Der KOEHLER Equities hat das Geschäftsjahr vom 1. Juni 2025 bis 31. Mai 2026 mit einer überzeugenden Wertentwicklung abgeschlossen. Das aktiv gemanagte und stark auf Technologie- und Wachstumsunternehmen ausgerichtete Portfolio profitierte insbesondere von der anhaltenden Dynamik rund um Künstliche Intelligenz, Cloud-Infrastruktur, Halbleiter und Digitalisierung. Aus Anlegersicht steht der hohen Rendite allerdings ein ausgeprägtes Konzentrations-, Bewertungs- und Währungsrisiko gegenüber. Zusätzlich fällt der erhebliche Mittelabfluss aus der Anteilklasse F auf.
Deutliche Wertsteigerung in allen Anteilklassen
Die Anteilwerte entwickelten sich im Geschäftsjahr ausgesprochen positiv. Der Anteilwert der Klasse R stieg von 32,09 Euro auf 38,22 Euro und damit um rund 19,1 %. Die institutionelle Klasse I legte von 1.653,02 Euro auf 1.979,30 Euro beziehungsweise um etwa 19,7 % zu. Bei der kostengünstigsten Anteilklasse F erhöhte sich der Anteilwert von 10.105,80 Euro auf 12.145,88 Euro, was einer Wertsteigerung von rund 20,2 % entspricht.
Die leicht unterschiedliche Performance der Anteilklassen lässt sich insbesondere durch deren verschiedene Kostenbelastung erklären. Die Gesamtkostenquote beträgt 1,71 % für die Klasse R, 1,15 % für die Klasse I und lediglich 0,77 % für die Klasse F. Eine erfolgsabhängige Vergütung wurde nicht erhoben.
Auch längerfristig präsentiert sich die Entwicklung stark. Seit dem Geschäftsjahresende 2023 sind die Anteilwerte aller drei Klassen um mehr als 80 % gestiegen. Damit hat der Fonds in den vergangenen Jahren erheblich vom Boom großer Technologie- und Wachstumsunternehmen profitiert.
Ein direkter Benchmarkvergleich für das vollständige Geschäftsjahr ist anhand der angegebenen Daten allerdings nicht möglich. Als Anlageziel nennt der Fonds eine mittel- bis langfristige Outperformance gegenüber dem MSCI AC World Index in Euro. Im Bericht wird dagegen lediglich erwähnt, dass der MSCI World seit Jahresbeginn 2026 bis Ende Mai um 10,2 % in Euro gestiegen sei. Zeitraum und Index stimmen somit nicht mit der tatsächlichen Fondsvergleichsperiode überein.
Portfolio nahezu vollständig investiert
Zum 31. Mai 2026 waren 99,16 % des Fondsvermögens in Aktien investiert. Eine defensive Liquiditätsposition bestand praktisch nicht. Damit partizipiert der Fonds in steigenden Märkten sehr unmittelbar an Kursgewinnen, bietet bei größeren Börsenkorrekturen jedoch nur einen begrenzten natürlichen Risikopuffer.
Das Portfolio umfasst lediglich 33 Aktien und ist damit wesentlich konzentrierter als ein globaler Aktienindex. Besonders auffällig sind die großen Einzelpositionen:
NVIDIA macht 9,09 % des Fondsvermögens aus, Alphabet 9,00 %, Meta Platforms 7,41 % und Microsoft 7,22 %. Bereits diese vier Unternehmen stehen somit für knapp ein Drittel des gesamten Fonds. Zusammen mit Interactive Brokers erreichen die fünf größten Positionen rund 37 % des Fondsvermögens, die zehn größten Positionen sogar etwa 57 %.
Für Anleger bedeutet dies, dass die Wertentwicklung stark von einer relativ kleinen Zahl erfolgreicher Unternehmen abhängt. Insbesondere NVIDIA, Alphabet, Microsoft und Meta bestimmen einen erheblichen Teil des Fondsergebnisses.
Konsequente Ausrichtung auf strukturelle Wachstumstrends
Positiv zu bewerten ist die klare und nachvollziehbare Strategie. Das Fondsmanagement investiert schwerpunktmäßig in Unternehmen mit starken Marktpositionen und überdurchschnittlichem Wachstumspotenzial. Die aktuellen Portfoliopositionen spiegeln dabei mehrere langfristige Wachstumstrends wider.
NVIDIA, Broadcom, Micron, KLA, ASML und Vertiv ermöglichen eine Beteiligung am Ausbau der KI- und Rechenzentrumsinfrastruktur. Alphabet, Meta, Microsoft und Amazon zählen zu den bedeutendsten Plattform- und Cloudunternehmen weltweit. CrowdStrike und Arista Networks decken Cybersecurity beziehungsweise Netzwerkinfrastruktur ab, während Unternehmen wie MercadoLibre, Shopify, Uber und Airbnb zusätzliche digitale Geschäftsmodelle ins Portfolio bringen.
Das Fondsmanagement beschränkt sich damit nicht ausschließlich auf klassische Softwareunternehmen, sondern versucht, verschiedene Profiteure der Digitalisierung abzudecken. Gleichzeitig bleiben die wesentlichen Renditetreiber jedoch stark miteinander korreliert. Eine negative Neubewertung des Technologiesektors könnte daher einen großen Teil des Portfolios gleichzeitig treffen.
US-Dollar und US-Technologie dominieren
Ein weiterer wesentlicher Risikofaktor ist die geografische und währungsbezogene Konzentration. Der weit überwiegende Teil des Portfolios besteht aus US-Unternehmen beziehungsweise in US-Dollar notierten Aktien.
Für einen Euro-Anleger entsteht dadurch neben dem Aktienkursrisiko ein erhebliches Währungsrisiko. Eine Aufwertung des US-Dollars erhöht den in Euro ausgedrückten Wert der Positionen, während ein schwächerer Dollar die Aktienrendite teilweise oder vollständig aufzehren kann.
Die Bezeichnung als Beteiligungsmöglichkeit an „weltweiten Wachstumsbranchen“ sollte daher nicht mit einer global ausgewogenen Diversifikation verwechselt werden. Wirtschaftlich ist das Portfolio stark von der Entwicklung des US-Technologiesektors abhängig.
Erhebliche Mittelabflüsse trotz guter Performance
Während die Wertentwicklung überzeugte, entwickelte sich das Fondsvolumen weniger positiv. Das gesamte Anlagevermögen sank von rund 32,35 Mio. Euro auf 30,56 Mio. Euro.
Besonders auffällig ist die Entwicklung der Anteilklasse F. Aus ihr wurden netto rund 11,67 Mio. Euro abgezogen. Ihr Fondsvermögen fiel trotz positiver Performance von 16,78 Mio. Euro auf nur noch 7,58 Mio. Euro.
Dem standen Nettozuflüsse von rund 1,56 Mio. Euro in der Klasse R und 2,32 Mio. Euro in der Klasse I gegenüber. Über alle Anteilklassen hinweg ergab sich somit ein erheblicher Nettoabfluss.
Für die Bewertung der Investmentstrategie sind diese Rückgaben nicht zwangsläufig ein Warnsignal, da sie beispielsweise auf einzelne institutionelle Investoren zurückgehen können. Bei einem insgesamt vergleichsweise kleinen Fondsvolumen von rund 30,6 Mio. Euro sollte die Entwicklung dennoch beobachtet werden. Größere Rückgaben einzelner Investoren können das Fondsvolumen erheblich verändern und langfristig auch die Kosteneffizienz des Fonds beeinflussen.
Kosten belasten insbesondere Privatanleger
Die Kostenstruktur unterscheidet sich erheblich zwischen den Anteilklassen. Die Klasse R weist eine TER von 1,71 % auf und erhebt zusätzlich einen Ausgabeaufschlag von bis zu 5 %. Damit ist sie für langfristige Privatanleger vergleichsweise teuer.
Die Klasse I ist mit einer TER von 1,15 % günstiger, verlangt allerdings eine Mindestanlage von 250.000 Euro. Am attraktivsten ist hinsichtlich der laufenden Kosten die Klasse F mit einer TER von 0,77 %, deren Mindestanlagevolumen von 10 Mio. Euro sie jedoch praktisch ausschließlich für sehr große institutionelle Investoren zugänglich macht.
Gerade vor dem Hintergrund, dass das Portfolio überwiegend aus hochliquiden und auch über ETFs leicht zugänglichen US-Großunternehmen besteht, muss das aktive Management langfristig einen ausreichenden Mehrwert erzielen, um die höhere Kostenbelastung gegenüber passiven Technologie- oder Weltaktien-ETFs zu rechtfertigen.
Qualität des Jahresabschlusses und weitere Aspekte
Der Jahresbericht wurde von KPMG geprüft und mit einem uneingeschränkten Prüfungsurteil versehen. Wesentliche Beanstandungen hinsichtlich der Rechnungslegung oder der Darstellung des Fondsvermögens bestehen damit nicht.
Derivate spielten zum Bilanzstichtag keine Rolle; das Derivate-Exposure lag bei null. Während des Geschäftsjahres wurden zwar unter anderem Verkaufsoptionen auf den S&P 500 eingesetzt, zum Stichtag bestanden jedoch keine entsprechenden Positionen mehr.
Positiv ist zudem die hohe Liquidität der zugrunde liegenden Aktien. Ein Großteil der Investments gehört zu den weltweit größten und liquidesten börsennotierten Unternehmen, sodass das unmittelbare Liquiditätsrisiko des Wertpapierportfolios vergleichsweise gering erscheint.
ESG-orientierte Anleger sollten dagegen beachten, dass Nachhaltigkeitsrisiken ausdrücklich nicht in die Anlageentscheidungen integriert werden. Der KOEHLER Equities ist als Artikel-6-Fonds nach der EU-Offenlegungsverordnung klassifiziert.
Fazit aus Anlegersicht
Der KOEHLER Equities hat ein sehr erfolgreiches Geschäftsjahr hinter sich. Rund 19 bis 20 % Wertzuwachs innerhalb eines Jahres und die starke Entwicklung seit 2023 zeigen, dass das Fondsmanagement von den dominierenden Trends im Technologiesektor erheblich profitieren konnte.
Das Renditepotenzial wird allerdings bewusst mit einem hohen Risiko erkauft. Nahezu 100 % Aktienquote, nur 33 Titel, eine starke Dominanz weniger Großpositionen und die deutliche Abhängigkeit von US-Technologie, KI und dem US-Dollar machen den Fonds anfällig für größere Korrekturen. Besonders nach der starken Neubewertung vieler KI-Profiteure könnte eine Enttäuschung bei Wachstumserwartungen oder Unternehmensgewinnen überproportionale Auswirkungen haben.
Die erheblichen Mittelabflüsse aus der Anteilklasse F sind ebenfalls ein Punkt, den Anleger in kommenden Berichten beobachten sollten. Sie stehen im deutlichen Gegensatz zur hervorragenden Wertentwicklung und haben dazu geführt, dass das Gesamtfondsvolumen trotz hoher Anlagegewinne gesunken ist.
Insgesamt eignet sich der KOEHLER Equities vor allem für renditeorientierte Anleger mit hoher Risikotoleranz, die bewusst eine konzentrierte Wette auf strukturelles Technologie- und Digitalisierungswachstum suchen. Als breit diversifiziertes Basisinvestment ist der Fonds dagegen weniger geeignet. Entscheidend für die kommenden Jahre wird sein, ob das aktive Management auch nach der starken Rally bei KI- und Technologiewerten weiterhin Mehrwert gegenüber deutlich günstigeren passiven Alternativen schaffen kann.