Aus Anlegersicht präsentiert sich der S4A Multi Asset Defensive im Berichtsjahr 2024/2025 als klar defensiv ausgerichteter Fonds, der seine Sicherheitsorientierung konsequent umgesetzt hat, dabei aber nur sehr begrenztes Renditepotenzial gezeigt hat. Die größte Stärke des Fonds liegt in seiner hohen Anleihequote, breiten Emittentenstreuung und dem Fokus auf bonitätsstarke Schuldner. Die größte Schwäche ist die deutliche Abhängigkeit vom Zinsniveau, insbesondere wegen der langen Laufzeiten im Portfolio.
Der Fonds war zum Stichtag praktisch ein reiner Rentenfonds: 98,22 % des Vermögens waren in Anleihen investiert, Aktien spielten faktisch keine Rolle. Damit weicht die tatsächliche Struktur etwas von der allgemeinen Multi-Asset-Idee ab. Für vorsichtige Anleger ist das nicht zwingend negativ, zeigt aber, dass die Renditequellen stark auf Kuponerträge und Zinsbewegungen konzentriert waren. Positiv ist, dass überwiegend in Euro-Anleihen investiert wurde, wodurch das Währungsrisiko niedrig blieb.
Auffällig ist die lange Duration des Portfolios. Rund 67,15 % der Anleihen hatten Restlaufzeiten zwischen 5 und 10 Jahren, weitere 31,06 % lagen sogar bei über 10 Jahren. Für Anleger bedeutet das: Der Fonds ist zwar defensiv im Kreditprofil, aber nicht defensiv im Zinsrisiko. Gerade langfristige Anleihen reagieren empfindlich auf Renditeanstiege oder auch auf länger hoch bleibende Zinsen. Genau das spiegelt sich im Berichtsjahr wider.
Die Wertentwicklung fiel entsprechend schwach aus. Die Anteilklassen erzielten im Berichtszeitraum -0,33 % (R), -0,02 % (I) und -0,03 % (A). Das ist zwar kein schwerer Rückschlag, aber für einen defensiven Fonds auch kein überzeugendes Ergebnis, zumal Zinsen als laufender Ertrag grundsätzlich vorhanden waren. Der Grund liegt in den nicht realisierten Kursverlusten im Anleihebestand: Auf Fondsebene standen einem realisierten Ergebnis von +283.111,69 EUR nicht realisierte Verluste von -286.040,91 EUR gegenüber. Das operative Zinsergebnis war also ordentlich, wurde aber durch Bewertungsverluste fast vollständig aufgezehrt.
Positiv zu bewerten ist die Qualität und Diversifikation der Emittenten. Im Portfolio finden sich viele bekannte und tendenziell solide Namen wie Allianz, Alphabet, AXA, Deutsche Telekom, Nestlé, Roche, Schneider Electric oder Linde. Ergänzt wird dies durch Staatsanleihen, die etwa 11,63 % des Fondsvolumens ausmachen. Das reduziert das Ausfallrisiko im Vergleich zu renditestärkeren, aber schwächeren Bonitäten. Gleichzeitig besteht aber weiterhin Adressenausfall- und Spreadrisiko, denn Unternehmensanleihen bleiben von Bonitätsveränderungen und Marktstimmungen abhängig.
Regional ist das Portfolio deutlich in den USA (37,01 %) und Deutschland (19,73 %) konzentriert. Das ist kein Klumpenrisiko im engeren Sinn, aber eine erkennbare Schwerpunktsetzung. Branchenmäßig dominieren Industrie, Gesundheitswesen und Kommunikation. Diese Sektorverteilung wirkt insgesamt solide und defensiv, auch wenn der Fonds wegen der Anleiheorientierung ohnehin weniger von klassischen Aktiensektoren abhängt als ein Mischfonds mit echter Aktienquote.
Die Kostenstruktur ist für Anleger ein wichtiger Punkt. Die institutionellen und ausschüttenden Anteilklassen I und A sind mit einer Gesamtkostenquote von 0,84 % noch akzeptabel. Die Retail-Klasse R ist mit 1,14 % spürbar teurer und zusätzlich mit einem Ausgabeaufschlag von 3,00 % belastet. Für einen Fonds mit so defensivem Profil und sehr geringer Jahresrendite ist das aus Privatanlegersicht ein klarer Nachteil. Wer Zugang zu einer günstigeren Anteilklasse hat, steht deutlich besser da.
Ein weiterer Blick auf die Anlegerbewegungen zeigt ein gemischtes Bild: Auf Fondsebene gab es netto einen Mittelzufluss von rund 0,4 Mio. EUR, allerdings nur, weil die Klasse R und A Zuflüsse verzeichneten, während die institutionelle Klasse I deutliche Abflüsse hatte. Das kann man als Hinweis werten, dass größere Anleger im Berichtsjahr eher zurückhaltend waren.
Die Risikokennzahlen wirken auf den ersten Blick moderat. Der ausgewiesene potenzielle Risikobetrag für das Marktrisiko lag im Durchschnitt bei 0,74 %, Derivate wurden praktisch nicht eingesetzt. Das spricht für ein transparentes und relativ einfaches Portfolio. Dennoch sollte man sich davon nicht täuschen lassen: Das zentrale Risiko liegt hier weniger in komplexen Instrumenten, sondern in der klassischen Zins- und Laufzeitstruktur des Bestands.
Unterm Strich ist der Fonds aus Anlegersicht solide, aber wenig attraktiv. Er eignet sich eher für Investoren, die Kapitalschwankungen begrenzen, auf bonitätsstarke Euro-Anleihen setzen und keine hohen Renditeerwartungen haben. Weniger geeignet ist er für Anleger, die von einem Multi-Asset-Fonds mehr Flexibilität, eine echte Aktienbeimischung oder spürbaren Mehrwert gegenüber direkten Renteninvestments erwarten.
Fazit:
Der S4A Multi Asset Defensive ist im Kern ein konservativer Unternehmensanleihefonds mit langem Laufzeitenprofil. Die defensive Kreditqualität spricht für Stabilität, doch die starke Zinsabhängigkeit begrenzt die Attraktivität. Für sicherheitsorientierte Anleger kann der Fonds als defensiver Baustein funktionieren, aber die schwache Jahresperformance und die Kosten – besonders in der R-Klasse – sprechen nicht für ein besonders überzeugendes Chance-Risiko-Verhältnis.