Es gibt Fußballspiele, die kann man erklären. Und dann gibt es Belgien gegen Senegal.
Wer dieses Achtelfinal-Ticket der Roten Teufel logisch erklären will, sollte vielleicht gleich noch beweisen, dass Einhörner existieren.
90 Minuten lang spielte eigentlich nur eine Mannschaft – und die trug Grün. Senegal war bissig, mutig, zweikampfstark und führte hochverdient mit 2:0. Belgien? Wirkte wie eine Mannschaft, die den Rückflug schon gebucht hatte. Die Teranga-Löwen hatten alles im Griff und schauten vermutlich schon heimlich auf den Gegner im Achtelfinale.
Und dann passierte Fußball.
Diese herrlich verrückte Sportart, die sich um Wahrscheinlichkeiten nicht schert. Belgien packte in den Schlussminuten plötzlich eine Moral aus, die zuvor irgendwo zwischen Kabine und Mannschaftsbus verloren gegangen war. Zwei Tore in kürzester Zeit – und aus einem sicheren 2:0 wurde ein völlig absurdes 2:2. Senegal stand da wie ein Boxer, der den Gegner schon ausgeknockt glaubte und plötzlich selbst auf dem Boden sitzt.
In der Verlängerung schien das Pendel wieder Richtung Afrika auszuschlagen. Mbaye hatte den Sieg auf dem Fuß – und ließ ihn liegen. Solche Chancen rächen sich bei Weltmeisterschaften fast immer. Es ist eine der ältesten Fußballweisheiten überhaupt.
Und tatsächlich kam die Quittung.
Lukébakio donnerte den Ball zunächst an die Latte. Alle dachten: Das war’s. Doch dann meldete sich der VAR. Elfmeter! Ob glücklich oder unglücklich – darüber wird in Dakar vermutlich noch Monate diskutiert werden.
Doch wer sich in diesem Moment den Ball schnappt, braucht Nerven aus Stahl. Youri Tielemans hatte sie. Zweimal hatte der Kapitän bereits getroffen, beim Elfmeter blieb er eiskalt und vollendete seinen persönlichen Hattrick der Heldenmomente. Belgien dreht tatsächlich ein verloren geglaubtes Spiel und gewinnt mit 3:2.
Für Senegal ist dieses Aus besonders bitter. Über mehr als 90 Minuten waren die Afrikaner die klar bessere Mannschaft. Sie spielten den Favoriten phasenweise an die Wand, nutzten ihre Überlegenheit aber nicht konsequent genug. Und genau deshalb fahren sie nach Hause.
Belgien dagegen lebt weiter. Nicht, weil es das bessere Team war. Sondern weil Fußball manchmal einfach beschließt, sämtliche Drehbücher in den Papierkorb zu werfen.
Die Roten Teufel treffen nun in Seattle auf den Sieger der Partie USA gegen Bosnien-Herzegowina. Nach diesem Wahnsinn dürfte ihnen allerdings egal sein, wer da wartet.
Denn wer nach einem 0:2 noch ins Achtelfinale stolpert, glaubt plötzlich wieder an alles.
Und wir? Wir lieben diese WM genau wegen solcher Abende.