Dark Mode Light Mode
Staam GmbH: Insolvenzgericht hebt Sicherungsmaßnahmen auf
ES-InvestSelect: Stiftungsfonds 2025 – Solider Ausschütter mit defensiver Ausrichtung, aber begrenztem Renditepotenzial
ARCC Ambulantes Rehabilitations Centrum Castrop GmbH: Sicherungsmaßnahmen aufgehoben

ES-InvestSelect: Stiftungsfonds 2025 – Solider Ausschütter mit defensiver Ausrichtung, aber begrenztem Renditepotenzial

geralt (CC0), Pixabay

Aus Anlegersicht präsentiert sich der ES-InvestSelect: Stiftungsfonds im Geschäftsjahr 2025 als ein vergleichsweise defensiv positionierter Mischfonds mit Fokus auf laufende Erträge und Kapitalerhalt, nicht als wachstumsorientierter Renditefonds. Das wird bereits am Anlageziel deutlich: Im Vordergrund stehen kontinuierliche Erträge, eine regelmäßige Ausschüttung und der langfristige reale Werterhalt des Vermögens. Für Anleger, die eher auf Stabilität, laufende Ausschüttungen und eine breitere Streuung Wert legen, ist das grundsätzlich ein stimmiges Profil.

Positiv fällt zunächst die Wertentwicklung von 5,5 % im Jahr 2025 auf. Das ist für einen stiftungsnahen, eher vorsichtigen Fonds ein ordentliches Ergebnis. Noch interessanter ist, dass die 3-Jahres-Performance mit 7,9 % p.a. deutlich stärker ausfällt als die 5-Jahres-Performance von 3,4 % p.a.. Das spricht dafür, dass der Fonds in den letzten Jahren nach schwächeren Phasen wieder an Stabilität und Ertragskraft gewonnen hat. Gleichzeitig zeigt diese Spanne aber auch, dass der Fonds langfristig kein Renditewunder ist. Wer deutlich höhere reale Vermögenszuwächse sucht, dürfte mit diesem Produkt eher nicht optimal bedient sein.

Die Portfoliostruktur unterstreicht den defensiven Charakter. Zum Jahresende lagen 53,1 % in Rentenfonds, 27,1 % in Aktienfonds, 4,2 % in Gold und 13,9 % in Liquidität bzw. Sonstigem. Diese Aufstellung ist konservativ. Besonders auffällig ist die hohe Barreserve, die einerseits Sicherheit und Flexibilität schafft, andererseits aber in steigenden Märkten die Rendite begrenzen kann. Dass die Rentenquote gegenüber dem Vorjahr deutlich erhöht wurde, zeigt eine klar vorsichtige Positionierung des Managements. Das passt zum Stiftungscharakter des Fonds, bedeutet aber auch: In sehr starken Aktienphasen wird der Fonds vermutlich hinter offensiveren Mischfonds oder globalen Aktienfonds zurückbleiben.

Auf der Ertragsseite ist der Fonds aus Investorensicht durchaus überzeugend. Der ordentliche Nettoertrag betrug 877.217,82 Euro, das realisierte Ergebnis des Geschäftsjahres 1.493.493 Euro. Die Gesamtausschüttung lag bei 1,49 Euro je Anteil, davon 0,55 Euro Zwischenausschüttung und 0,94 Euro Endausschüttung. Für Anleger, die auf laufende Erträge achten, ist das ein wichtiger Pluspunkt. Der Fonds erfüllt damit sichtbar seinen Zweck als Ausschüttungsvehikel. Bemerkenswert ist auch, dass ein erheblicher Teil der Erträge aus Investmentanteilen und Liquiditätszinsen stammt, also aus relativ klassischen und nachvollziehbaren Quellen.

Ebenfalls positiv zu bewerten ist die breite Diversifikation. Der Fonds investiert überwiegend über Zielfonds und ETFs in unterschiedliche Segmente wie Euro-Staatsanleihen, Unternehmensanleihen, High Yield, Covered Bonds, Wandelanleihen, globale Aktien, US-Aktien, Japan-Aktien sowie Cat Bonds. Dazu kommt eine kleine Goldbeimischung. Diese Streuung reduziert Klumpenrisiken. Gerade für vorsichtige Anleger ist das attraktiv. Allerdings entsteht dadurch auch eine gewisse Komplexität, denn der Anleger kauft hier letztlich einen Dachfonds mit mehreren Ebenen von Risiken und Kosten.

Ein weiterer Pluspunkt ist die Kostenquote von 0,84 %. Für einen aktiv gesteuerten vermögensverwaltenden Dachfonds ist das nicht hoch, sondern eher vernünftig. Zwar kommen auf Ebene der Zielfonds zusätzliche Verwaltungsvergütungen hinzu, doch viele eingesetzte ETFs sind günstig. Das spricht dafür, dass die Gesamtkostenstruktur im Verhältnis zur Strategie noch akzeptabel ist. Für einen Einkommens- oder Stiftungsfonds ist das wichtig, weil hohe Kosten die Ausschüttungsfähigkeit schnell belasten würden.

Kritischer ist aus Anlegersicht der Umgang mit Währungsrisiken zu bewerten. Der Bericht sagt ausdrücklich, dass die hohe US-Dollar-Quote aufgrund der Schwäche des US-Dollars gegenüber dem Euro negativ auf die Wertentwicklung wirkte. Zwar wurden Devisentermingeschäfte eingesetzt, dennoch zeigt das: Auch ein defensiver Fonds ist nicht frei von spürbaren Währungseinflüssen. Wer annimmt, dass ein stiftungsorientierter Mischfonds automatisch sehr risikoarm im engeren Sinn sei, unterschätzt diese Komponente.

Die Derivatenutzung wirkt im Bericht kontrolliert und eher ergänzend als spekulativ. Futures auf den S&P 500 und US-Treasuries sowie Devisentermingeschäfte dienten vor allem der Steuerung des wirtschaftlichen Investitionsgrads und der Absicherung. Das zugrunde liegende Derivate-Exposure von rund 7,79 Mio. Euro ist nicht trivial, erscheint im Verhältnis zum Fondsvolumen aber beherrschbar. Auch der durchschnittliche VaR von 3,31 % sowie das Leverage von 119,24 % deuten nicht auf eine aggressive Hebelstrategie hin. Für Anleger ist das ein Signal, dass der Fonds seine Derivate offenbar diszipliniert einsetzt.

Sehr positiv ist zudem die Mittelentwicklung: Das Fondsvermögen stieg von 35,33 Mio. Euro auf 44,29 Mio. Euro. Neben der Performance gab es einen deutlichen Netto-Mittelzufluss von rund 7,94 Mio. Euro. Das spricht für Vertrauen seitens der Anleger oder Vertriebspartner. Wachsende Fondsvolumina können die Stabilität erhöhen, sind aber nicht automatisch ein Qualitätsbeweis. Dennoch ist der Mittelzufluss ein gutes Zeichen.

Im Aktienbereich fällt auf, dass Emerging Markets komplett fehlen. Das reduziert Schwankungen, nimmt dem Fonds aber auch Wachstumschancen. Der Fokus liegt auf USA, Europa und Japan, also auf etablierten Märkten. Zusammen mit Large-Cap-Ausrichtung und dem hohen Rentenanteil ergibt sich ein insgesamt konservatives, aber auch etwas renditebegrenztes Profil. Für einen defensiven Ausschüttungsfonds ist das nachvollziehbar. Für Anleger mit langem Horizont und höherer Risikotragfähigkeit könnte diese Zurückhaltung aber zu viel des Guten sein.

Auch die Nachhaltigkeitsdarstellung ist aus Investorensicht relevant. Der Fonds berücksichtigt nachteilige Nachhaltigkeitsauswirkungen bei Wertpapieren und Geldmarktinstrumenten, berücksichtigt aber nicht die EU-Kriterien für ökologisch nachhaltige Wirtschaftsaktivitäten im Sinne der Taxonomie. Das heißt praktisch: Es gibt Nachhaltigkeitsfilter, aber der Fonds ist kein klarer Artikel-9- oder Taxonomie-Fonds. Für Anleger mit strengem ESG-Anspruch ist das wichtig zu wissen.

Mein Fazit aus Anlegersicht: Der ES-InvestSelect: Stiftungsfonds ist 2025 ein solider, defensiver Ausschüttungsfonds, der sein Kernziel erfüllt: regelmäßige Erträge, gute Diversifikation, begrenztes Risiko und stabile Entwicklung. Die Performance von 5,5 % ist ordentlich, die Ausschüttung attraktiv für einkommensorientierte Anleger, und die Kosten sind für das Konzept vertretbar. Weniger überzeugend ist aus Renditesicht die hohe Vorsicht des Portfolios mit großer Renten- und Liquiditätsquote sowie der Verzicht auf wachstumsstärkere Regionen. Deshalb wirkt der Fonds besonders geeignet für stiftungsähnliche Anleger, konservative Privatanleger oder Investoren mit Fokus auf Ausschüttung und Werterhalt. Für Anleger, die vor allem maximales langfristiges Kapitalwachstum suchen, dürfte er dagegen eher nur eine Beimischung sein.

Kommentar hinzufügen Kommentar hinzufügen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Previous Post

Staam GmbH: Insolvenzgericht hebt Sicherungsmaßnahmen auf

Next Post

ARCC Ambulantes Rehabilitations Centrum Castrop GmbH: Sicherungsmaßnahmen aufgehoben