Während viele Menschen bei Temperaturen von über 30 Grad ins Freibad flüchten oder sich in klimatisierte Räume zurückziehen können, beginnt für wohnungslose Menschen eine besonders gefährliche Zeit. Hilfsorganisationen und Kommunen bereiten sich auf die anhaltende Hitzewelle vor und bauen ihre Unterstützungsangebote aus. Denn Hitze ist für Menschen auf der Straße längst zu einem ebenso großen Risiko geworden wie eisige Winter.
Extreme Hitze belastet den Körper massiv
Mediziner warnen, dass bereits wenige Stunden in der prallen Sonne ausreichen können, um schwere gesundheitliche Schäden zu verursachen. Der Körper verliert durch starkes Schwitzen große Mengen an Flüssigkeit und Elektrolyten. Wird dieser Verlust nicht ausgeglichen, drohen Kreislaufprobleme, Dehydrierung, Hitzschöpfung oder sogar ein lebensgefährlicher Hitzschlag.
Wohnungslose Menschen gehören dabei zu den besonders gefährdeten Bevölkerungsgruppen. Viele leiden unter Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Nierenproblemen oder psychischen Erkrankungen. Hinzu kommen häufig Alkohol- oder Drogenabhängigkeiten, die den Flüssigkeitshaushalt zusätzlich beeinträchtigen. Manche Medikamente verschlechtern zudem die Fähigkeit des Körpers, seine Temperatur zu regulieren.
Die Straße bietet kaum Schutz
Wer kein Zuhause hat, verbringt oft den gesamten Tag im Freien. Asphalt, Betonflächen und Häuserfassaden heizen sich im Sommer stark auf und geben die Wärme selbst nachts nur langsam wieder ab. In Innenstädten entstehen sogenannte Wärmeinseln, in denen die Temperaturen mehrere Grad höher liegen können als im Umland.
Schattige Plätze sind rar und häufig nur zeitweise verfügbar. Viele Parks schließen nachts oder werden geräumt. Auch öffentliche Gebäude mit Klimaanlagen stehen Obdachlosen oft nur eingeschränkt offen. Wer den ganzen Tag unterwegs ist, hat zudem kaum Möglichkeiten, regelmäßig Trinkwasser nachzufüllen oder sich abzukühlen.
Hilfsorganisationen reagieren
Deshalb erweitern viele Hilfsorganisationen ihre Angebote. Streetworker verteilen Wasserflaschen, Sonnencreme, Kopfbedeckungen und leichte Lebensmittel. Tagesaufenthalte verlängern ihre Öffnungszeiten und stellen klimatisierte Aufenthaltsräume zur Verfügung. Manche Städte richten zusätzliche Trinkwasserstellen ein oder verteilen kostenlos Wasser an stark frequentierten Plätzen.
Auch medizinische Teams sind häufiger unterwegs. Sie kontrollieren den Gesundheitszustand besonders gefährdeter Menschen und greifen ein, bevor es zu lebensbedrohlichen Situationen kommt.
Klimawandel verschärft das Problem
Experten gehen davon aus, dass Hitzewellen in Deutschland künftig häufiger auftreten, länger andauern und intensiver werden. Städte stehen deshalb vor einer neuen Herausforderung. Während früher vor allem Winterhilfen im Mittelpunkt standen, gewinnt der Hitzeschutz zunehmend an Bedeutung.
Viele Kommunen entwickeln inzwischen sogenannte Hitzeaktionspläne. Diese sehen unter anderem vor:
- zusätzliche Trinkwasserbrunnen im öffentlichen Raum,
- kühlere Aufenthaltsorte und sogenannte Cooling Center,
- bessere Information über Hitzewarnungen,
- gezielte Betreuung besonders gefährdeter Menschen,
- engere Zusammenarbeit zwischen Gesundheitsämtern, Sozialdiensten und Hilfsorganisationen.
Auch Bürger können helfen
Hilfsorganisationen appellieren an die Bevölkerung, bei großer Hitze aufmerksam zu sein. Wer einen offensichtlich geschwächten oder orientierungslosen Menschen auf der Straße sieht, kann bereits mit einfachen Mitteln helfen. Eine Flasche Wasser, der Hinweis auf einen schattigen Platz oder das Verständigen des Rettungsdienstes können im Ernstfall Leben retten.
Warnzeichen sind unter anderem:
- starke Verwirrtheit,
- Schwindel oder Bewusstseinsstörungen,
- heiße, trockene Haut,
- Krampfanfälle,
- Kollaps oder Bewusstlosigkeit.
In solchen Fällen sollte umgehend der Notruf gewählt werden.
Hitzeschutz ist auch Sozialpolitik
Die aktuelle Hitzewelle macht deutlich, dass extreme Temperaturen nicht alle Menschen gleichermaßen treffen. Wer über eine Wohnung verfügt, kann sich meist schützen. Wer auf der Straße lebt, ist den Folgen oft schutzlos ausgeliefert.
Sozialverbände fordern deshalb, Hitzeschutz dauerhaft als Bestandteil kommunaler Daseinsvorsorge zu verankern. Neben kurzfristigen Hilfsangeboten brauche es langfristig mehr Notunterkünfte, leicht zugängliche Gesundheitsversorgung und Strategien gegen Wohnungslosigkeit. Denn je heißer die Sommer werden, desto deutlicher zeigt sich: Hitze ist längst nicht mehr nur ein Wetterphänomen, sondern auch eine soziale Herausforderung.