Der MPF Odin (ISIN DE000A2DJU20) hat das Geschäftsjahr vom 1. Mai 2025 bis 30. April 2026 mit einem insgesamt überzeugenden Anlageergebnis abgeschlossen. Der aktiv verwaltete Fonds erzielte im Berichtszeitraum eine Wertentwicklung von 5,02 %. Gleichzeitig blieb das Fondsvermögen mit 122,83 Mio. Euro gegenüber 122,68 Mio. Euro im Vorjahr nahezu konstant. Aus Anlegersicht fällt das Gesamtbild positiv aus, allerdings ist das Portfolio mit seiner sehr hohen Gewichtung strukturierter Zertifikate deutlich komplexer und konzentrierter, als die hohe Rentenquote zunächst vermuten lässt.
Positive Wertentwicklung und kontinuierlicher Anstieg des Anteilwerts
Der Anteilwert stieg von 128,25 Euro auf 132,38 Euro. Zusätzlich erfolgte eine Zwischenausschüttung von 2,29 Euro je Anteil, sodass sich die ausgewiesene Gesamtperformance von 5,02 % erklärt. Auch über mehrere Jahre zeigt der Anteilwert eine erfreuliche Entwicklung: Ende 2022/2023 lag er noch bei 114,89 Euro, ein Jahr später bei 124,35 Euro und 2024/2025 bei 128,25 Euro. Damit setzte sich der Aufwärtstrend auch 2025/2026 fort.
Das Geschäftsjahresergebnis belief sich auf 6,01 Mio. Euro. Davon entfielen 3,62 Mio. Euro auf das realisierte Ergebnis und 2,39 Mio. Euro auf nicht realisierte Wertveränderungen. Besonders bedeutend waren realisierte Veräußerungsgewinne von rund 4,08 Mio. Euro, denen lediglich rund 0,75 Mio. Euro realisierte Verluste gegenüberstanden. Der ordentliche Nettoertrag aus Zinsen, Fondserträgen und laufenden Kosten war mit rund 293.000 Euro dagegen vergleichsweise gering. Ein erheblicher Teil des Erfolgs stammt somit aus Kurs- und Veräußerungsgewinnen und nicht allein aus laufenden Zinserträgen.
Eine Einschränkung bei der Beurteilung der Performance besteht darin, dass der Fonds keine offizielle Performance-Benchmark besitzt. Ob die erzielten 5,02 % im Verhältnis zum eingegangenen Risiko und zu vergleichbaren Kapitalmarktanlagen überdurchschnittlich waren, lässt sich daher anhand des Jahresberichts nicht unmittelbar beurteilen.
Hohe Rentenquote – aber vor allem strukturierte Zertifikate
Auf den ersten Blick erscheint das Portfolio mit einer ausgewiesenen Rentenquote von 86,5 % defensiv. Entscheidend ist jedoch die Zusammensetzung: Lediglich 11,92 % des Fondsvermögens entfallen auf klassische verzinsliche Wertpapiere, während 74,58 % in Zertifikaten angelegt sind. Weitere 11,42 % stecken in Investmentfonds.
Damit hängt die tatsächliche Wertentwicklung wesentlich von strukturierten Produkten wie Autocall-, Express- und Basket-Zertifikaten ab. Diese können attraktive Ertragsprofile bieten, besitzen jedoch teilweise komplexe Auszahlungsstrukturen und verbinden die Entwicklung der jeweiligen Basiswerte mit dem Bonitätsrisiko des Emittenten.
Besonders auffällig ist die Emittentenkonzentration innerhalb der Zertifikate. Aus den Einzelpositionen ergibt sich eine Gewichtung von rund 27 % des gesamten Fondsvermögens in Produkten von Goldman Sachs, rund 28 % in UniCredit-Produkten und weitere rund 14,5 % in Nordea-Produkten. Merrill Lynch kommt auf knapp 5 %. Damit konzentriert sich praktisch das gesamte Zertifikateportfolio auf nur wenige große Finanzinstitute.
Für Anleger ist dies der wichtigste Risikopunkt des Portfolios: Die Vielzahl verschiedener Zertifikate erzeugt zwar eine Diversifikation hinsichtlich unterschiedlicher Basiswerte und Laufzeiten, auf Ebene der Emittenten bleibt die Streuung jedoch vergleichsweise begrenzt.
Kreditqualität akzeptabel, Zinsrisiko überschaubar
Das durchschnittliche Rating der gehaltenen Rentenpapiere beträgt BBB- und liegt damit noch im Investment-Grade-Bereich, allerdings unmittelbar an dessen Untergrenze. Die einzelnen Papiere bewegen sich zwischen A- und BB+. Die durchschnittliche Restlaufzeit wird mit ungewöhnlich hohen 62,65 Jahren angegeben, was insbesondere mit nachrangigen beziehungsweise unbefristeten Anleihen zusammenhängt.
Wichtiger für das tatsächliche Zinsänderungsrisiko ist deshalb die Effective Duration von 2,67. Diese vergleichsweise moderate Kennzahl deutet darauf hin, dass die unmittelbare Kurssensitivität des Rentenbestands gegenüber Änderungen des Marktzinsniveaus trotz der langen formalen Laufzeiten begrenzt ist.
Der Fonds setzte im Berichtszeitraum zudem keine Derivate ein. Auch die vorgeschriebenen Risiko-, Liquiditäts- und Leverage-Grenzen wurden eingehalten. Es kam weder zu einer Überschreitung der Marktrisikobegrenzung noch des maximalen Hebels oder zu einer Unterschreitung der Mindestliquidität. Dies spricht für eine kontrollierte Umsetzung des Risikomanagements.
Mittelabflüsse sind ein kleiner Warnhinweis
Trotz der guten Performance verzeichnete der Fonds einen Netto-Mittelabfluss von 3,78 Mio. Euro. Anteilscheinverkäufen von 1,67 Mio. Euro standen Rücknahmen von 5,45 Mio. Euro gegenüber. Dass das Fondsvermögen dennoch leicht auf 122,83 Mio. Euro anstieg, war vor allem dem positiven Geschäftsjahresergebnis von 6,01 Mio. Euro zu verdanken.
Die Abflüsse sind angesichts eines Fondsvolumens von mehr als 120 Mio. Euro noch nicht dramatisch, sollten aber aus Anlegersicht beobachtet werden. Anhaltend hohe Rücknahmen könnten langfristig die Flexibilität des Managements beeinflussen. Im betrachteten Geschäftsjahr war dies erkennbar noch kein wesentliches Problem.
Niedrige Kosten sind ein klarer Pluspunkt
Sehr positiv fällt die Gesamtkostenquote von lediglich 0,42 % auf. Eine erfolgsabhängige Vergütung wurde nicht erhoben. Auch Ausgabeaufschläge oder Rücknahmeabschläge beim Handel mit den im Portfolio befindlichen Investmentfonds fielen nicht an.
Für einen aktiv verwalteten Fonds mit strukturierten Produkten ist eine TER von 0,42 % vergleichsweise moderat. Zu berücksichtigen ist allerdings, dass Kosten innerhalb der gehaltenen Zielfonds zusätzlich auf deren Ebene entstehen können. Für den MPF Andante wird beispielsweise eine Verwaltungsvergütung von 0,46 % und für den MSCI-World-ETF von 0,20 % ausgewiesen.
Fazit aus Anlegersicht
Der MPF Odin liefert für 2025/2026 ein insgesamt solides Ergebnis. Eine Performance von 5,02 %, ein kontinuierlich gestiegener Anteilwert, die Ausschüttung von 2,29 Euro je Anteil und eine niedrige Kostenquote von 0,42 % zählen klar zu den Stärken. Positiv sind ebenfalls das eingehaltene Risikomanagement und das moderate gemessene Zinsänderungsrisiko.
Der entscheidende Vorbehalt liegt jedoch in der Portfoliostruktur. Die ausgewiesene Rentenquote von 86,5 % sollte nicht mit einem klassischen, breit diversifizierten Anleihefonds gleichgesetzt werden. Fast drei Viertel des Fondsvermögens bestehen aus strukturierten Zertifikaten, deren Emittenten sich zudem auf wenige große Banken konzentrieren. Dadurch entstehen zusätzliche Bonitäts-, Struktur- und Marktpreisrisiken.
Für Anleger, die ein aktiv gesteuertes Portfolio mit laufender Ausschüttung, moderaten Kosten und dem Einsatz strukturierter Produkte suchen, kann der Fonds interessant sein. Für ausgesprochen sicherheitsorientierte Anleger ist dagegen insbesondere die hohe Zertifikate- und Emittentenkonzentration kritisch zu würdigen. Insgesamt überwiegen im Berichtsjahr die positiven Aspekte, doch die erzielte Rendite sollte stets im Zusammenhang mit der für einen vermeintlich rentenlastigen Fonds relativ komplexen Risikostruktur betrachtet werden.
Gesamturteil: solides Geschäftsjahr mit guter Rendite und günstiger Kostenstruktur, jedoch erhöhtem Struktur- und Konzentrationsrisiko durch die dominante Zertifikateallokation.