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VW entdeckt den Turbo-Rotstift: Jetzt sollen offenbar gleich 100.000 Jobs weg

reglohsg (CC0), Pixabay

Die automobile Zukunft war einmal ganz einfach: Milliarden in Elektromobilität investieren, Werke zu Vorzeigestandorten erklären, Politiker zum Spatenstich einladen, Fördergelder einsammeln und den Beschäftigten eine rosige Zukunft versprechen. Einige Jahre später folgt dann offenbar die nächste Innovationsstufe – das Sparprogramm XXL.

Nach einem Bericht des Manager Magazins plant Volkswagen weltweit den Abbau von bis zu 100.000 Arbeitsplätzen. Das wären doppelt so viele Stellen wie bislang bekannt. Und weil große Zahlen bekanntlich besonders beeindruckend wirken, stehen offenbar auch gleich vier deutsche Werke auf der Abschussliste. Darunter: das Werk in Zwickau – jenes Werk, das noch vor Kurzem als Herzstück der elektrischen Revolution gefeiert wurde.

Vom Zukunftsprojekt zum Sanierungsfall

Zwickau galt lange als Blaupause für den Wandel der deutschen Autoindustrie. Milliarden flossen in den Umbau, Verbrenner verschwanden vom Band, Elektroautos sollten die Zukunft sichern. Kaum ein Politiker ließ sich die Gelegenheit entgehen, den Standort als Beweis für Deutschlands industrielle Stärke zu präsentieren.

Heute wirkt diese Geschichte wie ein Lehrstück darüber, wie schnell sich Zukunftspläne ändern können. Die Elektro-Offensive läuft längst nicht so dynamisch wie erhofft, die Nachfrage schwankt, der Konkurrenzdruck aus China wächst und die Renditeziele bleiben ehrgeizig. Also wird dort gespart, wo es am schnellsten Wirkung zeigt: bei den Kosten – und damit bei den Arbeitsplätzen.

Das neue Lieblingswort heißt „Transformation“

In Konzernpräsentationen klingt das selbstverständlich ganz anders. Dort spricht niemand von Entlassungen oder Werksschließungen. Stattdessen ist von „Effizienzsteigerung“, „Strukturanpassung“, „Kapazitätsoptimierung“ oder „Transformation“ die Rede.

Übersetzt bedeutet das für viele Beschäftigte allerdings etwas deutlich Greifbareres: Unsicherheit.

Denn während in PowerPoint-Folien jede eingesparte Stelle die Profitabilität verbessert, geht es für die Mitarbeiter um Existenzen, Familien und ganze Regionen. Gerade in Sachsen wäre ein möglicher Kahlschlag in Zwickau weit mehr als eine unternehmerische Entscheidung – er hätte erhebliche wirtschaftliche Folgen für Zulieferer, Handwerk und Dienstleister.

Die Strategie: Erst investieren, dann konsolidieren

Volkswagen ist mit diesem Kurs nicht allein. In der gesamten Automobilbranche zeigt sich derzeit ein bemerkenswertes Muster: Erst wurden Milliarden in den Wandel investiert, anschließend stellt man fest, dass der Umbau teurer, langsamer und komplizierter wird als geplant. Die Konsequenz lautet dann fast immer: Personal abbauen.

Man könnte auch sagen: Die Elektromobilität fährt zwar emissionsfrei – aber leider nicht kostenfrei.

Schweigen aus Wolfsburg

Volkswagen wollte den Bericht auf Nachfrage bislang nicht kommentieren. Das gehört inzwischen fast schon zur Unternehmensroutine. Solange nichts bestätigt ist, lässt sich jede Spekulation offenhalten. Und sollte sich am Ende doch etwas bewahrheiten, spricht man später von einem „notwendigen Schritt zur Zukunftssicherung“.

Für die Beschäftigten dürfte das wenig tröstlich sein.

Der eigentliche Vertrauensverlust

Noch ist unklar, ob tatsächlich 100.000 Stellen gestrichen und welche Werke geschlossen werden. Doch allein der Bericht zeigt, wie groß die Nervosität inzwischen ist. Besonders bitter ist dabei die Symbolik: Ausgerechnet das Werk, das als Musterbeispiel der elektrischen Zukunft galt, könnte selbst zum Opfer dieser Zukunft werden.

Die eigentliche Frage lautet deshalb längst nicht mehr nur, wie viele Stellen Volkswagen abbaut. Sondern wie oft Beschäftigte und Standorte noch als „strategisch unverzichtbar“ bezeichnet werden, bevor sie wenige Jahre später auf einer Sparliste wieder auftauchen.

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