Im aufsehenerregenden Prozess um die Signa-Pleite ist am Landesgericht Innsbruck ein erstes Urteil gefallen: Immobilienunternehmer Rene Benko wurde wegen betrügerischer Krida schuldig gesprochen, während seine mitangeklagte Ehefrau Nathalie freigesprochen wurde. Der Fall, der seit Monaten die Öffentlichkeit beschäftigt, galt als zentraler Baustein in der strafrechtlichen Aufarbeitung des milliardenschweren Signa-Zusammenbruchs.
Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) warf Benko vor, Vermögenswerte beiseitegeschafft zu haben, während sich die Finanzlage seines Firmengeflechts dramatisch zuspitzte. Rund 120.000 Euro in bar sowie elf hochpreisige Uhren und weitere Wertgegenstände im Gesamtwert von knapp 250.000 Euro sollen laut Anklage in einem Tresor bei Verwandten seiner Frau versteckt worden sein. Benko, der weiterhin jede Schuld bestreitet, sitzt seit Jänner 2025 in Untersuchungshaft.
Der Prozess, ursprünglich für zwei Tage angesetzt, entwickelte sich rasch zu einem intensiven Schlagabtausch zwischen Anklage und Verteidigung. Während die WKStA argumentierte, der enge zeitliche Zusammenhang zwischen Insolvenzantrag und Verbringen der Wertgegenstände spreche eindeutig für eine Schädigung der Gläubiger, bezeichnete Benkos Verteidiger Norbert Wess die Vorwürfe als haltlose Konstruktionen. Die Anklageschrift sei, so Wess, ab einem gewissen Punkt „Science-Fiction“, es gebe schlicht keine belastbaren Beweise.
Im Mittelpunkt der Auseinandersetzung standen die Luxusuhren im Tresor. Benko beharrte darauf, er habe sie bereits 2021 an seine damals sechs und elf Jahre alten Söhne verschenkt – ein Argument, das die Staatsanwaltschaft als absurd zurückwies. Fotos aus der fraglichen Zeit, auf denen Benko selbst eine der angeblich verschenkten Uhren trägt, untermauerten diese Zweifel zusätzlich.
Auch Nathalie Benko musste sich kritischen Fragen stellen. Die Ermittler warfen ihr vor, den Safe unmittelbar nach dessen Aufstellung mit ihrem Mann thematisiert und Nachrichten gelöscht zu haben. Ihr Anwalt wies das zurück und betonte, der Tresor habe in erster Linie zur Aufbewahrung ihrer eigenen Wertgegenstände gedient. Die Schöffen folgten dieser Argumentation – sie wurde freigesprochen.
Rene Benko hingegen wurde für schuldig befunden. Die Entscheidung des Gerichts ist ein wichtiger Schritt in einem Verfahren, das weit über den einzelnen Tresorfall hinausreicht. Die WKStA untersucht im Zusammenhang mit der Signa-Pleite insgesamt 14 komplexe Sachverhaltsstränge – von Untreue über schweren Betrug bis Gläubigerbegünstigung. Der derzeit angenommene Gesamtschaden beläuft sich auf rund 300 Millionen Euro.
Damit ist klar: Der Fall Benko ist noch lange nicht abgeschlossen. Doch das Urteil von Innsbruck setzt erstmals einen markanten Punkt in einem juristischen Drama, das weiterhin hohe Wellen schlagen dürfte.