Mehrere Jahre nach dem Brexit zeigen sich die wirtschaftlichen Folgen für die britische Fleischindustrie immer deutlicher. Nach Angaben des britischen Branchenverbands British Meat Processors Association sind die Fleischexporte aus Großbritannien in die Europäische Union seit 2019 erheblich zurückgegangen.
Besonders stark betroffen ist Schweinefleisch: Die Ausfuhren sanken laut Verband um mehr als ein Drittel. Auch bei Rindfleisch und Lamm verzeichnet die Branche deutliche Rückgänge. Die Exporte von Rindfleisch gingen demnach um gut 20 Prozent zurück, während der Export von Lammfleisch um mehr als 15 Prozent einbrach.
Bürokratie und Grenzkontrollen belasten Unternehmen
Als Hauptursachen nennt die Branche die umfangreichen bürokratischen Hürden nach dem Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. Seit dem Brexit müssen Exporteure zahlreiche zusätzliche Zoll-, Gesundheits- und Herkunftsnachweise erbringen.
Für viele Unternehmen bedeute dies nicht nur erheblichen Verwaltungsaufwand, sondern auch steigende Kosten und längere Lieferzeiten. Besonders kleinere Produzenten hätten Schwierigkeiten, die komplexen Anforderungen dauerhaft wirtschaftlich zu erfüllen.
Hinzu kommen strengere veterinärmedizinische Kontrollen beim Handel mit tierischen Produkten zwischen Großbritannien und der EU.
Branche fordert neues SPS-Abkommen
Der Chef des Branchenverbands, John Powell, wirbt deshalb verstärkt für ein sogenanntes SPS-Abkommen mit der Europäischen Union. SPS steht für „Sanitary and Phytosanitary Measures“ — also Regelungen zu Gesundheits- und Pflanzenschutzstandards.
Ein solches Abkommen könnte die gegenseitige Anerkennung bestimmter Standards erleichtern und dadurch viele Kontrollen sowie bürokratische Verfahren vereinfachen.
Die britische Fleischindustrie hofft dadurch auf schnellere Grenzabfertigungen und geringere Kosten im Handel mit dem wichtigsten Exportmarkt Europas.
EU bleibt zentraler Absatzmarkt
Trotz des Brexits bleibt die Europäische Union für viele britische Lebensmittel- und Fleischproduzenten der wichtigste Absatzmarkt. Gerade frische Fleischprodukte sind auf schnelle Lieferketten angewiesen, weshalb Verzögerungen an Grenzen erhebliche wirtschaftliche Folgen haben können.
Viele Unternehmen beklagen inzwischen, dass der Brexit ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit geschwächt habe. Einige Exporteure hätten ihre Geschäfte innerhalb der EU bereits reduziert oder ganz aufgegeben.
Wirtschaftlicher Druck auf Landwirtschaft wächst
Die aktuellen Zahlen verdeutlichen erneut, wie stark sich politische Entscheidungen auf internationale Lieferketten und ganze Branchen auswirken können. Neben der Fleischindustrie kämpfen auch andere britische Wirtschaftsbereiche seit dem Brexit mit zusätzlichen Handelshemmnissen und gestiegenen Kosten.
Branchenvertreter warnen, dass ohne neue Vereinbarungen zwischen Vereinigtes Königreich und der Europäische Union weitere Marktanteile verloren gehen könnten.