ergebnissen. Kein Projekt, auf das man mit Stolz zeigen könnte. Kein messbarer Fortschritt, der die investierten Millionen rechtfertigen würde.
Stattdessen: Verzögerungen, vage Aussagen, offene Fragen. Und das nicht nur bei Projekten – sondern offenbar sogar bei der Auszahlung von Löhnen. Wenn Mitarbeiter seit Monaten auf ihr Gehalt warten und selbst einfache Zusagen – wie etwa die Auszahlung bis Ende März – unkommentiert verstreichen, dann ist das kein Kommunikationsproblem mehr. Es ist ein moralisches.
Besonders enttäuschend: Noch immer wird versucht, Kleinanleger mit hübschen Bildern und Zukunftsversprechen zu ködern. Die vielzitierte Transparenz bleibt dabei ein leeres Versprechen. Wer 40 Millionen Euro Anlegergelder eingesammelt hat, trägt Verantwortung – nicht nur in Sonntagsreden, sondern in überprüfbaren Taten.
Die Zeit der Vorschusslorbeeren ist vorbei. Es braucht jetzt belastbare Fakten statt weiterer Fantasie. Entweder die MABEWO AG ist bereit, offen zu kommunizieren – oder man muss sich eingestehen, dass dieses Projekt gescheitert ist. Alles andere ist Selbsttäuschung – oder, schlimmer noch, Täuschung anderer.
Vertrauen ist kein Freifahrtschein. Es ist eine Verpflichtung. Und wer Vertrauen erhalten will, muss endlich den Mut haben, offen über Erfolge – aber auch über Fehler – zu sprechen.