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Rätselhafte Darminfektion breitet sich aus: Mehr als 10.000 Erkrankungen in den USA – Behörden ermitteln gegen Gemüselieferanten
Warnungen der IOSCO

Rätselhafte Darminfektion breitet sich aus: Mehr als 10.000 Erkrankungen in den USA – Behörden ermitteln gegen Gemüselieferanten

derneuemann (CC0), Pixabay

Ein außergewöhnlich großer Ausbruch der Darmerkrankung Cyclosporiasis sorgt in den USA für Besorgnis. Seit Anfang Mai wurden mehr als 10.000 bestätigte Infektionen registriert, hinzu kommen Tausende Verdachtsfälle. Erstmals sind nun auch zwei Todesfälle bekannt geworden. Die Gesundheitsbehörden vermuten, dass verunreinigter Eisbergsalat eines Großlieferanten die Ursache sein könnte. Experten sprechen von einem Ausbruch in bislang unbekannter Größenordnung.

Die Vereinigten Staaten erleben derzeit den größten bekannten Ausbruch der parasitären Darmerkrankung Cyclosporiasis. Nach Angaben der US-Gesundheitsbehörde Centers for Disease Control and Prevention (CDC) wurden seit Anfang Mai 10.468 bestätigte Infektionen registriert. Darüber hinaus untersuchen die Behörden mehr als 12.000 weitere Verdachtsfälle, bei denen eine Infektion noch nicht abschließend bestätigt wurde.

Besonders alarmierend: Im Bundesstaat Michigan starben erstmals zwei Menschen im Zusammenhang mit der Erkrankung. Beide Betroffenen litten nach Angaben der Gesundheitsbehörden an schweren Vorerkrankungen, die durch die Infektion und den damit verbundenen Flüssigkeitsverlust erheblich verschlechtert worden sein sollen.

Erstmals Todesfälle bei großem Ausbruch

Nach Einschätzung von Fachleuten gelten Todesfälle infolge einer Cyclosporiasis als äußerst ungewöhnlich. John Guzewich, ein ehemaliger Experte der US-Lebensmittelüberwachungsbehörde FDA, erklärte gegenüber der „New York Times“, ihm seien bislang keine vergleichbaren Fälle bekannt. Die aktuellen Todesfälle bezeichnete er als „beispiellos“.

Auch der Lebensmittelsicherheits-Mikrobiologe Matthew Moore von der University of Massachusetts sprach von einem ungewöhnlichen Verlauf. Zwar verlaufe die Erkrankung bei den meisten Menschen nicht lebensbedrohlich, doch könnten insbesondere ältere Menschen, Säuglinge, Schwangere sowie Personen mit geschwächtem Immunsystem durch den langanhaltenden Durchfall und die starke Dehydrierung schwer erkranken.

Parasit verursacht wochenlangen Durchfall

Auslöser der Erkrankung ist der Parasit Cyclospora cayetanensis, der den Darm befällt. Typische Symptome sind starker wässriger Durchfall, Bauchkrämpfe, Übelkeit, Appetitlosigkeit und teilweise erheblicher Gewichtsverlust.

Die Beschwerden können mehrere Wochen andauern und kehren ohne geeignete Behandlung häufig erneut zurück. In der Regel lässt sich die Infektion mit Antibiotika erfolgreich behandeln.

Nach Angaben der CDC wird der Parasit nicht von Mensch zu Mensch übertragen. Die Ansteckung erfolgt vielmehr über Lebensmittel oder Wasser, die mit Fäkalien verunreinigt wurden.

Mehr als 400 Krankenhausaufenthalte

Die Dimension des Ausbruchs zeigt sich auch an den Folgen für das Gesundheitssystem. Seit Beginn der aktuellen Infektionswelle wurden nach Angaben der CDC bereits 423 Menschen stationär behandelt.

Damit handelt es sich um den größten dokumentierten Cyclosporiasis-Ausbruch seit Beginn der systematischen Erfassung der Erkrankung in den Vereinigten Staaten.

Eisbergsalat im Fokus der Ermittlungen

Die Ursache des Massenausbruchs ist noch nicht endgültig geklärt. Die US-Lebensmittelüberwachungsbehörde FDA vermutet jedoch, dass der Parasit über klein geschnittenen Eisbergsalat verbreitet wurde, der unter anderem in Filialen der Fast-Food-Kette Taco Bell verwendet worden sein soll.

Nach bisherigen Erkenntnissen stammt der betroffene Salat vom mexikanischen Produzenten Taylor Farms de Mexiko. Die Ermittlungen konzentrieren sich darauf, ob bereits bei der Bewässerung oder Verarbeitung des Gemüses verunreinigtes Wasser eingesetzt wurde.

Gerade Blattgemüse gilt als besonders anfällig für eine Kontamination mit Parasiten, da es häufig roh verzehrt wird und Erreger dadurch nicht durch Erhitzen abgetötet werden.

Lebensmittelkontrollen gewinnen an Bedeutung

Der aktuelle Ausbruch verdeutlicht erneut die Herausforderungen globaler Lebensmittelketten. Obst und Gemüse werden heute häufig international produziert und in großen Mengen exportiert. Bereits eine Verunreinigung bei einem einzelnen Lieferanten kann deshalb Tausende Menschen in unterschiedlichen Regionen betreffen.

Die Behörden arbeiten derzeit daran, mögliche weitere belastete Lieferungen zu identifizieren und aus dem Verkehr zu ziehen. Gleichzeitig werden Restaurants und Händler aufgefordert, ihre Lieferketten sorgfältig zu überprüfen.

Wachsamkeit bei anhaltenden Beschwerden

Gesundheitsexperten raten Menschen mit länger anhaltendem Durchfall, insbesondere nach dem Verzehr von rohem Gemüse oder Salaten, ärztlichen Rat einzuholen. Gerade Risikogruppen sollten auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten, um gefährliche Folgen einer Dehydrierung zu vermeiden.

Die Ermittlungen der Gesundheitsbehörden dauern an. Ob tatsächlich ausschließlich der verdächtige Salatlieferant für den bislang größten Cyclosporiasis-Ausbruch in den USA verantwortlich ist oder weitere Quellen eine Rolle spielen, sollen die laufenden Untersuchungen klären.

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