Der Abwärtstrend an den Rohstoffmärkten setzt sich fort: Sowohl Gold als auch Silber haben deutlich an Wert verloren. Besonders auffällig ist dabei der starke Rückgang beim Silberpreis, während auch der Goldpreis auf den niedrigsten Stand seit Anfang April gefallen ist.
An den internationalen Märkten sank der Preis für eine Feinunze Gold zuletzt um rund 2,1 Prozent auf 4.555 US-Dollar. Noch heftiger traf es Silber: Der Preis für eine Feinunze fiel zeitweise um mehr als sechs Prozent auf 78,28 US-Dollar.
Anleger ziehen sich aus sicheren Häfen zurück
Händler und Marktbeobachter führen die Kursverluste vor allem auf mehrere gleichzeitig wirkende Faktoren zurück. Einer der wichtigsten Gründe ist die Entwicklung rund um den Iran-Krieg. Nachdem Anleger zunächst verstärkt in sogenannte „sichere Häfen“ wie Gold geflüchtet waren, sorgt das Ausbleiben neuer Eskalationen inzwischen offenbar für Gewinnmitnahmen.
Die Hoffnung vieler Investoren auf eine weitere massive Zuspitzung der geopolitischen Lage habe sich bislang nicht bestätigt. Dadurch sinkt kurzfristig die Nachfrage nach klassischen Krisenwährungen und Edelmetallen.
Starker Dollar belastet Gold zusätzlich
Zusätzlichen Druck erhält der Goldpreis durch die Entwicklung am Devisenmarkt. Der US-Dollar hat zuletzt deutlich zugelegt. Da Gold weltweit überwiegend in Dollar gehandelt wird, verteuert ein stärkerer Dollar den Kauf für Anleger außerhalb der USA. Dies belastet die Nachfrage zusätzlich.
Auch die weiterhin hohen Leitzinsen wirken sich negativ auf Edelmetalle aus. Gold und Silber werfen selbst keine laufenden Zinsen oder Dividenden ab. In Zeiten hoher Zinsen werden deshalb festverzinsliche Anlagen für viele Investoren attraktiver.
Silber deutlich volatiler als Gold
Besonders stark fiel diesmal der Rückgang beim Silberpreis aus. Marktbeobachter verweisen darauf, dass Silber traditionell deutlich schwankungsanfälliger ist als Gold. Das Edelmetall dient nicht nur als Krisenanlage, sondern wird auch stark in der Industrie verwendet — etwa in der Solarbranche, Elektronik oder Elektromobilität.
Wenn Anleger Sorgen über die weltweite Konjunkturentwicklung haben, gerät Silber deshalb oft stärker unter Druck als Gold.
Auch Industriemetalle unter Druck
Nicht nur Edelmetalle verloren an Wert. Auch Industriemetalle wie Kupfer verzeichneten deutliche Preisrückgänge. Dies gilt an den Märkten häufig als Warnsignal für eine schwächere weltweite Industrieproduktion oder sinkende Wachstumserwartungen.
Vor allem die Unsicherheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung, geopolitische Risiken und die Zinspolitik großer Zentralbanken sorgen derzeit für Nervosität an den Rohstoffbörsen.
Experten erwarten weiterhin hohe Schwankungen
Analysten rechnen damit, dass die Volatilität bei Gold und Silber in den kommenden Wochen hoch bleiben dürfte. Entscheidend werde vor allem sein,
- wie sich die geopolitische Lage im Nahen Osten entwickelt,
- ob die US-Notenbank an ihrer straffen Zinspolitik festhält,
- und wie stark sich die globale Konjunktur abschwächt.
Für Anleger bedeutet das: Die Edelmetallmärkte bleiben weiterhin extrem sensibel gegenüber politischen und wirtschaftlichen Nachrichtenlagen.