Aus Anlegersicht zeigt der Jahresbericht des Fonds Heiligenfeld Vermögen ein insgesamt ordentliches, aber nicht überragendes Geschäftsjahr. Der Fonds erzielte im Berichtszeitraum vom 1. Dezember 2024 bis 30. November 2025 eine Wertentwicklung von +6,31 %. Das ist positiv, vor allem vor dem Hintergrund eines von Handelskonflikten, geopolitischen Risiken und Währungsschwankungen geprägten Marktumfelds. Gleichzeitig zeigt der Bericht deutlich, dass die Rendite im Wesentlichen aus der starken Aktienmarktentwicklung kam, während der Sicherheitsbaustein Anleihen nur noch eine Nebenrolle spielte.
Der Fonds ist inzwischen klar offensiver positioniert als im Vorjahr. Die Aktienquote wurde deutlich ausgebaut: Direkt gehaltene Aktien stiegen von 43,91 % auf 51,00 % des Fondsvermögens. Rechnet man die aktiennahen Fondsanteile hinzu, lag die effektive Aktienquote laut Bericht zeitweise sogar zwischen 70 und 90 %. Im Gegenzug wurde die Anleihequote massiv reduziert, von 19,83 % auf 8,47 %. Das ist ein wichtiger Punkt für Anleger: Der Fonds tritt zwar als vermögensverwaltender Mischfonds auf, war im Berichtsjahr aber faktisch stark aktiengetrieben. Wer hier einen defensiven Ausgleich durch Renten erwartet, bekommt ihn nur eingeschränkt.
Positiv ist, dass das Management die Marktphase offenbar aktiv genutzt hat. Das Portfolio wurde zugunsten von US-Aktien, europäischen Aktien und Finanzwerten ausgerichtet. Gleichzeitig wurde Gold als Absicherungs- und Diversifikationsbaustein ausgebaut; Zertifikate auf Gold machen zusammen knapp 5,9 % des Fondsvermögens aus. Diese Beimischung erscheint aus Investorensicht sinnvoll, weil Gold in einem Umfeld politischer Unsicherheit und schwächerer Währungen stabilisierend wirken kann.
Auffällig ist jedoch die hohe Abhängigkeit von den USA. Allein die direkt gehaltenen US-Aktien machen 21,81 % des Fondsvermögens aus. Hinzu kommen große ETF-Positionen auf den US-Markt, insbesondere auf den S&P 500. Besonders dominant ist dabei ein einzelner ETF mit 18,17 % Fondsanteil. Das bedeutet: Trotz breiter Streuung über Einzeltitel und Fonds ist der Portfolioerfolg in erheblichem Maß an die Entwicklung des US-Aktienmarkts gekoppelt. Für Anleger ist das attraktiv, solange die US-Börsen weiter führen – es erhöht aber das Rückschlagpotenzial bei einer Korrektur.
Die Einzeltitelauswahl wirkt grundsätzlich hochwertig und nachvollziehbar. Im Portfolio finden sich etablierte Unternehmen wie Microsoft, Apple, JPMorgan, Goldman Sachs, Allianz, ASML, LVMH oder Deutsche Telekom. Das spricht für einen Fokus auf marktstarke, liquide Qualitätswerte. Gleichzeitig fällt die deutliche Übergewichtung von Finanzwerten auf – etwa Citigroup, JPMorgan, Goldman Sachs, Bank of America, Deutsche Bank, Santander, KBC, Société Générale oder Intesa Sanpaolo. Diese sektorale Schwerpunktsetzung kann in einem Umfeld stabiler Konjunktur und sinkender Zinsen helfen, erhöht aber die Zyklik des Fonds.
Ein wesentlicher Schwachpunkt aus Euro-Anlegersicht war laut Bericht die Währungsentwicklung. Der Fonds war stark in US-Dollar investiert, und die Schwäche des Dollars hat einen Teil der Aktiengewinne wieder aufgezehrt. Zwar wurden Derivate zur Währungsabsicherung eingesetzt, doch der Umfang war eher begrenzt. Das zeigt: Der Fonds ist nicht nur vom Aktienmarkt, sondern auch spürbar von Wechselkursen abhängig. Für Anleger im Euroraum ist das ein echter Risikofaktor.
Bei den Erträgen wird deutlich, dass der Fonds kein klassischer Einkommensfonds ist. Das ordentliche Nettoergebnis war mit -2.383,44 Euro leicht negativ. Die laufenden Erträge aus Dividenden und Zinsen reichten also nicht aus, um die laufenden Kosten vollständig zu decken. Der Jahreserfolg stammt fast vollständig aus realisierten Kursgewinnen in Höhe von rund 754.000 Euro sowie aus positiven Bewertungsänderungen. Das ist nicht per se schlecht, macht aber klar: Die Wertentwicklung hängt stark von Markterfolgen ab, weniger von stabilen laufenden Erträgen.
Die Kostenstruktur ist für Anleger ambivalent. Die ausgewiesene Gesamtkostenquote von 1,03 % wirkt zunächst akzeptabel. Hinzu kommt jedoch eine erfolgsabhängige Vergütung von 0,63 % des durchschnittlichen Nettoinventarwertes. Im Fondsvermögen waren zum Stichtag 83.176,48 Euro Performance Fee zurückgestellt. Das ist relevant, weil dadurch ein spürbarer Teil der erzielten Bruttorendite an die Fondsgesellschaft geht. Für Anleger zählt am Ende die Nettorendite – und hier sollte man genau hinschauen, ob die aktive Leistung diese Zusatzkosten dauerhaft rechtfertigt.
Die Fondsgröße stieg von 14,13 Mio. Euro auf 15,06 Mio. Euro, wobei der Netto-Mittelzufluss mit knapp 29.814 Euro sehr gering war. Das Wachstum kam also fast vollständig aus der Wertsteigerung des Portfolios, nicht aus nennenswertem frischem Anlegerkapital. Das kann man neutral sehen: Einerseits zeigt es, dass der Fonds noch kein breites Vertriebsmomentum hat; andererseits kann eine kleinere Fondsgröße dem Management mehr Flexibilität geben.
Positiv zu bewerten ist, dass das Portfolio insgesamt sauber strukturiert und transparent wirkt. Der Wertpapierbestand liegt bei 94,16 %, die Liquidität bei gut 6 %. Die Hebelwirkung durch Derivate war mit 1,03 niedrig, und der ausgewiesene Value-at-Risk bewegte sich in einem überschaubaren Rahmen. Der Fonds scheint also keine aggressive Derivatestrategie zu fahren, sondern nutzt Derivate vor allem zur Währungsabsicherung. Das ist aus Risikosicht beruhigend.
Die Nachhaltigkeitspositionierung als Artikel-8-Fonds ist vorhanden, sollte aber aus Anlegersicht nüchtern eingeordnet werden. Der Fonds bewirbt ökologische und soziale Merkmale, ist aber kein streng nachhaltiger Impact-Fonds. Außerdem weist der Bericht selbst darauf hin, dass der Grundsatz der Vermeidung erheblicher Beeinträchtigungen nur für jene Investments gilt, die die EU-Kriterien für ökologisch nachhaltige Tätigkeiten berücksichtigen. Für nachhaltig orientierte Anleger ist das eher eine moderate als eine konsequente ESG-Positionierung.
Unterm Strich hinterlässt der Fonds einen soliden Eindruck, aber mit klar erkennbaren Profilmerkmalen. Die Stärken liegen in der aktiven Allokation, der Kombination aus Qualitätsaktien, ETFs und Gold sowie der nachvollziehbaren Positionierung in einem schwierigen Marktumfeld. Die Schwächen liegen in der hohen Aktienlastigkeit, der deutlichen US- und Finanzsektorabhängigkeit, der Währungsanfälligkeit und den nicht ganz niedrigen Gesamtkosten inklusive Performance Fee.
Fazit aus Anlegersicht:
Heiligenfeld Vermögen ist im Berichtsjahr kein defensiver Mischfonds, sondern eher ein aktiv gesteuerter, aktienbetonter Vermögensverwaltungsfonds mit moderatem Sicherheitsnetz. Für Anleger, die an weiter stabile oder steigende Aktienmärkte glauben und eine aktive Steuerung schätzen, kann der Fonds interessant sein. Wer dagegen einen stärker ausgleichenden, einkommensorientierten oder kostensensiblen Fonds sucht, sollte vorsichtig sein. Die erzielte Rendite ist respektabel, aber sie wurde mit einem spürbar erhöhten Aktien- und Währungsrisiko erkauft.