In Schleswig-Holstein schließen immer mehr Blumenläden – eine Entwicklung, die den Floristenverband alarmiert. Fachkräftemangel, wirtschaftlicher Druck und der zunehmende Wettbewerb mit Discountern und Onlinehändlern setzen der Branche spürbar zu. Für viele Inhaberinnen und Inhaber bedeutet das einen täglichen Kampf ums wirtschaftliche Überleben. Auch Wiebke Gill, die seit vielen Jahren ein Blumengeschäft in Familienhand betreibt, blickt mit Sorge in die Zukunft.
Ein Traditionsberuf in der Krise
Floristinnen und Floristen üben ein kreatives und handwerklich anspruchsvolles Gewerbe aus – doch der Nachwuchs bleibt aus. „Wir bekommen kaum noch Bewerbungen für Ausbildungsplätze“, erklärt Wiebke Gill. Der Beruf biete zwar Vielfalt, Gestaltungsspielraum und Kundenkontakt, doch körperliche Arbeit, geringe Vergütung in der Ausbildung und fehlende gesellschaftliche Anerkennung schrecken viele junge Menschen ab.
Hinzu kommen die hohen Betriebskosten: Strom, Wasser, Kühlung, Einkaufspreise für frische Blumen – all das muss täglich finanziert werden. Gleichzeitig steigen die Mieten vieler Ladenflächen, besonders in städtischen Lagen. Die Gewinnmargen sind hingegen gering, denn der Preisdruck wächst.
Konkurrenz durch Discounter und Onlinehandel
Supermärkte und Discounter bieten Blumensträuße zu Tiefstpreisen an – oft verpackt, vorgefertigt und industriell produziert. Zwar fehlen dort Kreativität, Qualität und persönliche Beratung, doch für viele Kundinnen und Kunden zählt vor allem der Preis. Auch Onlineversandhäuser setzen die traditionellen Läden unter Druck, insbesondere mit Angeboten zum Versand frischer Blumen mit wenigen Klicks.
„Viele wissen gar nicht mehr, wie viel Arbeit hinter einem handgebundenen Strauß steckt“, sagt Gill. Beratung, Komposition, Pflege – das alles werde oft nicht mehr wertgeschätzt. Der schnelle Griff zum Supermarktstrauß sei für viele bequemer – auch wenn dabei Qualität, Regionalität und Nachhaltigkeit oft auf der Strecke bleiben.
Verband fordert Unterstützung und Umdenken
Der Floristenverband fordert nun gezielte politische Unterstützung für die Branche. Dazu gehören Ausbildungsförderungen, weniger bürokratische Hürden, Investitionshilfen für kleine Betriebe sowie mehr Sichtbarkeit und Anerkennung für das floristische Handwerk. Auch die Verbraucherinnen und Verbraucher werden in die Verantwortung genommen: Wer kleine, inhabergeführte Geschäfte erhalten wolle, müsse bewusst einkaufen – auch wenn es ein paar Euro mehr koste.
Ein Verlust für die Innenstädte
Blumenläden sind mehr als nur Verkaufsstellen – sie prägen das Straßenbild, schaffen Begegnungsorte und tragen zur Lebensqualität in Städten und Gemeinden bei. Wenn sich der Trend fortsetzt, droht nicht nur ein wirtschaftlicher Verlust, sondern auch ein kultureller. „Ein Blumenladen ist oft auch ein Ort der Erinnerung – für Geburtstage, Hochzeiten, Beerdigungen“, so Gill. „Wenn diese Läden verschwinden, geht ein Stück Alltag verloren.“
Fazit
Der Floristenberuf steckt in der Krise – leise, aber unaufhaltsam. Ohne gezielte Maßnahmen und ein Umdenken in der Gesellschaft droht vielen traditionellen Geschäften das Aus. Der Appell der Branche ist klar: Nur mit Unterstützung aus Politik und Gesellschaft lässt sich der drohende Strukturbruch noch abwenden.