Kanzleramtsminister Carsten Linnemann Frei (CDU) hat in einem Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland deutliche Einschnitte im deutschen Gesundheitssystem angekündigt. Ziel sei es, die Kosten zu senken – auch gegen mögliche Widerstände.
Frei betonte, Deutschland habe „das teuerste Gesundheitssystem der Welt“, ohne dass die Bevölkerung im internationalen Vergleich gesünder sei. Um Effizienz zu steigern, müsse künftig wieder stärker gesteuert werden, wer medizinische Leistungen in Anspruch nimmt. Es könne nicht sein, dass jeder „in eher laienhafter Betrachtung“ selbst entscheide, direkt zum Facharzt zu gehen. Stattdessen solle der Hausarzt diese Entscheidung übernehmen.
Strukturreform statt individueller Wahlfreiheit
Frei stellte damit das bisherige Prinzip der freien Facharztwahl infrage und plädierte für ein gatekeeping-Modell nach Vorbild anderer Länder. Dieses Prinzip – dass Hausärztinnen und Hausärzte über die Weiterleitung an Spezialisten entscheiden – ist in vielen europäischen Gesundheitssystemen üblich und soll unnötige Arztbesuche und Kosten vermeiden.
Wachsende Belastung in der Pflege
Neben der ambulanten Versorgung verwies der Kanzleramtsminister auch auf die Herausforderungen in der Pflege. Schon heute würden 86 Prozent der Pflegebedürftigen zu Hause betreut. In Zukunft werde jedoch der Bedarf an stationärer Pflege deutlich steigen – was das System zusätzlich belasten werde.
Frei forderte Offenheit für unbequeme Reformen, um die langfristige Stabilität des Gesundheits- und Pflegesystems zu sichern. Konkrete Maßnahmen nannte er noch nicht. Die Aussagen dürften jedoch bereits eine hitzige gesundheitspolitische Debatte auslösen – insbesondere vor dem Hintergrund des zunehmenden Ärztemangels und einer alternden Gesellschaft.