Trotz geopolitischer Spannungen und wirtschaftlicher Unsicherheiten sieht das österreichische Finanzmarktstabilitätsgremium (FMSG) derzeit keine akuten Gefahren für die Stabilität des Bankensystems. Auf seiner 49. Sitzung bestätigte das Gremium seine bisherige Linie und empfiehlt, den antizyklischen Kapitalpuffer weiterhin bei null Prozent zu belassen. Gleichzeitig machten die Experten deutlich, dass neue Risiken – insbesondere im Immobiliensektor und bei alternativen Finanzierungen – genau beobachtet werden.
Im Mittelpunkt der Beratungen standen die sogenannten strukturellen Systemrisiken. Gemeint sind langfristige Gefahren, die das Finanzsystem insgesamt belasten könnten. Dazu gehören unter anderem Risiken aus dem Immobilienmarkt, die Bedeutung systemrelevanter Banken sowie neue Finanzierungsformen außerhalb des klassischen Bankensektors. Über die künftige Höhe des Systemrisikopuffers und der Kapitalanforderungen für große Banken will das Gremium im Herbst 2026 entscheiden.
Positiv fiel die Zwischenbilanz beim sektoralen Systemrisikopuffer für Gewerbeimmobilienfinanzierungen aus. Nach Einschätzung der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) hat die zusätzliche Eigenkapitalanforderung die Kreditvergabe und die Finanzierungskosten bislang nicht beeinträchtigt. Gleichzeitig habe sie die Widerstandskraft der Banken erhöht. Das Gremium sieht darin einen Beleg dafür, dass makroprudenzielle Instrumente die Stabilität stärken können, ohne die Finanzierung der Wirtschaft auszubremsen.
Auch die Entwicklung bei privaten Wohnimmobilienkrediten wurde analysiert. Nach dem Auslaufen der entsprechenden Kreditvergabeverordnung ist der Anteil von Finanzierungen außerhalb der bisherigen Vergabekriterien zwar leicht gestiegen, liegt aber weiterhin unter 20 Prozent der Neukredite. Aus Sicht des Gremiums besteht derzeit kein Anlass zur Sorge, die Entwicklung werde jedoch aufmerksam verfolgt.
Zunehmende Aufmerksamkeit widmeten die Experten zudem dem internationalen Markt für sogenanntes Private Credit. Dabei vergeben Investmentfonds und andere private Kapitalgeber Kredite außerhalb des traditionellen Bankensektors. Während dieser Markt weltweit stark wächst, spielt er in Österreich bislang nur eine vergleichsweise geringe Rolle. Direkte Risiken für das heimische Finanzsystem sieht das FMSG derzeit nicht. Dennoch wollen die Finanzmarktaufsicht (FMA) und die OeNB die Datengrundlage verbessern, um mögliche Entwicklungen frühzeitig erkennen zu können.
Unverändert empfiehlt das Gremium der FMA, den antizyklischen Kapitalpuffer bei 0 Prozent der inländischen risikogewichteten Aktiva zu belassen. Nach Einschätzung der Experten gibt es derzeit keine Hinweise auf übermäßige kreditgetriebene Risiken, die eine Verschärfung der Kapitalanforderungen erforderlich machen würden.
Gleichzeitig mahnt das Finanzmarktstabilitätsgremium zur Vorsicht. Geopolitische Konflikte, eine unsichere Konjunkturentwicklung sowie mögliche Veränderungen bei Inflation und Zinsen könnten die Finanzmärkte auch künftig belasten. Umso wichtiger sei es, dass Banken über ausreichende Kapitalreserven verfügen und ihre Risiken weiterhin konservativ steuern. Damit bleibt die Botschaft des Gremiums klar: Akuter Handlungsbedarf besteht derzeit zwar nicht – Entwarnung geben die Finanzaufseher aber ebenfalls nicht.