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Wanises WM-Kolumne: Kane rettet England – aber der Titeltraum hatte plötzlich Wackelkontakt

England steht im Achtelfinale. Das klingt souverän. War es aber ganz und gar nicht.

Wer vor dem Anpfiff dachte, die Three Lions würden die DR Kongo locker aus dem Stadion schießen, bekam eine ziemlich deutliche Erinnerung daran, warum Weltmeisterschaften so wunderbar unberechenbar sind.

Denn während England noch dabei war, sich die Trikots zurechtzuzupfen, hatte die DR Kongo bereits zugeschlagen.

Siebte Minute. Cipenga sagt höflich „Guten Tag“, die englische Defensive antwortet mit kollektivem Tiefschlaf – und plötzlich steht es 0:1. Thomas Tuchel dürfte an der Seitenlinie kurz überlegt haben, ob er versehentlich den falschen Mannschaftsbus erwischt hat.

Die Kongolesen spielten mutig, frech und völlig ohne Ehrfurcht. Genau so muss ein Außenseiter auftreten. England hatte zwar mehr Ballbesitz, aber daraus entstand zunächst vor allem eins: Frust.

Und vorne? Da hieß der größte Gegner nicht die kongolesische Abwehr, sondern Torhüter Mpasi-Nzau.

Was der Mann hielt, war teilweise sensationell. Die Engländer schossen, köpfelten und kombinierten – und jedes Mal stand da dieser Keeper, der offenbar beschlossen hatte, für einen Nachmittag Gianluigi Buffon, Manuel Neuer und Lev Yashin gleichzeitig zu sein.

Fast wäre es sogar noch schlimmer gekommen. Kurz vor der Pause schepperte Wissa den Ball an den Pfosten. Das mögliche 2:0 hätte England vermutlich endgültig ins Chaos gestürzt.

Doch genau dafür haben große Mannschaften ihre großen Spieler.

Wenn es richtig unbequem wird, taucht irgendwann Harry Kane auf.

Lange war vom Kapitän wenig zu sehen. Dann machte er einfach das, was Torjäger eben tun. Zwei Chancen. Zwei Tore. Spiel gedreht.

Nicht spektakulär. Nicht artistisch. Einfach eiskalt.

Während sich die Kongolesen nach einem überragenden Kampf irgendwann geschlagen geben mussten, marschierte England weiter. Vielleicht nicht mit Glanz, aber mit der Erkenntnis, dass man auch solche Spiele gewinnen kann.

Und genau das unterscheidet Titelkandidaten oft von guten Mannschaften.

Die DR Kongo verabschiedet sich erhobenen Hauptes aus diesem Turnier. Sie hat vielen Favoriten gezeigt, dass sie mehr ist als nur ein netter Außenseiter. Mit etwas mehr Glück und etwas weniger Harry Kane wäre heute vielleicht die nächste Sensation perfekt gewesen.

Für England geht die Reise weiter. Jetzt wartet Gastgeber Mexiko – und spätestens dort wird eine Leistung wie in der ersten Halbzeit wohl nicht mehr reichen.

Aber solange Harry Kane im Strafraum auftaucht, lebt auch der englische Traum vom ersten WM-Titel seit 1966 weiter.

Und wie heißt es so schön? Weltmeister werden selten ohne mindestens einen gehörigen Schrecken. England hat seinen heute bekommen.

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