Der Fonds LBBW Unternehmensanleihen Euro Select hat im Geschäftsjahr 2025/2026 eine überzeugende Entwicklung gezeigt und seine Benchmark übertroffen. Aus Anlegersicht präsentiert sich der Fonds als aktiv gemanagter Unternehmensanleihenfonds mit Fokus auf Euro-Investment-Grade-Anleihen, der bewusst zusätzliche Renditequellen durch Nachranganleihen und aktives Durationsmanagement erschlossen hat.
Positive Aspekte für Anleger
Überdurchschnittliche Wertentwicklung
Mit einer Jahresperformance von 3,27 % konnte der Fonds sowohl einen positiven absoluten Ertrag erzielen als auch den relevanten Marktindex für Euro-Unternehmensanleihen (ICE BofA Euro Non-Financial Index: +3,12 %) leicht übertreffen. Besonders bemerkenswert ist, dass die Outperformance nach Abzug aller Kosten erreicht wurde.
Erfolgreiche aktive Steuerung
Das Fondsmanagement reagierte aktiv auf das Marktumfeld:
Erhöhung der Nachrangquote von 7,8 % auf 18,7 %
Reduzierung der Duration von 6,5 auf etwa 6 Jahre
Gezielte Umschichtung in attraktiv bewertete Branchen
Einsatz von Derivaten zur Zinssteuerung
Diese Maßnahmen trugen maßgeblich zur positiven Entwicklung bei.
Hohe Diversifikation
Der Fonds investiert in 84 verschiedene Anleihen, wobei die größte Einzelposition lediglich 2,3 % des Fondsvermögens ausmacht. Die zehn größten Positionen repräsentieren zusammen nur 18,9 % des Vermögens. Dadurch wird das Emittentenrisiko wirksam begrenzt.
Sehr hohe Liquidität
Mit einer Liquiditätsquote von 99,97 % ist das Liquiditätsrisiko äußerst gering. Anleger können daher grundsätzlich von einer guten Handelbarkeit der Fondsanteile ausgehen.
Moderate Kostenbelastung
Die Gesamtkostenquote (TER) liegt bei 0,66 % und bewegt sich damit für einen aktiv gemanagten Unternehmensanleihenfonds auf einem wettbewerbsfähigen Niveau.
Kritische Punkte und Risiken
Erhöhtes Kreditrisiko
Der auffälligste Risikofaktor ist die bewusste Erhöhung des Kreditrisikos:
Risikokennzahl Adressenausfallrisiko: 14,3 %
Einstufung: „hohes Adressenausfallrisiko“
Deutlicher Ausbau von BBB-gerateten Anleihen
Erhöhung der Nachrangquote auf 18,7 %
Dies steigert zwar die Renditechancen, macht den Fonds aber anfälliger für eine Verschlechterung der Kreditmärkte.
Relativ hohes Zinsänderungsrisiko
Mit einer Duration von rund sechs Jahren bleibt der Fonds empfindlich gegenüber steigenden Zinsen. Der ausgewiesene Value-at-Risk für Zinsänderungen liegt bei 2,63 % und wird vom Fondsmanagement als „hohes Zinsrisiko“ klassifiziert.
Schrumpfendes Fondsvolumen
Das Fondsvermögen sank von 29,65 Mio. EUR auf 25,87 Mio. EUR. Hauptursache waren Mittelabflüsse von rund 3,89 Mio. EUR durch Anteilsrückgaben der Anleger. Dies sollte beobachtet werden, auch wenn das aktuelle Fondsvolumen weiterhin ausreichend erscheint.
Keine Nachhaltigkeitsstrategie
Der Fonds berücksichtigt laut Bericht keine EU-Kriterien für ökologisch nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten. Für ESG-orientierte Anleger ist das Produkt daher weniger geeignet.
Portfolioqualität
Das Portfolio ist breit über verschiedene Branchen und Länder verteilt. Die größten Länderallokationen sind:
Niederlande: 21,0 %
Frankreich: 20,0 %
USA: 14,1 %
Deutschland: 10,2 %
Besonders stark vertreten sind defensive Sektoren wie Versorger und Konsumgüterunternehmen. Zu den Emittenten zählen zahlreiche etablierte Konzerne wie Airbus, Deutsche Telekom, RWE, Volkswagen und TotalEnergies.
Fazit für Anleger
Der LBBW Unternehmensanleihen Euro Select hat im Berichtsjahr bewiesen, dass aktives Management im Unternehmensanleihenbereich Mehrwert schaffen kann. Die Kombination aus solider Rendite, breiter Diversifikation und moderaten Kosten spricht für die Qualität des Fondsmanagements.
Gleichzeitig wurde die Rendite durch eine bewusste Erhöhung des Kreditrisikos erkauft. Anleger sollten sich daher bewusst sein, dass der Fonds in einem Umfeld steigender Ausfallrisiken oder einer konjunkturellen Abschwächung stärker unter Druck geraten könnte als konservativere Rentenfonds.