Der Munich Private Equity Mid Market ELTIF befindet sich noch in einer sehr frühen Phase seines Lebenszyklus. Der vorliegende Jahresbericht umfasst lediglich das Rumpfgeschäftsjahr vom 6. März bis zum 31. Dezember 2025. Entsprechend ist die Aussagekraft der bisherigen Wertentwicklung begrenzt: Der Fonds befindet sich noch im Portfolioaufbau und soll erst spätestens zum 31. Dezember 2028 vollständig risikogemischt investiert sein.
Das Anlagekonzept ist langfristig ausgerichtet. Als Private-Equity-Dachfonds investiert der ELTIF überwiegend in andere Private-Equity-Fonds und strebt damit eine breite mittelbare Beteiligung an zahlreichen nicht börsennotierten Unternehmen an. Mindestens 90 Prozent des für Investitionen verfügbaren Kapitals sollen in zulässige Zielfonds fließen, wobei auf einen einzelnen Zielfonds grundsätzlich höchstens 20 Prozent des Kapitals entfallen dürfen. Diese Struktur soll Einzelrisiken reduzieren und eine Diversifikation über verschiedene Manager, Unternehmen, Regionen und Finanzierungsanlässe ermöglichen.
Zum Jahresende 2025 waren bereits Kapitalzusagen an sechs Private-Equity-Fonds aus Schweden, Spanien, Luxemburg, Frankreich und Belgien erfolgt. Dazu gehören unter anderem der Adelis Equity Partners Fund IV, Corpfin Capital Fund VI, Rubicon Partners VI, Sherpa Operational Value Fund, Sparring Capital Fund 3 und Vendis Capital Investment Pool IV. Damit zeichnet sich bereits eine geografisch diversifizierte europäische Ausrichtung ab. Das tatsächliche Portfolio befand sich zum Bilanzstichtag jedoch noch deutlich in der Aufbauphase.
Deutlicher Verlust im ersten Rumpfgeschäftsjahr
Für Anleger fällt zunächst die negative Ergebnisentwicklung ins Auge. Das Fondsvermögen belief sich zum 31. Dezember 2025 auf 7,63 Mio. Euro, nachdem im Berichtszeitraum insgesamt 8,892 Mio. Euro an Anlegergeldern zugeflossen waren. Der Anteilwert lag bei 0,8578 Euro. Das entspricht gegenüber dem rechnerischen Ausgangswert von einem Euro einem erheblichen Rückgang bereits in der Startphase.
Das Ergebnis des Rumpfgeschäftsjahres betrug minus 1,265 Mio. Euro. Davon entfielen 573.619 Euro auf realisierte Verluste beziehungsweise den negativen ordentlichen Nettoertrag und weitere 691.147 Euro auf nicht realisierte Wertminderungen der Beteiligungen.
Besonders deutlich zeigt sich die Belastung bei den bislang aufgebauten Private-Equity-Positionen: Beteiligungen mit Anschaffungskosten von rund 2,832 Mio. Euro wurden zum Jahresende nur noch mit rund 2,141 Mio. Euro bewertet. Daraus ergibt sich die nicht realisierte Wertminderung von rund 691.000 Euro.
Bei einem jungen Private-Equity-Fonds sind negative Anfangsrenditen allerdings nicht grundsätzlich ungewöhnlich. Private-Equity-Fonds weisen häufig einen sogenannten J-Curve-Effekt auf: Kosten und anfängliche Bewertungsabschläge fallen früh an, während Wertsteigerungen und Beteiligungsverkäufe typischerweise erst nach mehreren Jahren sichtbar werden. Der bisherige Verlust erlaubt daher noch keine abschließende Beurteilung der langfristigen Qualität der Strategie. Dennoch ist die Größenordnung der anfänglichen Belastung aus Anlegersicht aufmerksam zu verfolgen.
Hohe Kosten belasten die Anfangsphase
Ein wesentlicher Grund für das schwache erste Ergebnis sind die Kosten. Den lediglich 26.634 Euro an Zinserträgen standen insgesamt rund 600.253 Euro laufende Aufwendungen gegenüber. Allein die Verwaltungsvergütung belief sich auf 523.980 Euro.
Von dieser Verwaltungsvergütung entfielen allerdings 475.548 Euro auf initiale Aufwendungen, die laut Bericht aufgrund der Fondskonzeption zu Beginn anfallen. Damit ist ein erheblicher Teil der Kosten als Startbelastung einzuordnen und dürfte nicht in jedem Folgejahr in gleicher Höhe auftreten. Zusätzlich wurden Transaktionskosten von knapp 399.699 Euro ausgewiesen.
Die ausgewiesene Gesamtkostenquote lag im Berichtsjahr bei 1,88 Prozent, wobei für die Anteilklasse F 2,04 Prozent und für die Anteilklasse V 1,31 Prozent angegeben werden. Bei einem Dachfonds müssen Anleger zusätzlich berücksichtigen, dass auf Ebene der Private-Equity-Zielfonds ebenfalls Management- und gegebenenfalls Performancegebühren entstehen können. Die Kostenstruktur bleibt deshalb ein wichtiger Faktor für die langfristig tatsächlich beim Anleger ankommende Nettorendite.
Hohe Liquiditätsreserve bietet Sicherheit – zeigt aber auch den frühen Investitionsstand
Zum Bilanzstichtag bestanden lediglich 28,07 Prozent des Fondsvermögens aus Beteiligungen, während 77,72 Prozent beziehungsweise 5,93 Mio. Euro als Bankguthaben gehalten wurden. Dem standen Verbindlichkeiten und Rückstellungen in Höhe von rund 441.000 Euro gegenüber.
Die hohe Liquiditätsquote ist in der Aufbauphase grundsätzlich nachvollziehbar, da die Kapitalzusagen der Zielfonds erst nach und nach abgerufen werden. Gleichzeitig bedeutet sie, dass ein großer Teil des Anlegerkapitals Ende 2025 noch nicht in der eigentlichen Private-Equity-Strategie arbeitete. Anleger sollten deshalb insbesondere beobachten, wie schnell und zu welchen Konditionen das Kapital künftig investiert wird.
Positiv ist, dass die hohe Liquiditätsposition aktuell einen komfortablen Puffer für künftige Kapitalabrufe bietet. Das Management weist allerdings darauf hin, dass grundsätzlich Finanzierungslücken entstehen können, wenn erwartete Rückflüsse aus bestehenden Zielfonds später oder geringer ausfallen als geplant. Nach eigener Einschätzung war das Risiko, fällige Zahlungsverpflichtungen nicht rechtzeitig bedienen zu können, zum Zeitpunkt der Berichterstellung jedoch relativ gering.
Private Equity bleibt eine Anlageklasse mit erheblichen Risiken
Trotz der angestrebten Diversifikation sollten Anleger das grundsätzliche Risikoprofil nicht unterschätzen. Die wirtschaftliche Entwicklung des Fonds hängt letztlich von den Unternehmen ab, in die die Zielfonds investieren. Konjunkturabschwünge, Managementfehler, geopolitische Entwicklungen, höhere Finanzierungskosten oder Unternehmensinsolvenzen können zu erheblichen Wertverlusten führen. Der Jahresbericht weist ausdrücklich darauf hin, dass im Extremfall auch ein Totalverlust des investierten Kapitals möglich ist.
Hinzu kommen Währungsrisiken. Obwohl der Investitionsschwerpunkt innerhalb Europas liegt und ein Großteil der Zielfonds in Euro denominiert sein soll, können sowohl einzelne Fonds – beispielsweise der in GBP geführte Rubicon Partners VI – als auch deren Portfoliounternehmen Fremdwährungsrisiken aufweisen. Das Fondsmanagement versucht diese Risiken unter anderem durch das Vorhalten entsprechender Fremdwährungsreserven zu begrenzen.
Ein weiterer Unsicherheitsfaktor ist das noch nicht endgültig feststehende Fondsvolumen. Die Platzierungsphase lief laut Bericht bis zum 30. September 2026. Erst danach steht fest, wie viel Kapital insgesamt zur Verfügung steht und wie breit die Investitionen tatsächlich gestreut werden können. Das Management ging zum Berichtszeitpunkt davon aus, das angestrebte Platzierungsvolumen zu erreichen.
Bewertung der Beteiligungen erfordert Vertrauen in Schätzwerte
Typisch für Private Equity ist, dass es für die Beteiligungen keinen laufenden Börsenkurs gibt. Der Fonds orientiert sich bei der Bewertung insbesondere an den von den Zielfonds ermittelten Nettoinventarwerten und den International Private Equity and Venture Capital Valuation Guidelines. Diese Werte werden gegebenenfalls aufgrund neuer Informationen angepasst.
Für Anleger bedeutet dies, dass der ausgewiesene NAV wesentlich stärker von Bewertungsannahmen abhängig ist als bei einem liquiden Aktien- oder Rentenfonds. Positive oder negative Wertveränderungen können sich im Laufe der Haltedauer wieder umkehren. Erst tatsächliche Unternehmensverkäufe beziehungsweise Rückzahlungen aus den Zielfonds zeigen letztlich, welche Rendite realisiert wurde.
Positiv: uneingeschränktes Prüfungsurteil
Positiv hervorzuheben ist der Prüfungsvermerk. Deloitte kommt zu dem Ergebnis, dass der Jahresbericht in allen wesentlichen Belangen den Vorschriften des deutschen Kapitalanlagegesetzbuchs und den einschlägigen europäischen Verordnungen entspricht und ein umfassendes Bild der tatsächlichen Verhältnisse und Entwicklungen des Fonds ermöglicht.
Damit bestehen aus dem Prüfungsbericht heraus keine Hinweise auf wesentliche Beanstandungen der Rechnungslegung. Das ist insbesondere bei einem jungen Fonds ein wichtiger Aspekt, sagt jedoch naturgemäß nichts darüber aus, ob die zukünftige Private-Equity-Strategie wirtschaftlich erfolgreich sein wird.
Fazit aus Anlegersicht
Der Munich Private Equity Mid Market ELTIF ist zum Jahresende 2025 noch kein ausgereiftes Private-Equity-Portfolio, sondern ein Fonds mitten in der Investitions- und Aufbauphase. Die bisherige Entwicklung mit einem Fondsvermögen von 7,63 Mio. Euro nach Einzahlungen von 8,89 Mio. Euro und einem Jahresergebnis von minus 1,26 Mio. Euro wirkt auf den ersten Blick enttäuschend. Ein erheblicher Teil des Rückgangs ist allerdings auf initiale Fondskosten sowie auf noch nicht realisierte Bewertungsverluste zurückzuführen.
Für langfristig orientierte Anleger liegt die potenzielle Stärke des Fonds in seiner Dachfondsstruktur und der damit angestrebten Streuung über mehrere europäische Private-Equity-Manager und zahlreiche mittelbare Unternehmensbeteiligungen. Gleichzeitig handelt es sich um eine komplexe, langfristige und illiquide Anlageform, deren Erfolg erst nach mehreren Jahren sinnvoll beurteilt werden kann.
Besonders entscheidend werden in den kommenden Berichtsperioden drei Punkte sein: Erstens, ob das bislang hohe Liquiditätspolster zügig und erfolgreich investiert wird; zweitens, ob sich die aktuell ausgewiesenen Bewertungsverluste stabilisieren beziehungsweise in Wertsteigerungen umkehren; und drittens, ob die Renditen der Zielfonds langfristig hoch genug ausfallen, um die vergleichsweise anspruchsvolle Kostenstruktur des Dachfonds zu kompensieren.
Anlegerurteil: Der erste Jahresbericht zeigt einen Fonds mit grundsätzlich nachvollziehbarer Diversifikationsstrategie, aber hohen Startkosten und erheblichen anfänglichen Verlusten. Für bestehende Anleger besteht aufgrund der sehr frühen Investitionsphase noch kein ausreichender Grund, aus den bisherigen Zahlen allein auf einen langfristigen Misserfolg zu schließen. Gleichzeitig liefert der Bericht noch keinen Nachweis dafür, dass die angestrebte überdurchschnittliche Rendite erreicht werden kann. Der Fonds eignet sich deshalb vor allem für Anleger mit sehr langem Anlagehorizont, hoher Risikotoleranz und der Bereitschaft, mehrere Jahre auf belastbare Ergebnisse aus dem Private-Equity-Portfolio zu warten.