Das neue Politiker-Ranking zeigt ein politisches Stimmungsbild, das die Schwierigkeiten der Bundesregierung ebenso widerspiegelt wie den wachsenden Zuspruch für Politikerinnen und Politiker außerhalb der politischen Mitte. Während Verteidigungsminister Boris Pistorius und NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst weiter unangefochten die Spitzenplätze halten, geraten zentrale Figuren aus Union und SPD zunehmend unter Druck.
Besonders hart trifft es Bundesarbeitsministerin und SPD-Co-Vorsitzende Anke Bas. Sie verliert im Vergleich zum Oktober fünf Punkte – im längerfristigen Vergleich seit Mai sogar zwölf. Damit verzeichnet sie den stärksten Vertrauensverlust im aktuellen Ranking. Ausgerechnet eine der prominentesten Sozialdemokratinnen rutscht deutlich ab, während ihr Ressort – mit Renten- und Bürgergeldreform – ohnehin unter Dauerbeobachtung steht. Die Kritik kommt dabei aus beiden politischen Lagern: Die SPD-Linke fordert sozialere Leitplanken, konservativere Kräfte verlangen angesichts hoher Kosten mutigere Einschnitte. Parallel eskalierte zuletzt ein Streit mit Arbeitgeberverbänden.
Auch Bundeskanzler Friedrich Merz steckt fest: Mit 32 Punkten liegt er nur noch auf Rang neun und erreicht gleichzeitig historische Tiefstwerte in der Zufriedenheit. Seine selbstkritische Bilanz bei einem Bürgergespräch – „Ich bin noch nicht zufrieden mit dem, was wir erreicht haben“ – spiegelt die Stimmung im Land wider.
In der Union verlieren auch Außenminister Johann Wadephul und Kanzleramtsminister Thorsten Frei an Zuspruch. Wadephul büßt vier Punkte ein, vor allem unter CDU/CSU-Wählern, nachdem er in Syrien Zweifel an der Rückkehrperspektive vieler Geflüchteter geäußert hatte. Frei verliert drei Punkte.
Dagegen sorgt ein alter Bekannter für positive Schlagzeilen: Cem Özdemir, inzwischen zentraler Hoffnungsträger der Grünen im Rennen um die Nachfolge von Winfried Kretschmann, landet bei seiner ersten Abfrage seit Monaten mit 40 Punkten auf Anhieb auf Platz drei. Er überflügelt damit nicht nur die Parteivorsitzende Franziska Brantner, sondern segelt im Ranking weit vor der restlichen grünen Spitze.
Ganz anders die Dynamik am linken und rechten Rand des Parteienspektrums. Linksfraktionschefin Heidi Reichinnek macht zwei Punkte gut – und wird insbesondere im Osten zur auffälligen Gewinnerin. Dort erreicht sie 36 Punkte und belegt Platz drei hinter Wüst und Pistorius. Auch ihr Parteichef Jan van Aken legt leicht zu. Die AfD-Doppelspitze mit Alice Weidel und Tino Chrupalla verbessert sich ebenfalls um jeweils einen Punkt. Weidel erzielt in Ostdeutschland 32 Punkte, Chrupalla 30 – Werte, die ihr Ansehen im Westen beinahe verdoppeln.
Ein Blick auf die Stimmung unter AfD-Wählern zeigt, wie polarisierend das politische Feld geworden ist: Weidel liegt mit 80 Punkten an der Spitze, gefolgt von Chrupalla mit 68. Interessant ist, dass CSU-Chef Markus Söder sowie Pistorius und Wüst unter AfD-Wählern respektable Werte erzielen, während Grüne und Linke nahezu chancenlos bleiben.
Das Ranking verdeutlicht, wie stark sich die politische Landschaft auseinanderentwickelt: Während das Vertrauen in die politische Mitte bröckelt, gewinnen markante Figuren an den Rändern an Profil. Für die Regierungskoalition sind diese Daten ein weiterer Hinweis darauf, dass Unzufriedenheit und Orientierungslosigkeit die politische Stimmung im Land prägen – und dass das Ringen um Vertrauen härter geworden ist als je zuvor.