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Zehn Jahre Brexit: Deutsche Exporte nach Großbritannien deutlich zurückgegangen

Elionas2 (CC0), Pixabay

Zehn Jahre nach dem historischen Referendum vom 23. Juni 2016 ist die Debatte über die Folgen des Brexit längst nicht verstummt. Während die Befürworter damals mehr Souveränität, weniger Bürokratie aus Brüssel und neue wirtschaftliche Chancen versprachen, zeichnet sich heute ein deutlich differenzierteres Bild ab. Besonders im Handel sind die Auswirkungen spürbar.

Deutschland exportiert deutlich weniger nach Großbritannien

Eine aktuelle Analyse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigt, dass die deutschen Exporte nach dem EU-Austritt Großbritanniens real um rund sieben Prozent gesunken sind. Gleichzeitig stiegen die deutschen Ausfuhren in die übrigen EU-Mitgliedstaaten um mehr als 40 Prozent.

Die Zahlen verdeutlichen, wie stark Unternehmen vom europäischen Binnenmarkt profitieren. Während der Handel innerhalb der EU weitgehend ohne Zollkontrollen, Grenzformalitäten und zusätzliche Zertifizierungen funktioniert, müssen Exporteure beim Handel mit Großbritannien inzwischen zahlreiche zusätzliche Vorschriften beachten.

Bürokratie statt Freihandel

Vor dem Brexit galt Großbritannien für deutsche Unternehmen als unkomplizierter Absatzmarkt. Heute müssen Unternehmen Ursprungsnachweise erbringen, Zollanmeldungen erstellen und zusätzliche Dokumentationspflichten erfüllen. Gerade für kleinere und mittelständische Betriebe lohnt sich der Aufwand häufig kaum noch.

Viele Firmen haben deshalb ihre Vertriebsaktivitäten stärker auf andere europäische Märkte konzentriert. Davon profitieren insbesondere osteuropäische Länder, die Niederlande, Frankreich oder Spanien.

Auch Großbritannien spürt die Folgen

Nicht nur deutsche Unternehmen haben sich umorientiert. Auch auf britischer Seite klagen viele Unternehmen über gestiegene Kosten und kompliziertere Lieferketten.

Vor allem kleine Exporteure verloren teilweise den direkten Zugang zum europäischen Binnenmarkt. Hinzu kommen Schwierigkeiten bei der Anwerbung von Arbeitskräften, da die Arbeitnehmerfreizügigkeit zwischen der EU und Großbritannien weggefallen ist.

Mehrere internationale Unternehmen haben in den vergangenen Jahren Standorte oder Geschäftseinheiten in EU-Mitgliedstaaten aufgebaut oder erweitert, um weiterhin möglichst reibungslos Zugang zum Binnenmarkt zu behalten.

Finanzplatz London bleibt stark, verliert aber Marktanteile

Ein häufig diskutiertes Thema ist die Rolle Londons als europäisches Finanzzentrum. Die britische Hauptstadt gehört zwar weiterhin zu den wichtigsten Finanzplätzen der Welt, dennoch haben zahlreiche Banken, Vermögensverwalter und Versicherungen Teile ihrer Geschäfte nach Frankfurt, Paris, Amsterdam oder Dublin verlagert.

Dadurch gingen zwar nicht die befürchteten Hunderttausenden Arbeitsplätze verloren, dennoch verlor London einen Teil seines früheren Alleinstellungsmerkmals innerhalb Europas.

Die politische Bilanz

Politisch hat der Brexit Großbritannien zweifellos mehr nationale Entscheidungsfreiheit verschafft. Die Regierung kann heute eigenständig über Einwanderungsregeln, Handelsabkommen oder regulatorische Vorgaben entscheiden.

Allerdings zeigt sich auch, dass wirtschaftliche Verflechtungen nicht einfach durch politische Entscheidungen ersetzt werden können. Viele der neuen Handelsabkommen konnten die Bedeutung des europäischen Binnenmarktes bislang nicht kompensieren.

Die Stimmung hat sich verändert

Bemerkenswert ist, dass Umfragen inzwischen regelmäßig zeigen, dass eine Mehrheit der Briten den Brexit rückblickend eher kritisch bewertet. Vor allem jüngere Menschen äußern häufig den Wunsch nach einer engeren Zusammenarbeit mit der Europäischen Union.

Eine Rückkehr in die EU steht politisch derzeit jedoch nicht auf der Agenda. Stattdessen bemühen sich beide Seiten um pragmatische Lösungen, um den Handel und die Zusammenarbeit in wichtigen Bereichen zu erleichtern.

Fazit

Zehn Jahre nach dem Brexit-Votum lässt sich festhalten: Der Austritt hat Großbritannien zwar mehr politische Eigenständigkeit gebracht, wirtschaftlich jedoch erhebliche Reibungsverluste verursacht. Die rückläufigen deutschen Exporte und die deutlich stärkere Entwicklung des Handels innerhalb der EU gelten als ein sichtbares Beispiel dafür, wie wertvoll der gemeinsame Binnenmarkt für Unternehmen auf beiden Seiten des Ärmelkanals ist.

Der Brexit hat die Handelsbeziehungen nicht beendet – aber er hat sie komplizierter, teurer und für viele Unternehmen weniger attraktiv gemacht. Zehn Jahre später fällt die wirtschaftliche Bilanz daher deutlich nüchterner aus als viele Befürworter des Austritts einst erwartet hatten.

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