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ES-InvestSelect: Aktien offensiv 2025 – Solider Zuwachs, aber hoher US-Fokus und Kosten bremsen das Renditepotenzial

geralt (CC0), Pixabay

Aus Anlegersicht zeigt der Jahresbericht des ES-InvestSelect: Aktien offensiv ein insgesamt solides, aber nicht überragendes Bild. Der Fonds erzielte im Geschäftsjahr 2025 eine Wertentwicklung von +4,2 % und profitierte dabei vor allem von seinem nahezu durchgehend hohen Investitionsgrad sowie von der starken Ausrichtung auf den US-Aktienmarkt. In einem von sinkenden Inflationsraten, rückläufigen Notenbankzinsen und einer freundlichen Aktienmarktstimmung geprägten Umfeld konnte der Fonds somit positiv abschließen. Gleichzeitig macht der Bericht aber auch deutlich, dass die Performance hinter der Dynamik vieler globaler Aktienmärkte zurückblieb, was für Anleger ein wichtiger Punkt bei der Einordnung ist.

Positiv zu bewerten ist zunächst, dass der Fonds seinem offensiven Profil treu geblieben ist. Zum Jahresende waren 98,2 % des Fondsvermögens in Aktien-ETFs investiert, die Liquiditätsquote lag nur bei knapp 1,9 %. Das spricht für eine klare, konsequente Aktienstrategie ohne nennenswerte Verwässerung durch hohe Kassenbestände. Zudem wurden keine Derivate eingesetzt, obwohl diese grundsätzlich zulässig wären. Für Anleger erhöht das die Transparenz, weil das Portfolio dadurch leichter nachvollziehbar bleibt.

Die Struktur des Fonds ist allerdings auffällig: Es handelt sich faktisch um ein ETF-Dachfondsmodell, das fast ausschließlich über börsengehandelte Indexfonds investiert. Schwerpunkte liegen klar auf den USA sowie auf globalen ESG-Indizes, ergänzt um kleinere Positionen in Europa, Japan, Kanada und dem pazifischen Raum ohne Japan. Regionen wie Lateinamerika und Osteuropa wurden bewusst gemieden. Diese Aufstellung sorgt für eine breite Streuung auf ETF-Ebene, gleichzeitig aber auch für eine gewisse Konzentration auf entwickelte Märkte und insbesondere die USA. Für offensive Anleger ist das nicht grundsätzlich negativ, bedeutet aber, dass die Entwicklung des Fonds stark an die US-Börsen und den Dollar gekoppelt bleibt.

Genau hier lag 2025 auch ein Schwachpunkt. Laut Bericht wirkte sich die hohe US-Dollar-Quote wegen der Dollar-Schwäche gegenüber dem Euro negativ auf die Wertentwicklung aus. Außerdem belastete die zu geringe Gewichtung Europas bzw. Deutschlands, besonders im ersten Quartal 2025. Das ist aus Anlegersicht wichtig, weil es zeigt: Der Fonds ist zwar aktiv gesteuert, doch aktive Schwerpunktsetzungen können eben auch Performance kosten. Der aktive Ansatz hat 2025 also nicht nur Vorteile geliefert.

Ein weiterer kritischer Punkt ist die Kostenstruktur. Die Gesamtkostenquote von 1,92 % ist für einen Fonds, der letztlich überwiegend in ETFs investiert, relativ hoch. Das ist wahrscheinlich der größte strukturelle Nachteil des Produkts. Die im Fonds enthaltenen ETFs selbst sind größtenteils günstig, mit Verwaltungsvergütungen von oft nur 0,05 % bis 0,15 % p.a.. Trotzdem fällt auf Ebene des Dachfonds eine hohe zusätzliche Kostenbelastung an. Für langfristige Anleger ist das besonders relevant, weil hohe laufende Kosten den Zinseszinseffekt über Jahre deutlich schmälern. Gerade bei einem Portfolio, das überwiegend aus Standard-ETFs besteht, stellt sich aus Investorensicht die Frage, ob der Mehrwert der aktiven Allokation die Mehrkosten dauerhaft rechtfertigt.

Die Ertragslage bestätigt diesen Eindruck. Die ordentlichen Erträge waren mit rund 258 Tsd. Euro gering, während die Aufwendungen bei rund 3,73 Mio. Euro lagen. Das führte zu einem ordentlichen Nettoertrag von -3,47 Mio. Euro. Das positive Jahresergebnis von 11,4 Mio. Euro resultierte damit im Wesentlichen aus nicht realisierten Kursgewinnen in Höhe von 12,87 Mio. Euro, nicht aus laufenden Erträgen. Für Anleger bedeutet das: Der Fonds lebt klar von Marktzuwächsen, nicht von stabilen Ausschüttungen oder hohen laufenden Erträgen. Das passt zum offensiven Aktienprofil, macht die Wertentwicklung aber stärker marktabhängig.

Erfreulich ist dagegen das kräftige Wachstum des Fondsvolumens. Das Fondsvermögen stieg von 174,7 Mio. Euro auf 231,0 Mio. Euro. Neben dem positiven Jahresergebnis gab es einen deutlichen Netto-Mittelzufluss von rund 48,1 Mio. Euro. Das spricht für anhaltendes Anlegerinteresse und schafft grundsätzlich Stabilität auf Fondsebene. Der Anteilwert erhöhte sich per Jahresende auf 66,64 Euro, nach 65,10 Euro im Vorjahr. Über mehrere Jahre betrachtet ist die Bilanz zudem deutlich besser als das Einjahresergebnis vermuten lässt: 13,7 % p.a. über 3 Jahre und 9,6 % p.a. über 5 Jahre sind aus langfristiger Sicht ordentlich.

Beim Risiko zeigt sich ein für offensive Aktienanlagen typisches Bild. Das Sondervermögen ist fast vollständig aktienmarktabhängig und trägt daher erhebliche Marktpreisrisiken. Liquiditätsrisiken oder operationelle Besonderheiten traten laut Bericht nicht wesentlich auf. Der ausgewiesene Value-at-Risk mit einem durchschnittlichen potenziellen Risikobetrag von 9,95 % unterstreicht das erhöhte Risikoprofil. Für konservative Anleger ist der Fonds damit klar ungeeignet. Wer investiert, sollte Schwankungen aushalten können und einen langen Anlagehorizont mitbringen.

Im Nachhaltigkeitsbereich verfolgt der Fonds einen gewissen Filteransatz. Schwerwiegende negative Nachhaltigkeitswirkungen wurden nach eigener Darstellung ausgeschlossen, und problematische Emittenten bzw. Zielfonds sollten nicht mehr neu erworben werden. Gleichzeitig wird ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die Investitionen nicht die EU-Kriterien für ökologisch nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten berücksichtigen. Aus Anlegersicht heißt das: Es gibt ESG- und PAI-Filter, aber keinen klaren Fokus auf Taxonomie-konforme Nachhaltigkeit. Wer ein streng nachhaltiges Produkt sucht, sollte diesen Punkt kritisch prüfen.

Unterm Strich wirkt der Fonds aus Anlegersicht wie ein teurer, aktiv gemanagter ETF-Dachfonds mit klarer Aktienorientierung und US-Schwerpunkt. Positiv sind die hohe Investitionsquote, die breite Diversifikation über ETFs, die ordentlichen Mehrjahresrenditen und der Verzicht auf Derivateeinsatz im Berichtsjahr. Kritisch sind dagegen die vergleichsweise schwache Einjahresperformance im Verhältnis zum Marktumfeld, die hohe Kostenquote und die Frage, ob die aktive Steuerung den Gebührenaufschlag langfristig wirklich rechtfertigt.

Fazit:
Für Anleger mit langem Horizont und hoher Risikobereitschaft kann der Fonds als global ausgerichtete Aktienlösung interessant sein, insbesondere wenn sie eine aktiv gesteuerte ETF-Hülle bevorzugen. Wer jedoch kostenbewusst investiert und ähnliche Marktchancen auch über ein einfaches Welt-ETF-Portfolio abbilden kann, dürfte den Fonds kritisch sehen. Die größte Herausforderung aus Investorensicht bleibt daher weniger das Marktrisiko als vielmehr die Frage, ob nach Kosten dauerhaft ein überzeugender Mehrwert entsteht.

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