Aus Anlegersicht zeigt der Jahresbericht des ODDO BHF Polaris Moderate LV ein insgesamt solides, aber nicht überragendes Bild. Der Fonds hat im Geschäftsjahr 2024/2025 mit einem Wertzuwachs von 1,62 % positiv abgeschlossen und damit in einem von Unsicherheit, Zinspolitik und erhöhten Marktschwankungen geprägten Umfeld seine defensive Grundidee erfüllt: größere Rückschläge vermeiden und einen moderaten Mehrertrag gegenüber einer reinen Rentenanlage erzielen. Für vorsichtige Anleger ist das grundsätzlich ein positives Signal. Gleichzeitig zeigt der Bericht aber auch, dass die Rendite trotz freundlicher Kapitalmärkte eher verhalten blieb und damit die Frage aufwirft, ob das Chance-Risiko-Verhältnis für Anleger attraktiv genug ist.
Der Fonds ist klar defensiv ausgerichtet. Zum Stichtag waren rund 64,6 % des Vermögens in Anleihen, 21,3 % in Aktien, 3,7 % in Gold über Xetra-Gold, gut 8 % in Liquidität und nur in sehr geringem Umfang in Derivaten investiert. Diese Struktur passt gut zu einem moderaten Risikoprofil. Positiv ist insbesondere, dass der Fonds nicht nur auf klassische Staatsanleihen setzt, sondern stark in Unternehmensanleihen investiert ist, die laut Bericht im abgelaufenen Jahr einen positiven Beitrag geleistet haben. Aus Investorensicht ist das wichtig, weil es erklärt, warum der Fonds trotz schwächerer Aktienselektion im Plus blieb.
Besonders hervorzuheben ist die stabilisierende Rolle der Goldposition. Das Management nennt Gold ausdrücklich als wesentlichen Performance-Treiber. Für Anleger ist das ein Qualitätsmerkmal, weil es zeigt, dass der Fonds nicht eindimensional konstruiert ist, sondern bewusst auf Diversifikation setzt. In einem Umfeld geopolitischer Unsicherheit, Inflationssorgen und staatlicher Verschuldung ist eine Goldbeimischung als Absicherung nachvollziehbar. Allerdings sollte man auch sehen: Wenn Gold und Anleihen die Hauptstützen der Rendite waren, während die Aktienauswahl trotz freundlichem Markt leicht negativ ausfiel, dann war der eigentliche Mehrwert des aktiven Managements im Aktienbereich zuletzt begrenzt.
Genau hier liegt ein kritischer Punkt. Der Bericht sagt offen, dass die Aktienpositionen über den Berichtszeitraum leicht an Wert verloren haben, obwohl das Marktumfeld insgesamt freundlich war. Das ist aus Anlegersicht nicht ideal. Denn ein Mischfonds rechtfertigt seine Kosten auch dadurch, dass er in den jeweiligen Anlageklassen gute Selektion betreibt. Wenn der Markt steigt, die eigene Aktienauswahl aber hinterherhinkt, ist das ein Warnsignal. Zwar sind die Einzelpositionen qualitativ durchaus hochwertig – etwa Microsoft, Thermo Fisher, Deere, Visa, LVMH, Allianz oder Schneider Electric – doch gab es offenbar genug Fehlgriffe oder ungünstige Gewichtungen, um den Aktienbeitrag insgesamt zu belasten.
Die Rentenstruktur wirkt dagegen relativ überzeugend. Die Laufzeiten sind breit gestreut, mit Schwerpunkt im Bereich von ein bis zehn Jahren. Das begrenzt einerseits das extreme Zinsänderungsrisiko, andererseits sichert es laufende Erträge. Die Zinserträge sind im Bericht deutlich sichtbar: Ausländische Wertpapiere lieferten über 2,16 Mio. EUR, inländische weitere 288 Tsd. EUR. Für einen defensiven Mischfonds ist das attraktiv, weil die Rendite nicht nur von Kurssteigerungen abhängt, sondern zunehmend wieder aus Kupons kommt. Positiv fällt außerdem auf, dass das Portfolio breit über viele Emittenten gestreut ist. Das reduziert Klumpenrisiken im Bond-Bereich, auch wenn natürlich ein generelles Bonitäts- und Kreditrisiko bestehen bleibt.
Weniger positiv ist die Mittelentwicklung. Das Fondsvermögen sank von 154,6 Mio. EUR auf 144,8 Mio. EUR, also um knapp 9,8 Mio. EUR. Der Hauptgrund war nicht die Wertentwicklung, sondern ein deutlicher Netto-Mittelabfluss von rund 12,2 Mio. EUR. Das heißt: Es sind mehr Anleger ausgestiegen als neu eingestiegen. Das muss kein Alarmsignal sein, kann aber aus Investorensicht ein Hinweis darauf sein, dass der Fonds zuletzt nicht genug Nachfrage erzeugt hat. Anhaltende Mittelabflüsse können Druck auf das Management ausüben, Positionen zu ungünstigen Zeitpunkten zu verkaufen oder die strategische Flexibilität einzuschränken.
Ein weiterer wichtiger Punkt sind die Kosten. Die ausgewiesene Gesamtkostenquote von 0,56 % wirkt auf den ersten Blick moderat und für einen aktiv gemanagten Mischfonds durchaus vertretbar. Positiv ist auch, dass keine erfolgsabhängige Vergütung anfiel. Allerdings bleibt für Anleger die entscheidende Frage, ob diese Kosten durch aktive Mehrleistung verdient wurden. Bei nur 1,62 % Jahresrendite fällt die Kostenbelastung stärker ins Gewicht als in sehr starken Renditejahren. Anders gesagt: Der Fonds ist nicht teuer im absoluten Sinn, aber die erzielte Mehrrendite war 2024/2025 nicht so hoch, dass die Kosten völlig in den Hintergrund treten würden.
Das Risikoprofil erscheint insgesamt kontrolliert. Der Derivateeinsatz ist gering, die durchschnittliche Hebelwirkung lag nur bei 1,10, der durchschnittliche Value-at-Risk bei 1,91 %, maximal bei 2,37 %. Das spricht für ein diszipliniertes Risikomanagement und passt zur moderaten Produktidee. Für konservative Anleger ist das ein klarer Pluspunkt. Auch die hohe Liquiditätsquote von über 8 % erhöht die Stabilität und Handlungsfähigkeit des Fonds. Auf der anderen Seite bedeutet viel Liquidität auch, dass in starken Marktphasen Renditepotenzial ungenutzt bleibt.
Interessant ist der Blick auf die langfristige Entwicklung. Der Anteilwert stieg in den vergangenen drei Geschäftsjahren von 927,20 EUR auf 1.067,46 EUR. Das zeigt eine positive Tendenz und einen gewissen Vermögensaufbau. Gleichzeitig sank aber die Zahl der umlaufenden Anteile kontinuierlich. Daraus ergibt sich das Bild eines Fonds, der zwar ordentlich verwaltet wird, aber offenbar nicht zu den Produkten gehört, die derzeit besonders stark Mittel anziehen. Für Bestandsanleger ist das noch kein Problem, für potenzielle Neuanleger aber ein Aspekt, den man beobachten sollte.
Unterm Strich wirkt der ODDO BHF Polaris Moderate LV aus Anlegersicht wie ein vernünftiger, defensiver Mischfonds mit guter Diversifikation, solidem Rentenfundament und nützlicher Goldbeimischung. Er eignet sich eher für Anleger, die Kapitalschwankungen begrenzen wollen und keine hohe Aktienquote suchen. Weniger überzeugend ist jedoch, dass die Rendite in einem insgesamt positiven Kapitalmarktumfeld nur moderat ausfiel, obwohl aktives Management im Einsatz war. Besonders die schwache Aktienselektion und die deutlichen Mittelabflüsse dämpfen den positiven Gesamteindruck.
Fazit:
Für sicherheitsorientierte Anleger ist der Fonds weiterhin solide und nachvollziehbar positioniert. Wer jedoch auf spürbaren Vermögenszuwachs hofft, dürfte den Fonds eher als Stabilisierungsbaustein denn als Renditetreiber betrachten. Das Produkt überzeugt mehr durch Risikobegrenzung und Substanz als durch dynamische Wertsteigerung.