Der Jahresabschluss 2025 der Windpark Hangen-Weisheim GmbH & Co. KG aus Wörrstadt liefert aus Anlegersicht ein durchaus interessantes, aber gemischtes Bild. Positiv fällt auf, dass die Bankverbindlichkeiten weiter zurückgeführt wurden und das Unternehmen noch über mehr als 1,3 Millionen Euro liquide Mittel verfügt. Gleichzeitig ist das Eigenkapital innerhalb eines Jahres erheblich gesunken. Hinzu kommen hohe finanzielle Verpflichtungen.
Für Anleger lohnt deshalb ein genauer Blick hinter die Bilanzzahlen.
Bilanzsumme schrumpft deutlich
Die Bilanzsumme der Windpark Hangen-Weisheim GmbH & Co. KG sank von rund 8,40 Millionen Euro Ende 2024 auf 6,53 Millionen Euro Ende 2025. Das entspricht einem Rückgang von etwa 22 Prozent.
Ein wesentlicher Grund dafür ist das sinkende Anlagevermögen. Dieses reduzierte sich von rund 3,22 Millionen Euro auf 2,43 Millionen Euro.
Der Anlagenspiegel zeigt hierfür planmäßige Abschreibungen von rund 793.800 Euro. Neue Investitionen beziehungsweise Zugänge werden für 2025 dagegen nicht ausgewiesen.
Das muss bei einem bestehenden Windpark nicht automatisch negativ sein. Windkraftanlagen werden über ihre Nutzungsdauer abgeschrieben, sodass ihr bilanzieller Buchwert kontinuierlich sinkt. Aus Anlegersicht stellt sich allerdings die Frage, wie lange die Anlagen noch wirtschaftlich betrieben werden können und welche Investitionen zukünftig für Wartung, Modernisierung oder Ersatz erforderlich werden.
Liquidität fällt um mehr als 760.000 Euro
Besondere Aufmerksamkeit verdient die Entwicklung der liquiden Mittel.
Ende 2024 verfügte die Gesellschaft noch über rund 2,07 Millionen Euro Bankguthaben. Ende 2025 waren es nur noch etwa 1,30 Millionen Euro.
Damit ist der Zahlungsmittelbestand innerhalb eines Jahres um rund 763.000 Euro beziehungsweise 37 Prozent zurückgegangen.
Auch die Forderungen und sonstigen Vermögensgegenstände reduzierten sich von knapp 298.000 Euro auf rund 191.000 Euro. Insgesamt sank das Umlaufvermögen dadurch von rund 2,36 Millionen Euro auf knapp 1,50 Millionen Euro.
Für Anleger ist der Rückgang der Liquidität beobachtenswert. Aus der Bilanz allein lässt sich allerdings nicht feststellen, wofür die Mittel verwendet wurden. Dafür wären insbesondere eine vollständige Gewinn- und Verlustrechnung und Informationen über Ausschüttungen beziehungsweise Entnahmen hilfreich.
Eigenkapital bricht deutlich ein
Noch auffälliger ist die Entwicklung des Eigenkapitals.
Dieses sank von 1,69 Millionen Euro auf nur noch rund 669.000 Euro. Das entspricht einem Rückgang von rund 60 Prozent innerhalb eines Jahres.
Damit fällt auch die rechnerische Eigenkapitalquote deutlich. Ende 2024 lag sie bei rund 20 Prozent der Bilanzsumme. Ende 2025 sind es nur noch gut 10 Prozent.
Das ist aus Anlegersicht ein Punkt, der genauer untersucht werden sollte.
Interessant ist gleichzeitig, dass für 2025 in der Bilanz kein Jahresgewinn oder Jahresverlust ausgewiesen wird. Im Vorjahr waren noch rund 775.957 Euro Jahresüberschuss angegeben.
Aus den vorliegenden Angaben allein lässt sich daher nicht vollständig erklären, weshalb das ausgewiesene Eigenkapital so stark zurückgegangen ist. Anleger sollten insbesondere prüfen, ob Ausschüttungen beziehungsweise Entnahmen oder andere Veränderungen der Kapitalanteile dahinterstehen.
Hohe Verschuldung bleibt bestehen
Die Gesellschaft weist Ende 2025 insgesamt 5,44 Millionen Euro Verbindlichkeiten aus. Ein Jahr zuvor waren es noch rund 5,85 Millionen Euro.
Damit sind die Schulden zwar gesunken, bleiben im Verhältnis zur Bilanzsumme aber erheblich.
Den größten Posten bilden die Bankkredite. Sie reduzierten sich von 5,74 Millionen Euro auf 4,82 Millionen Euro. Das entspricht ziemlich genau einer Verringerung um 918.128 Euro.
Das ist grundsätzlich ein wichtiger Punkt: Die Gesellschaft baut ihre Bankverschuldung tatsächlich ab.
Von den verbliebenen Bankverbindlichkeiten sind rund 918.000 Euro innerhalb eines Jahres fällig. Weitere 3,90 Millionen Euro haben eine Laufzeit von mehr als einem Jahr. Lediglich rund 229.000 Euro laufen länger als fünf Jahre.
Damit bleibt die Fähigkeit des Windparks, ausreichend laufende Mittel zur Bedienung seiner Kredite zu erwirtschaften, für Anleger ein zentraler Faktor.
Banken haben umfangreiche Sicherheiten
Auch die Absicherung der Kredite sollte berücksichtigt werden.
Die Verbindlichkeiten gegenüber Kreditinstituten sind im Wesentlichen durch eine Globalzession von Forderungen sowie die Sicherungsübereignung des beweglichen Sachanlagevermögens abgesichert.
Vereinfacht gesagt haben die finanzierenden Banken damit Sicherheiten auf wichtige Vermögenswerte beziehungsweise Forderungen des Unternehmens.
Das ist bei einer projektfinanzierten Anlage nicht ungewöhnlich. Für Eigenkapitalanleger bedeutet es allerdings, dass die Kreditgeber im Krisenfall über konkrete Sicherungsrechte verfügen.
Auffälliger Anstieg der Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern
Ein weiterer Punkt verdient Aufmerksamkeit.
Die sonstigen Verbindlichkeiten stiegen von rund 52.449 Euro auf 611.665 Euro. Davon entfallen 575.956,73 Euro auf Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern.
Im Vorjahr waren keine entsprechenden Gesellschafterverbindlichkeiten ausgewiesen.
Das ist eine erhebliche Veränderung.
Sie muss nicht zwangsläufig negativ sein, sollte aus Anlegersicht aber erklärt werden. Interessant wäre insbesondere, wodurch diese Forderungen der Gesellschafter entstanden sind und wann sie zurückgezahlt werden müssen.
Weitere Verpflichtungen von 2,65 Millionen Euro
Neben den bilanzierten Schulden bestehen weitere finanzielle Verpflichtungen.
Zum 31. Dezember 2025 werden sonstige finanzielle Verpflichtungen von 2,65 Millionen Euro angegeben. Im Vorjahr waren es noch 2,90 Millionen Euro.
Diese Summe ist angesichts einer Bilanzsumme von 6,53 Millionen Euro nicht unerheblich.
Der Ausschnitt erläutert allerdings nicht genauer, woraus diese Verpflichtungen bestehen. Für eine vollständige Risikobewertung wäre genau diese Information wichtig.
Positiv ist dagegen, dass zum Bilanzstichtag keine Haftungsverhältnisse im Sinne des § 251 HGB bestanden.
Rückbau des Windparks wird berücksichtigt
Bei Windparks stellt sich langfristig auch die Frage, wer die Kosten für den späteren Rückbau der Anlagen trägt.
Die Gesellschaft hat hierfür Rückstellungen gebildet. Die gesamten sonstigen Rückstellungen betragen rund 429.337 Euro. Die Rückbauverpflichtung wurde dabei zeitanteilig mit ihrem Barwert berücksichtigt.
Aus Anlegersicht ist es grundsätzlich wichtig, dass solche zukünftigen Verpflichtungen bilanziell berücksichtigt werden. Ob die angesetzte Rückstellung langfristig tatsächlich ausreichen wird, lässt sich aus den vorliegenden Angaben jedoch nicht beurteilen.
Verbindung zur Gothaer-Gruppe
Auch die Konzernzugehörigkeit ist für die Einordnung interessant.
Der Jahresabschluss der Windpark Hangen-Weisheim GmbH & Co. KG wird in den Konzernabschluss der Gothaer Kapitalverwaltungs-GmbH in Köln einbezogen. Dieser wird laut Anhang im elektronischen Unternehmensregister veröffentlicht.
Die Geschäftsführung erfolgt über die persönlich haftende Gesellschafterin 100% RE IPP Komplementär GmbH. Als Geschäftsführer werden Rita Lorenz und Björn Petersohn genannt.
Auch hier gilt: Eine Konzernzugehörigkeit ist eine wichtige strukturelle Information, bedeutet für sich genommen aber keine automatische Garantie für die Verpflichtungen der Windparkgesellschaft.
Ein positiver Hinweis nach dem Bilanzstichtag
Im Nachtragsbericht erklärt die Gesellschaft, dass nach Abschluss des Geschäftsjahres keine Vorgänge eingetreten seien, die einen wesentlichen Einfluss auf die Beurteilung der Vermögens-, Finanz- und Ertragslage hätten.
Zum Zeitpunkt der Aufstellung des Abschlusses waren demnach keine entsprechend wesentlichen nachträglichen Ereignisse zu berichten.
Fazit: Schuldenabbau positiv – Kapitalentwicklung verdient Aufmerksamkeit
Der Jahresabschluss 2025 der Windpark Hangen-Weisheim GmbH & Co. KG enthält sowohl positive als auch kritische Signale.
Positiv ist insbesondere der weitere Abbau der Bankkredite. Die Bankverbindlichkeiten gingen innerhalb eines Jahres von 5,74 auf 4,82 Millionen Euro zurück. Gleichzeitig verfügt die Gesellschaft weiterhin über rund 1,30 Millionen Euro liquide Mittel.
Auf der anderen Seite sank das Eigenkapital von 1,69 Millionen auf nur noch rund 669.000 Euro. Die Eigenkapitalquote liegt damit rechnerisch nur noch bei gut 10 Prozent. Gleichzeitig gingen die liquiden Mittel um rund 37 Prozent zurück, und gegenüber Gesellschaftern entstanden Verbindlichkeiten von knapp 576.000 Euro.
Hinzu kommen sonstige finanzielle Verpflichtungen von 2,65 Millionen Euro.
Für Anleger wären deshalb vor allem drei Fragen entscheidend: Warum ist das Eigenkapital so stark gesunken? Weshalb entstanden die hohen Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaftern? Und welche laufenden Cashflows erwirtschaftet der Windpark zur Bedienung seiner Kredite?
Der Abschluss zeigt damit einen Windpark, der seine Bankfinanzierung planmäßig deutlich zurückführt, gleichzeitig aber eine wesentlich dünnere Eigenkapitalbasis als im Vorjahr aufweist. Ohne die vollständige Ertrags- und Cashflowentwicklung lässt sich daraus noch kein abschließendes Urteil über die wirtschaftliche Tragfähigkeit ableiten.