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Ausländische Investitionen springen um 50 Prozent nach oben – Großbritannien löst die USA als wichtigsten Investor ab

Mohamed_hassan (CC0), Pixabay

Ausländische Unternehmen haben 2025 wieder erheblich mehr Kapital nach Deutschland gebracht. Nach einer aktuellen Auswertung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) beliefen sich die ausländischen Direktinvestitionen auf rund 86 Milliarden Euro.

Das waren rund 50 Prozent mehr als 2024.

Besonders bemerkenswert ist allerdings nicht nur die Höhe der Investitionen. Die Herkunft des Kapitals hat sich innerhalb eines Jahres massiv verschoben.

Während Unternehmen aus den USA ihre Investitionen in Deutschland um fast 44 Prozent zurückfuhren, schossen die Direktinvestitionen aus Großbritannien um rund 284 Prozent nach oben.

Mit etwa 26 Milliarden Euro war das Vereinigte Königreich 2025 damit der größte ausländische Investor in Deutschland.

China spielt dagegen trotz eines prozentualen Anstiegs praktisch keine Rolle: Chinesische Unternehmen investierten lediglich 199 Millionen Euro – gerade einmal 0,2 Prozent aller ausländischen Direktinvestitionen.

86 Milliarden Euro fließen nach Deutschland

Grundlage der aktuellen IW-Auswertung sind Daten der Deutschen Bundesbank zu ausländischen Direktinvestitionstransaktionen in Deutschland.

Demnach investierten ausländische Unternehmen 2025 insgesamt rund 86 Milliarden Euro in Deutschland.

Nach dem schwachen Vorjahr ist das ein kräftiger Anstieg.

2024 waren die ausländischen Direktinvestitionen um fast 32 Prozent eingebrochen. Nun folgte ein Plus von rund 50 Prozent. Das IW spricht deshalb von einer Stabilisierung der Auslandsinvestitionen.

Auf den ersten Blick ist das ein ausgesprochen starkes Signal für den Wirtschaftsstandort Deutschland.

Die Zahl benötigt allerdings Kontext.

Die 50 Prozent wirken spektakulärer, als der längerfristige Vergleich zeigt

Direktinvestitionen können von Jahr zu Jahr erheblich schwanken.

Schon einzelne große Firmenübernahmen, Fusionen oder Beteiligungen können Milliarden bewegen und damit den Jahreswert stark verändern.

Deshalb warnt das IW selbst davor, den Sprung von 50 Prozent isoliert zu betrachten.

Die Ökonomen vergleichen den Wert für 2025 zusätzlich mit dem Median der Jahre 2015 bis 2024.

Dann fällt der Anstieg deutlich kleiner aus:

Gegenüber diesem längerfristigen Vergleichswert liegen die ausländischen Direktinvestitionen 2025 um knapp elf Prozent höher.

Das bleibt ein positives Signal.

Es bedeutet aber eben nicht, dass Deutschland plötzlich dauerhaft 50 Prozent attraktiver für internationale Investoren geworden wäre.

Ein erheblicher Teil des spektakulären prozentualen Anstiegs erklärt sich dadurch, dass das Ausgangsjahr 2024 besonders schwach war.

Auch 86 Milliarden Euro sind noch nicht endgültig

Hinzu kommt eine weitere Einschränkung.

Die Zahlen zu Direktinvestitionen werden im Nachhinein häufig revidiert.

Das IW weist ausdrücklich darauf hin, dass die Werte später sowohl nach oben als auch nach unten korrigiert werden können.

Wie relevant dieser Hinweis ist, zeigt ausgerechnet eine frühere IW-Auswertung.

Noch im Januar 2026 hatte das Institut auf Basis der damals verfügbaren Bundesbank-Daten hochgerechnet, ausländische Unternehmen hätten 2025 rund 96 Milliarden Euro in Deutschland investiert.

Damals lagen allerdings erst Daten bis November vor; der Dezember musste hochgerechnet werden.

Mit den inzwischen verfügbaren neueren Daten liegt der Wert bei rund 86 Milliarden Euro.

Die Differenz beträgt immerhin etwa zehn Milliarden Euro.

Das zeigt, warum vorläufige Direktinvestitionszahlen mit Vorsicht interpretiert werden müssen.

Großbritannien legt um unglaubliche 284 Prozent zu

Die spektakulärste Veränderung betrifft Großbritannien.

Unternehmen aus dem Vereinigten Königreich investierten 2025 nach IW-Angaben rund 26 Milliarden Euro in Deutschland.

Gegenüber 2024 entspricht das einem Anstieg von etwa 284 Prozent.

Damit entfielen fast 31 Prozent aller ausländischen Direktinvestitionen auf britische Investoren.

Großbritannien steigt dadurch zum wichtigsten einzelnen ausländischen Kapitalgeber Deutschlands auf.

Und verdrängt die Vereinigten Staaten.

USA investieren nur noch 11,8 Milliarden Euro

Bei amerikanischen Unternehmen verlief die Entwicklung genau in die andere Richtung.

US-Unternehmen investierten 2025 nur noch 11,8 Milliarden Euro in Deutschland.

Das waren fast 44 Prozent weniger als im Vorjahr.

Noch 2024 hatten die USA mehr als 36 Prozent aller ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland gestellt.

2025 waren es nur noch rund 14 Prozent.

Damit hat sich die Bedeutung amerikanischer Investoren innerhalb nur eines Jahres erheblich verringert.

Die Größenordnung des Unterschieds wird beim direkten Vergleich besonders deutlich:

Großbritannien: 26 Milliarden Euro

USA: 11,8 Milliarden Euro

Britische Unternehmen investierten damit 2025 mehr als doppelt so viel Kapital in Deutschland wie Unternehmen aus den Vereinigten Staaten.

Europa übernimmt noch stärker

Die Zahlen zeigen zugleich, dass Deutschlands Investitionsbeziehungen besonders stark europäisch geprägt sind.

Unternehmen aus den anderen Staaten der Europäischen Union investierten 2025 rund 43 Milliarden Euro in Deutschland.

Das waren zwar etwa 2,7 Prozent weniger als im Vorjahr.

Trotzdem kam damit gut die Hälfte des gesamten ausländischen Investitionskapitals aus anderen EU-Ländern.

Rechnet man Großbritannien hinzu, wird die Dominanz Europas noch deutlicher.

Mehr als 80 Prozent der ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland kamen 2025 aus Europa.

Für IW-Ökonomin Samina Sultan zeigen die Zahlen deshalb vor allem, dass Deutschlands engste und verlässlichste wirtschaftliche Beziehungen weiterhin zu seinen europäischen Nachbarn bestehen.

China kommt gerade einmal auf 199 Millionen Euro

Geradezu winzig wirken dagegen die Investitionen aus China.

Zwar erhöhten chinesische Unternehmen ihre Direktinvestitionen in Deutschland 2025 um rund 51 Prozent.

Das klingt zunächst nach einem kräftigen Anstieg.

In absoluten Zahlen stehen dahinter jedoch gerade einmal 199 Millionen Euro.

Der chinesische Anteil an allen ausländischen Direktinvestitionen beträgt damit nur 0,2 Prozent.

Das IW bezeichnet die chinesischen Investitionen entsprechend als „Randphänomen“.

Der Vergleich mit Großbritannien macht die Dimension besonders deutlich.

Während britische Unternehmen rund 26 Milliarden Euro investierten, waren es aus China lediglich 199 Millionen Euro.

Das britische Investitionsvolumen war damit rechnerisch etwa 130-mal so groß.

China wächst prozentual stark – von sehr niedrigem Niveau

Gerade das chinesische Beispiel zeigt, warum Prozentangaben bei Investitionen täuschen können.

Ein Plus von 51 Prozent klingt zunächst eindrucksvoll.

Wenn der Ausgangswert jedoch sehr niedrig ist, bleibt auch nach einem starken prozentualen Anstieg das absolute Investitionsvolumen klein.

Genau das ist hier der Fall.

China ist zwar einer der wichtigsten Handelspartner Deutschlands und spielt als Wettbewerber für deutsche Unternehmen eine enorme Rolle.

Bei den 2025 neu geflossenen ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland ist das Land nach den IW-Zahlen jedoch kaum von Bedeutung.

Auch Chile und Saudi-Arabien legen zu

Neben Großbritannien und China registriert das IW deutliche Zuwächse aus weiteren Staaten.

Investitionen aus Chile und Saudi-Arabien nahmen jeweils um mehr als 40 Prozent zu.

Auf das Gesamtbild haben diese Zuwächse allerdings wesentlich weniger Einfluss als die Entwicklung der großen europäischen und amerikanischen Kapitalgeber.

Das entscheidende Verschiebungsmuster bleibt deshalb:

Europa gewinnt relativ an Bedeutung, Großbritannien steigt massiv auf – und die USA verlieren erheblich.

Was überhaupt als Direktinvestition zählt

Die 86 Milliarden Euro sollten nicht mit dem Bau neuer Fabriken im Wert von 86 Milliarden Euro verwechselt werden.

Direktinvestitionen sind breiter definiert.

Dazu können beispielsweise Unternehmensbeteiligungen, Übernahmen und Fusionen gehören. Häufig werden dabei neben Kapital auch Technologie und Know-how übertragen.

Das ist für die Interpretation entscheidend.

Ein hoher Direktinvestitionswert bedeutet nicht automatisch, dass im selben Umfang neue Produktionshallen, Maschinen oder Arbeitsplätze in Deutschland entstehen.

Große Unternehmenstransaktionen können die Statistik erheblich beeinflussen.

Eine einzige Großtransaktion kann das Jahresbild verändern

Genau deshalb schwanken Direktinvestitionsströme häufig wesentlich stärker als andere wirtschaftliche Kennzahlen.

Wenn ein ausländischer Konzern eine große deutsche Gesellschaft übernimmt oder seine Beteiligung an einem Unternehmen erheblich erhöht, können auf einen Schlag Milliarden in der Statistik auftauchen.

Das IW weist ausdrücklich darauf hin, dass einzelne größere Transaktionen die Jahreswerte verzerren können.

Aus einem einzigen starken Jahr lässt sich deshalb noch keine dauerhafte Trendwende ableiten.

Interessanter ist der längerfristige Vergleich.

Und der fällt mit einem Plus von knapp elf Prozent gegenüber dem Median 2015 bis 2024 zwar deutlich weniger spektakulär aus als die Schlagzeile „50 Prozent mehr“ – bleibt aber positiv.

Ein positives Signal nach schwierigen Jahren

Für Deutschland kommen die Zahlen zu einem wichtigen Zeitpunkt.

Die deutsche Wirtschaft hatte 2023 und 2024 reale Rückgänge der Wirtschaftsleistung verzeichnet. 2025 folgte nach Angaben des Bundesfinanzministeriums auf Basis der ersten amtlichen Schätzung lediglich ein geringfügiges reales Wachstum von 0,2 Prozent.

Vor diesem Hintergrund sind steigende ausländische Direktinvestitionen ein positives Signal.

Internationale Unternehmen sind offensichtlich weiterhin bereit, erhebliche Summen in Deutschland zu investieren.

Das widerspricht zumindest einem pauschalen Bild, wonach ausländische Investoren den Standort Deutschland vollständig meiden würden.

Es beseitigt allerdings nicht die strukturellen Probleme der deutschen Wirtschaft.

Zwei unterschiedliche Statistiken können unterschiedliche Geschichten erzählen

Bei der Bewertung der Zahlen ist noch eine weitere Unterscheidung wichtig.

Andere Untersuchungen zur Attraktivität Deutschlands können zu wesentlich negativeren Ergebnissen kommen, wenn sie beispielsweise die Zahl angekündigter Investitionsprojekte statt des tatsächlich gemessenen Kapitalvolumens untersuchen.

Das ist kein zwingender Widerspruch.

Die Zahl der Projekte kann sinken, während das investierte Kapital gleichzeitig steigt – etwa dann, wenn weniger, dafür aber erheblich größere Transaktionen stattfinden.

Deshalb sollte bei Meldungen über „Auslandsinvestitionen“ immer geprüft werden, was genau gemessen wurde.

Die aktuelle IW-Analyse betrachtet Direktinvestitionstransaktionen auf Basis von Bundesbank-Daten.

USA verlieren – Großbritannien füllt die Lücke

Die vielleicht wichtigste Geschichte hinter den 86 Milliarden Euro ist deshalb nicht der Gesamtanstieg allein.

Es ist die massive Verschiebung zwischen den Herkunftsländern.

2024 dominierten amerikanische Investoren mit einem Anteil von mehr als 36 Prozent.

Nur ein Jahr später kommen sie noch auf rund 14 Prozent.

Großbritannien erreicht dagegen fast 31 Prozent und übernimmt die Spitzenposition.

Damit hat sich innerhalb eines Jahres die Rangordnung der wichtigsten ausländischen Investoren Deutschlands erheblich verändert.

Mehr als vier von fünf Investitions-Euro kommen aus Europa

Noch deutlicher wird das Bild beim Blick auf den gesamten Kontinent.

Rund 43 Milliarden Euro kamen aus den übrigen EU-Staaten.

Weitere 26 Milliarden Euro entfielen allein auf Großbritannien.

Zusammen stammen damit mehr als 80 Prozent der ausländischen Direktinvestitionen aus Europa.

Die Investitionsbeziehungen Deutschlands sind damit 2025 wesentlich stärker europäisch geprägt als amerikanisch oder asiatisch.

China kommt lediglich auf 0,2 Prozent.

Die USA erreichen rund 14 Prozent.

Die 50-Prozent-Schlagzeile braucht einen zweiten Satz

Unter dem Strich ist die Entwicklung deutlich positiv – aber die spektakuläre Wachstumsrate allein erzählt nur einen Teil der Geschichte.

86 Milliarden Euro ausländische Direktinvestitionen bedeuten ein Plus von rund 50 Prozent gegenüber 2024.

Doch 2024 war ein außergewöhnlich schwaches Jahr.

Im Vergleich zum Median der Jahre 2015 bis 2024 liegt 2025 nur knapp elf Prozent höher. Zudem können einzelne Großtransaktionen die Statistik stark beeinflussen und die Daten später noch revidiert werden.

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