Kronen Zeitung und FPÖ sehen schon 64.000 Menschen vor schwarzen Bildschirmen sitzen. Der ORF sagt: So dramatisch wird’s nicht. Nicht einmal annähernd.
Die „Kronen Zeitung“ und die FPÖ schlagen Alarm: Bis Jahresende, so der Eindruck ihrer Meldungen vom 9. August, drehe der ORF gleich 64.000 Österreicherinnen und Österreichern Fernsehen und Radio ab.
Klingt nach medialem Kerzenlicht-Dinner. Ist aber falsch.
Denn die Netzabdeckung des ORF-Sendernetzes liegt weiterhin bei 99 Prozent des österreichischen Bundesgebietes – und daran soll sich auch durch die geplanten Optimierungen nichts ändern. Mit anderen Worten: Österreich verschwindet nicht plötzlich im Funkloch.
Auch im Krisenfall bleibt die Versorgung der Bevölkerung über das ORF-Sendernetz umfassend gewährleistet. Was sich tatsächlich ändert: Der ORF räumt bei einigen Kleinstsendeanlagen in Randlagen auf. Diese werden bis Jahresende außer Betrieb genommen, weil ihre Gebiete größtenteils ohnehin von anderen Sendern versorgt werden.
Der angenehme Nebeneffekt: rund 1,5 Millionen Euro Ersparnis pro Jahr.
Aus 64.000 Menschen werden plötzlich ziemlich wenige Haushalte
Der entscheidende Haken an der dramatischen Zahl: Die „Kronen Zeitung“ zählt offenbar sämtliche Menschen, die in den betroffenen Gemeinden wohnen – nicht jene Haushalte, die tatsächlich über die jeweiligen Anlagen fernsehen.
Das ist ungefähr so, als würde man bei der Sperre eines Würstelstands behaupten, die gesamte Gemeinde müsse künftig hungern.
Denn 94 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher empfangen den ORF über Satellit, Kabel oder Streaming. Nur rund sechs Prozent nutzen dafür die Antenne. Und viele Haushalte haben ohnehin mehrere Empfangsmöglichkeiten.
Von den viel zitierten theoretischen 64.000 Personen dürften daher – wenn überhaupt – lediglich einige hundert Haushalte tatsächlich eine Veränderung beim TV-Empfang bemerken.
Im schlimmsten Fall: einmal Frequenz wechseln
In vielen Fällen reicht es, auf eine andere Frequenz umzuschalten oder einen anderen Empfangsweg zu verwenden. Satellit und Streaming bleiben weiterhin verfügbar.
Nur in einzelnen, eng begrenzten Gebieten kann es durch die Umstellung zu Einschränkungen beim Empfang über Antenne oder UKW kommen.
Wer danach also tatsächlich vor einem schwarzen Bildschirm sitzt, muss weder die Zimmerantenne Richtung Küniglberg schwenken noch Rauchzeichen senden.
Das ORF-Kundenservice hilft bei der Suche nach einer individuellen Lösung: Montag bis Samstag von 8.00 bis 21.00 Uhr unter 0800 090 010 oder per Mail an kundendienst@orf.at.
Kurz gesagt: Der ORF schaltet nicht 64.000 Menschen ab. Er schaltet einige Kleinstsender ab. Das ist ein kleiner, aber offenbar entscheidender Unterschied.