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Wanises WM-Kolumne: Rot, Freistoß, Achtelfinale – die USA zeigen, was Heimvorteil wirklich bedeutet

Die Amerikaner wollten offenbar beweisen, dass man ein Fußballspiel auch auf die schwierigste Art gewinnen kann.

Elf gegen elf? Langweilig. Also dachten sich die USA: Komm, wir spielen einfach eine halbe Stunde in Unterzahl – und gewinnen trotzdem souverän mit 2:0.

Bosnien und Herzegowina dürfte sich heute noch fragen, wie das eigentlich passieren konnte.

Dabei begann nach der Pause alles nach Drehbuch. Die USA führten, zogen sich zurück und überließen dem Gegner den Ball. Bosnien durfte kombinieren, aufbauen, überlegen – allerdings meist irgendwo zwischen Mittellinie und Ratlosigkeit.

Dann kam die 58. Minute.

Balogun steigt seinem Gegenspieler unglücklich auf den Knöchel, der VAR schaut genauer hin und plötzlich ist Feierabend für den US-Stürmer. Rote Karte. Über eine halbe Stunde Überzahl für Bosnien.

Jetzt müsste das Spiel doch kippen, oder?

Eben nicht.

Denn während Bosnien zwar einen Mann mehr hatte, fehlte der entscheidende Plan. Viel Ballbesitz, viele Flanken, viele Bemühungen – aber kaum echte Gefahr. Die amerikanische Defensive stand wie eine Mauer. Und dahinter ein Torhüter, der ebenfalls nicht den Eindruck machte, heute noch arbeiten zu wollen.

Und dann kam der Moment, der Bosnien endgültig den Stecker zog.

Freistoß für die USA. In Unterzahl.

Malik Tillman legt sich den Ball zurecht und hämmert ihn traumhaft zum 2:0 ins Netz. In diesem Moment konnte man den bosnischen Traum vom Achtelfinale praktisch davonfliegen sehen.

Mit einem Mann weniger das entscheidende Tor erzielen – das ist genau die Sorte Fußball, die Turniere schreibt.

Bosnien warf danach zwar noch einmal alles nach vorne. Doch die Amerikaner verteidigten leidenschaftlich, warfen sich in jeden Ball und brachten den Vorsprung erstaunlich souverän über die Zeit.

Unterm Strich ist dieses 2:0 absolut verdient.

Nicht weil die USA spielerisch alles dominiert hätten. Sondern weil sie genau das auf den Platz brachten, was K.-o.-Spiele entscheiden kann: Disziplin, Effizienz und den unbedingten Willen, auch unter widrigsten Umständen nicht einzubrechen.

Jetzt wartet Belgien.

Und nach deren völlig verrückter Aufholjagd gegen Senegal könnte man meinen, das nächste Achtelfinale sei bereits für Hollywood geschrieben.

Belgien kommt mit einem Wunder im Gepäck. Die USA mit einer halben Stunde Unterzahl und einem Freistoß zum Lehrbuch-Eintrag.

Seattle darf sich auf ein Duell freuen, bei dem vermutlich wieder niemand das Drehbuch kennt. Genau deshalb lieben wir Weltmeisterschaften.

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