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Mobbing und Anfeindungen in der Gaming-Szene weit verbreitet

Lenzatic (CC0), Pixabay

Videospiele sind längst Teil der Alltagskultur. Millionen Menschen in Deutschland spielen regelmäßig am Computer, an der Konsole oder auf dem Smartphone. Doch wo Gemeinschaft entsteht, entstehen auch Konflikte – und im digitalen Raum nehmen diese häufig die Form von Mobbing, Anfeindungen und Diskriminierungen an. Das bestätigt eine neue Untersuchung der Bertelsmann Stiftung, für die 1.203 Gaming-Enthusiasten befragt wurden.

Fast 40 Prozent erleben regelmäßige Beleidigungen

Die Ergebnisse sind deutlich: 38 Prozent der Befragten berichteten, sie seien beim Spielen „sehr oder eher häufig“ beleidigt worden. Rund ein Drittel gab an, dies komme eher selten oder sehr selten vor, während nur eine Minderheit angab, bislang überhaupt keine negativen Erfahrungen gemacht zu haben.

Die Bandbreite der Anfeindungen ist groß. Neben typischen Beleidigungen im Chat oder Voice-Chat geht es zunehmend auch um ernsthafte Drohungen. Spielerinnen und Spieler berichten von Androhungen körperlicher Gewalt bis hin zu Vergewaltigungsfantasien – eine Eskalationsstufe, die weit über bloßes „Trash Talk“ hinausgeht.

Frauen sind besonders verletzlich

Besonders betroffen sind weibliche Gamerinnen. Sie berichten nicht nur von sexistischen Sprüchen, sondern auch von gezielten Angriffen aufgrund ihres Geschlechts. Viele geben an, sich im Spiel als männliche Person auszugeben – sei es durch die Wahl männlicher Avatare oder durch die bewusste Veränderung ihrer Stimme im Voice-Chat. „Nur so kann ich einigermaßen ungestört spielen“, zitierte die Studie eine Teilnehmerin.

Digitale Gewalt mit realen Folgen

Psychologen warnen, dass digitale Anfeindungen nicht nur das Spielerlebnis beeinträchtigen, sondern auch reale Folgen haben können. Angstzustände, Rückzug aus sozialen Kontakten oder gar depressive Verstimmungen seien keine Seltenheit. Zudem wirkt sich das aggressive Klima in Online-Games auf die gesamte Community-Kultur aus: Neueinsteiger fühlen sich abgeschreckt, Frauen und Minderheiten werden aus bestimmten Bereichen der Gaming-Szene verdrängt.

Verantwortung von Plattformen und Entwicklern

Die Bertelsmann Stiftung betont, dass es Aufgabe der Plattformbetreiber und Spieleentwickler sei, wirksame Strategien gegen toxisches Verhalten zu etablieren. Zwar gebe es bereits Melde- und Blockierfunktionen, doch oft fühlen sich Betroffene allein gelassen.

Experten fordern strengere Community-Regeln, konsequentere Sanktionen bis hin zu Sperrungen sowie präventive Ansätze, etwa durch KI-gestützte Moderation oder durch Aufklärungskampagnen in den Gaming-Communities selbst.

Gesellschaftliche Herausforderung

Gaming gilt heute als das größte Unterhaltungsmedium weltweit – größer als Musik- und Filmindustrie zusammen. Dass sich gerade dort toxische Kommunikationsmuster verfestigen, sieht die Stiftung als gesellschaftliche Herausforderung. „Es geht um mehr als beleidigende Sprüche im Chat“, heißt es im Bericht. „Es geht um die Frage, wie wir im digitalen Raum miteinander umgehen.“

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