Eine realistische Betrachtung der Forderung zeigt schnell, dass der Vorschlag zwar auf den ersten Blick gerecht wirkt, in der Praxis aber große Probleme und Ungleichheiten schaffen würde.
Die Forderung von Linken und Grünen, Arbeitnehmern einen zusätzlichen freien Tag zu gewähren, wenn ein Feiertag auf ein Wochenende fällt, geht von einem klassischen Normalarbeitsverhältnis mit freiem Wochenende aus. Dieses Modell trifft jedoch längst nicht mehr auf einen großen Teil der arbeitenden Bevölkerung zu.
Wer an Wochenenden und Feiertagen arbeitet
In Deutschland gibt es Millionen Menschen, für die Wochenenden und Feiertage reguläre Arbeitstage sind, darunter:
- Pflegekräfte, Ärztinnen und Ärzte, Rettungsdienste
- Feuerwehr, Polizei, Katastrophenschutz
- Beschäftigte in Krankenhäusern und Pflegeheimen
- Gastronomie, Hotellerie, Tourismus
- Verkehrsbetriebe, Logistik, Energieversorgung
- Medien, Nachrichtendienste, Sicherheitsdienste
Für diese Berufsgruppen stellt sich die Frage:
Wann und wie sollen sie den Feiertag „nachholen“?
Praktische Probleme eines pauschalen Ausgleichstags
1. Ungleichbehandlung
Ein zusätzlicher freier Wochentag würde faktisch nur denen zugutekommen,
- die Montag bis Freitag arbeiten
- und an Feiertagen ohnehin frei haben
Beschäftigte im Schichtdienst oder in systemrelevanten Berufen hätten davon kaum oder gar keinen Nutzen, obwohl sie an Feiertagen oft mehr leisten als andere.
2. Personalmangel und Versorgungsrisiken
Gerade im Gesundheits- und Sicherheitsbereich herrscht bereits jetzt akuter Personalmangel.
Zusätzliche Freistellungen würden:
- Dienstpläne weiter destabilisieren
- Vertretungsprobleme verschärfen
- die Versorgung von Patienten und Bürgern gefährden
Ein Krankenhaus oder eine Feuerwehr kann nicht „einfach schließen“, nur weil ein Feiertag ausgeglichen werden soll.
3. Wirtschaftliche Folgen
Für Unternehmen, insbesondere:
- kleine Betriebe
- Gastronomie
- Pflegeeinrichtungen
würde ein zusätzlicher freier Tag höhere Kosten und organisatorische Belastungen bedeuten – ohne dass der Betrieb stillstehen kann.
4. Bestehende Regelungen werden ausgeblendet
Viele Beschäftigte, die an Feiertagen arbeiten, erhalten bereits:
- Feiertagszuschläge
- Ersatzruhetage
- tarifliche Ausgleichsregelungen
Ein pauschaler zusätzlicher Feiertagsersatz würde bestehende Tarifmodelle unterlaufen und neue Ungerechtigkeiten schaffen.
Realistische Alternativen
Statt eines generellen Ausgleichstags wären praktikabler:
- Stärkung von Zuschlägen für Feiertags- und Wochenendarbeit
- mehr individuelle Wahlmodelle (Geld oder Freizeitausgleich)
- tarifliche Lösungen je nach Branche
- gezielte Entlastung für Schicht- und Pflegeberufe
Diese Ansätze würden die tatsächlichen Arbeitsrealitäten besser abbilden.
Fazit
Die Forderung nach einem pauschalen Ausgleich für Wochenend-Feiertage klingt gerecht, ist aber realitätsfern.
Sie berücksichtigt nicht, dass ein erheblicher Teil der Gesellschaft genau dann arbeitet, wenn andere frei haben.
Ein fairer Umgang mit Feiertagen muss branchenspezifisch, tariflich geregelt und praxisnah sein –
nicht nach dem Schema eines klassischen Bürojobs.